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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Kommentar
Kommentar vom "Hochblauen"
Das Ziel heiligt die Werte!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Das war der Gipfel! Schöne Bilder waren angesagt in der Inszenierung um die Zugspitze und das malerische Garmisch-Partenkirchen. Da konnte ich es mir nicht verkneifen, da der Gipfel schon so viel und langweilig kommentiert wurde, nach etwas spezieller Hintergrund-Folklore zu suchen.

Schloss Elmau
NRhZ-Archiv
 
Als Krün, der Ort, wo Schloss Elmau, das Luxus-Refugium der Polit-Prominenz und anderer wichtiger Gäste beheimatet ist, ganz bewusst von Merkel gewählt wurde, war es für mich nach der Geschichte von Elmau eigentlich überhaupt keine Überraschung. Dieses Schloss-Hotel, das auch gerne von der Israel Lobby besucht wird, wo dann Jüdische Kongresse stattfinden. (1)
Dort versammelten sich zum Beispiel 2012 zum Jüdischen Kulturkongress Tarbut umstrittene Gestalten wie der Pornoverfasser H.M. Broder, der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit, der mit den pädophilen Äußerungen. (2)
Maxim Biller, der "gebrauchte Jude", oder der einzige jüdische Comedien mit Psychiatrie-Erfahrungen, Oliver Polak, der seine Auftritte mit geschmacklosen Holocaust Witzen bestreitet und nach dem Tod von Günter Grass twitterte: "Günter Grass tod, danke Mossad". (3) Dieser Kongress wurde vom Zentralrat der Juden und diversen anderen Personen gesponsert, darunter auch dem Besitzer des Schloss Elmau, Dieter Müller-Elmau.
 

Hotelier des Jahres 2012 und 2015: Dietmar
Müller-Elmau
Das führt uns direkt zum Schloss Elmau und seiner schillernden Vergangenheit, sehr interessant zu lesen, um die Wahl der Kanzlerin noch besser zu verstehen. (4)
Was konnte Dieter Müller-Elmau also Besseres passieren, als dass er als Schlossherr von Merkel als Gipfeldomizil ausgewählt zu werden? Der "Herrenreiter und Bauwütige" bekam allein drei Millionen Steuergelder vom Freistaat Bayern, um seine Alpenfestung herzurichten. Allein um die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, zusätzlich zu den Hotelkosten, die sich im zweistelligen Bereich bewegen. Außerdem baute er 44 neue Suiten, zusätzlich acht gleiche Suiten für die Gipfelteilnehmer. Schließlich war der G8-Gipfel nicht als G7 geplant, da war Putin noch als Schlossgast mit "gleichen Werten" eingeplant. (5)
 
Mich erinnert diese "Alpenfestung", das "Kanzlerin Sperrgebiet" für den Gipfel, fatal an das frühere "Führer Sperrgebiet" am Obersalzberg. (6)
Auch die Bilder der Trachtenkappelle und der Fähnchen schwenkenden bayerischen Kinder in Trachten, die Farce des "US-Führers" Obama mit Grüß Gott und den vergessenen Lederhosen, sowie dem extra auf dem Marktplatz von Krün gebauten Potemkischen Biergarten - den es sonst nicht gibt - der hatte etwas zwischen der Science Fiction vom Freizeitpark Rust und Disneyland.
Ich wunderte mich sowieso, warum dieser Freizeitpark nicht ausgewählt wurde, der hätte doch genau für diesen Klischee-Gipfel gepasst, zumal Mack doch CDU-Mitglied ist und ja quasi dank großzügiger öffentlicher Unterstützung der Lahrer/Schwarzwaldflughafen für ihn weiter betrieben wird.
Georg Schramm gab einen spektakulären Auftritt in Rust, den ich mir abgewandelt auch für den Gipfel hätte vorstellen können. (7)

Gastgeberin Angela Merkel
NRhZ-Archiv
 
So aber blieb alles ganz in der Tradition der 50er Jahre-Heimatfilme à la Luis Trenker, so wie Merkel sich äußerte: "In dieser Region sind Tradition und Moderne eng miteinander verbunden".
So wie sich ehemalige "FDJ-Sekretärinnen und US-Touristen" eben bayerische Klischees vorstellen. Bierkrüge mit Weizenbier, Seppelhosen und Blaskapelle mit den vollständig erschienenen 400 Mitgliedern des örtlichen Trachtenvereins - das waren die Bilder, die das Weiße Haus und seine Medienberater für die US-Fernsehzuschauer wollten.
Schade, dass diesmal das ganze Grill-Schwein fehlte, das Merkel beim letzten noch G8 genannten Gipfel in Heiligendamm für Geoge W. Bush gebraten hatte.
 
Alles war natürlich im Vorfeld abgesprochen, Keine NSA-Spionageaffäre, keine störenden Selektoren durften diese transatlantische, unzerbrüchliche Freundschaft der beiden FührerInnen stören.
So war nur Putin Beschimpfung angesagt, TTIP und CETIP mit Kanada schnell unter Dach und Fach bringen, alles im Sinne von Obama und Harper. Zwischendurch Deutschland und den Europäern auch noch klar machen, dass Griechenland in der EU zu bleiben hat, sind das Ziel das die Werte heiligt. (8)
 
Jedes Bild war genau durchdacht, alle Regierungschefs wurden in Golfwagen vor Merkel vorgefahren und am roten Teppich abgesetzt. Nur einer, Obama, kam zu Fuß zu Merkel und Ehemann, um zu zeigen wie dynamisch der US-Superman ist!
Auch Camerons Loblied auf die liebreizende Gegend und den Park, vor dem herrlichen Alpenpanorama, genau richtig zum Wandern und keine Menschen zum Ruinieren.
Dies schien allerdings angesichts der Tatsache, dass ein 16 Kilometer langer Maschendrahtzaun und Abholzungen und Hubschrauber-Flüge massive Umweltzerstörungen nach sich zogen, wie ein schlechter britischer Witz.
Diese Regierungschefs, die abgeschirmt von tausenden von Polizisten und Sicherheitskräften ihre Show veranstalteten, während das Vieh eingesperrt wurde und das Stimmvieh am Zaun rütteln durfte, ebenso wie die friedlichen Demonstranten, die, von der Staatsgewalt eingeschüchtert, am Montag müde aufgaben. Kamen doch fünf Vertreter der Staats-Polizeigewalt auf einen Demonstranten - ein unglaubliches Schauspiel einer vermeintlichen Demokratie. (8a)
Ebenso die Schulen, die am Montag geschlossen blieben, das Murnauer Unfallkrankenhaus das massiv behindert wurde bei der Arbeit, die Justizvollzugsanstalt wurde verlegt in ein Containerdorf, die Autobahnen blieben gesperrt und Schengen eben mal ausgesetzt. Entwürdigend war es, wie die Journalisten, die rund um Garmisch und rund um Elmau saßen und nur kurz auf das Schloss gekarrt wurden, wenn die Herrscher Fotos wünschten oder kurze Pressestatements abgaben. Ganz nach dem Motto: "Wir da oben, Ihr da unten", oder "Geh nur zum Fürst, wenn Du gerufen wirst". Ansonsten durften sie das Gipfelgeschehen nur an Bildschirmen im elf Kilometer entfernten Garmisch verfolgen!
 
Also kurz und gut, da waren es acht gleiche Suiten, wo man inzwischen doch neun brauchte, da EU-Kommissionspräsident Juncker und EU-Ratspräsident Tusk mit Ehefrau noch dazu gebeten wurden. Wahrscheinlich wurde dem Ehepaar Tusk als nächster Russland-Nachbar und -Gegner, die "Putin"-Suite zugesprochen.
Drei Frauen waren übrigens nur zum Gipfel angereist, Frau Tusk, Frau Abe und Frau Harper.
Für dieses Trio, sprich Damenprogramm, war natürlich wie immer Merkels Gatte, Joachim Sauer zuständig! (9)
 
Am Sonntag konnte man nach dem schrecklichen Presseclub zum Gipfel, der ein Beispiel für trollenden Journalismus war und der hervorragende Anrufer bei Nachgefragt im Regen stehen ließ. Aber dann kam auf Phoenix eine sehr aufklärende Hintergrundinformation über die Entstehung des Gipfels, die jedem Zuschauer aufklärte über die Willkür der Staatsmacht.
"G7 Fluch oder Segen". (10)
 
Auf diesem Camouflage-Gipfel durften alle genehmen Themen durchgepeitscht werden, Ebola, Antibiotika-Resistenzen, Lieferketten, faire Arbeitsbedingungen, Frauenrechte, ein Entschädigungsfonds und Entwicklungshilfe, Klima. Zwischendurch wurden noch huldvoll die "Out-Reach" Partner begrüßt. Das bringt dann ein schönes farbiges Weltbild. (11)
 
Vor allen Dingen hatte es Poroschenko so eingerichtet, dass pünktlich zum Gipfel die Kämpfe in der Ost-Ukraine wieder aufflammten, um so Druck gegen Feind Putin aufzubauen. Alles so, wie geplant, als die G7 dann auf der End-Pressekonferenz auf den schwarz-rot-goldenen Stühlen Russland erneut androhten, die Sanktionen weiter zu verschärfen. (12)
 

Obama: Griechenland mit
Schuldenschnitt helfen!
NRhZ-Archiv
Klare Ansage von Obama an die "europäischen Freunde": kein Grexit, Griechenland muss mit Schuldenschnitt geholfen werden. Haben doch die US-Pensionsfonds sowie Hedgefonds kräftig Kredite an die Griechen vergeben, und die wollen sie schließlich auch voll zurück bekommen. Wie man hört, spekuliert US-Milliardär und Währungs-Spekulant George Soros schon kräftig darauf, dass Griechenland im Euro bleibt. (13)
An diesem Thema wird sich zeigen, wie (un)abhängig die EU-Politik ist.
 
Nach Merkel sind die G7 eine Gruppe von Staaten, die Werte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit teilen, da ist kein Platz mehr für Putin, der sich ja schließlich selbst aus dem Kreis dieser Wertegemeinschaft ausgeschlossen hat. Mit der "Annexion" (die keine war und ist!) der Krim, habe sich Moskau gegen unsere gemeinsamen Werte gestellt!
Tatsächlich ist es just an diesem Gipfel-Sonntag, zu US-Drohnenangriffen gegen Zivilisten bei einer afghanischen Beerdigung gekommen, mit mehr als 60 getöteten Zivilisten. (14)
Ebenso berichtete die NYT über ein US-Killerkommando, ganz im Geiste von "Das Ziel heiligt die Werte" (15) Die USA betreiben "globale Menschenjagd-Maschine", wie die NYT am Sonntag berichtete. Die "New York Times" porträtiert das Navy Seals Team 6. Die gefürchtete Armee-Spezialeinheit kidnappe und töte in Regierungsauftrag - aber weitgehend ohne externe Kontrolle. Was für eine Wertgemeinschaft!
 
Ach ja, pünktlich zum Gipfel flogen wieder einmal, wie bestellt, Raketen aus Gaza Ghetto, natürlich ohne Schaden anzurichten, aber um Iron Dome den Abwehrverkaufsschlager des "Jüdischen Staates" wieder einmal ins Gedächtnis zu bringen. So konnte Netanjahu den Gipfel ermahnen, ob die Welt weiter zusehe, wenn der "Jüdische Staat" so gefährdet sei, und die Welt als scheinheilig zu bezeichnen. Das sagte der Richtige. Natürlich kamen gleich die jüdischen Gegenangriffe, alles nur aus Selbstverteidigung!
Alles wie immer im Schatten von Ereignissen, so wissen die jüdischen Freunde ihre Chance zu nutzen. So meldete Haaretz auch, dass der "Jüdische Staat" schmutzige (Atom-)Bombentests in der Wüste durchgeführt hatte. (16)
 
Auch der Evangelische Kirchentag war wieder ein Politiker-Forum, wo Außenminister Steinmeier "gauckelte" und mehr Verantwortung in Krisengebieten von Deutschland forderte, bevor wir zu spät sind. Wenn man die Lage in Palästina sieht, dann sind wir es schon und sieht Deutschland mehr in der Pflicht. Pflicht wäre es, Herr Steinmeier, wenn Sie nach ihrem Besuch in Gaza Ghetto die Sanktionen gegen den "Jüdischen Staat" einfordern würden, anstatt gegen Russland. Schöne Bilder im Glanz des wundervollen Kofi Annan sind nicht genug. (17)
Ebenso die Ex-Bischöfin Käsmann, die Ausreise aus Staaten als Menschenrecht bezeichnete. Ob sie da wohl an die besetzten und abgeriegelten Palästinenser im besetzten Palästina und abgeriegelten Gaza dachte? (18)
Aber Merkel gab dann eine Kostprobe ihrer US-Vorgipfel-Euphorie zum besten, als sie, die Pfarrerstochter doch tatsächlich vor 9.000 Kirchentagbesuchern behauptete:
"Wir brauchen die Zusammenarbeit mit deutschen und US-Geheimdiensten im gemeinsamen Kampf der Terrorbekämpfung, die ist unverzichtbar, um uns vor terroristischen Anschlägen zu schützen". (19)
Einfach lächerlich, mit einem Geheimdienst, der nicht mal seinen eigenen Staatsbeamten Personaldaten/Unterlagen vor Angriffen schützen kann.
Unverzichtbar Frau Merkel, ist eine Umorientierung der deutschen GR/KO Politik.
 
Also, es war die traurige und ernüchternde Bilanz eines deutschen Gipfels, 70 Jahre nach Kriegsende und 27 Millionen getöteten Russen durch einen deutschen Angriffskrieg, die Gastgeberin Merkel zog. Der G7-Gipfel vereint gegen Russland und Präsident Putin soll weiter in die Enge getrieben werden.
Was für ein armseliger und gefährlicher Gipfel dieser mächtigsten Frau, einer Kanzlerin, die immer mehr zu einer Gefahr für Deutschland wird. (20)
Das war der Gipfel! (21) (22) (23)
(PK)
(1) http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/12926
(2)
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/cohn-bendits-paedophile-aeusserungen-danys-phantasien-und-traeume-12164560.html
(3)
http://www.sueddeutsche.de/kultur/comedian-oliver-polak-ueber-depression-es-ging-gar-nichts-mehr-1.2176330
(4)
http://www.schloss-elmau.de/schloss/schloss/geschichte-von-schloss-elmau/
(5)
http://www.deutschlandradiokultur.de/schloss-elmau-eine-alpenfestung-fuer-die-g-7.1001.de.html?dram:article_id=320348
(6) http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BChrersperrgebiet_Obersalzberg
(7)
http://www.badische-zeitung.de/rust/georg-schramm-sorgt-fuer-eklat-im-europa-park--44782463.html
(8)
http://derstandard.at/2000017097833/G7-Gipfel-Schelte-fuer-Putin-aus-dem-Potemkinschen-Biergarten
(8a)
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/g7-demonstrationen-fuenf-polizisten-auf-einen-protestierer-a-1037607.html
(9)
http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/g7-joachim-sauers-damenprogramm-in-elmau-aid-1.5146415
(10) https://www.youtube.com/watch?v=OYbkqoWIAqQ
(11) http://www.welt.de/videos/article142114901/Hier-begruesst-Merkel-die-G-7-Gaeste.html
(12)
http://www.mz-web.de/politik/g7-gipfel-in-elmau-g7-drohen-mit-neuen-sanktionen-gegen-russland,20642162,30897876.html
(13)
http://www.welt.de/finanzen/article126840779/Hedgefonds-verdienen-in-Griechenland-Milliarden.html
(14) http://www.taz.de/!5202893/
(15)
http://www.nytimes.com/2015/06/07/world/asia/the-secret-history-of-seal-team-6.html?_r=0USA
(16) http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/.premium-1.660067
(17)
http://www.wormser-zeitung.de/politik/hessen/irgendwann-sind-wir-zu-spaet_15501935.htm
(18) http://www.tagesschau.de/inland/kirchentag-117.html
(19)
http://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article142009309/Zusammenarbeit-mit-US-Geheimdiensten-ist-noetig.html
(20)
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/g7-gipfel-angela-merkel-zieht-positive-elmau-bilanz-a-1037740.html
(21) http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/g7-in-elmau-zum-klima-dekarbonisierung-bis-2100-a-1037776.html
(22)http://www.spiegel.de/politik/deutschland/g7-gipfel-barack-obama-warnt-russland-vor-sehnsucht-nach-sowjetzeiten-a-1037783.html
(23)http://www.spiegel.de/politik/deutschland/g7-treffen-in-bayern-zehn-unperfekte-momente-vom-gipfel-a-1037606.html
 
Evelyn Hecht-Galinski, Tochter von Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt: sicht-vom-hochblauen.de.
2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro.
Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.


Online-Flyer Nr. 514  vom 10.06.2015

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Von Kostas Koufogiorgos
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