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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Kultur und Wissen
Zur Ausstellung "Das Auge des Arbeiters" im Käthe-Kollwitz-Museum
Inspirierende Hommage an den Klassenkampf
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Im Käthe-Kollwitz-Museum der Kreissparkasse in Köln wird der Klassenkampf lebendig. Die Ausstellung "Das Auge des Arbeiters" widmet sich der Arbeiterfotografie, einer Bewegung, die bis heute fortlebt. Kurator Wolfgang Hesse erläuterte das Ausstellungskonzept am 14. August vor einem Holzschnitt, der dem ermordeten KPD-Gründer Karl Liebknecht gewidmet ist. Der Holzschnitt stammt von der Sozialistin Käthe Kollwitz, die für die Internationale Arbeiterhilfe IAH, eine auf Betreiben Lenins gegründete Organisation zur Unterstützung der Sowjetunion, gearbeitet hat. Und da schließt sich der Kreis: ihr Vorsitzender war der Kommunist Willi Münzenberg, der die Arbeiterfotografenbewegung ins Leben gerufen hat. Die Fotografien und Fotomontagen dieser Bewegung zeugen vom Kampf gegen den sich zum Faschismus entwickelnden Kapitalismus und für eine bessere, eine sozialistische, kommunistische Gesellschaft.


Pressekonferenz am 14.8.2014 mit Kurator Wolfgang Hesse – vor einem Holzschnitt von Kaethe Kollwitz (Fotos von der Pressekonferenz: arbeiterfotografie.com)


Holzschnitt von Käthe Kollwitz: Gedenkblatt für Karl Liebknecht, 1919/1920


Fotografie von Albert Hennig (1907-1998): Bauarbeiter, 1932-33


Fotografie von Walter Ballhause (1911-1991): "Räder statt Beine" – Opfer des I. Weltkrieges, Hannover, 1930-1933


Fotografie von Walter Ballhause (1911-1991): "Weit übers Land auf Krücken" – Opfer des I. Weltkrieges, 1930-1933


Fotografie von VdAFD-Mitglied Eugen Heilig (1892-1975): Das Kino kommt auf's Dorf, Sowjetunion, 1927


Fotografie von VdAFD-Mitglied Eugen Heilig (1892-1975): Spielende Kinder vor dem Parteihaus der KPD in Berlin, 1933


Fotomontage von John Heartfield: AIZ, 4.10.1934


Fotomontage von John Heartfield: AIZ, 12.4.1934


Fotomontage von John Heartfield: AIZ, 19.4.1934


Fotomontage von John Heartfield: AIZ, 1.6.1933


Fotomontage von John Heartfield: AIZ, 14.9.1933


Fotografie von Albert Hennig (1907-1998): Erwerbsloser beim Zählen seiner Unterstützung, 1932


Fotografie von VdAFD-Mitglied Erich Meinhold (1908–2004): Familie Stelzel (Markersbach) beim Lesen der Arbeiter Illustrierten Zeitung zum Jahrestag der Commune von Paris; rechts der Fotograf, 1931


Fotografie von VdAFD-Mitglied Hans Bresler (1902-1994): Proletarierin beim Baden des Kindes, 1928


Fotografie von VdAFD-Mitglied Kurt Beck (1909-1983): Kleinbäuerin und Kinder beim Steinelesen auf dem Feld, 1928-1932


Fotografie von VdAFD-Mitglied Erich Meinhold (1908–2004): Lesende Arbeiter in einer Wohnküche in Raschau, Erzgebirge, 1928-32


Pressekonferenz am 14.8.2014 mit Kurator Wolfgang Hesse: Aufmerksamkeit der Medienvertreter für die Arbeiter-Illustrierte-Zeitung AIZ


Pressekonferenz am 14.8.2014 mit Kurator Wolfgang Hesse: das „neue Sehen“ hat Einzug in die Fotografie von Albert Hennig gehalten


Pressekonferenz am 14.8.2014 mit Kurator Wolfgang Hesse: Aufmerksamkeit der Medienvertreter für das Verbandsorgan „Der Arbeiterfotograf“


Kurator Wolfgang Hesse


Fotografie von VdAFD-Mitglied Hans Bresler (1902-1994): Die Schwägerin als Leserin von Der Arbeiter-Fotograf, Heft 11/1929 mit dem Titelbild eines Roma-Mädchens von Ernst Thormann


Pressekonferenz am 14.8.2014 mit Kurator Wolfgang Hesse: Titelseiten des Verbandsorgans „Der Arbeiterfotografie“


1978, also vor 36 Jahren wurde in Essen der Bundesverband Arbeiterfotografie gegründet. Er hat seine historischen Wurzeln in der Arbeiterfotografenbewegung der Weimarer Republik, der 1927 entstandenen und 1933 vom NS-Regime zerstörten Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands VdAFD. Dieser Epoche der Arbeiterfotografie widmet sich die Ausstellung "Das Auge des Arbeiters" im Kölner Käthe-Kollwitz-Museum. Gezeigt werden Arbeiten von Mitgliedern der Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands VdAFD wie Eugen Heilig, Ernst Thormann, Erich Meinhold, Kurt Beck und Hans Bresler. Aber die Ausstellung geht darüber hinaus. Einbezogen sind auch Nicht-Mitglieder wie der Fotomonteur und KPD-Mitbegründer John Heartfield, der SPD-nahe Albert Hennig und Walter Ballhause, der erst 1982 als Ehrenmitglied zur organisierten Arbeiterfotografie gefunden hat.

Die Ausstellung ist Ergebnis eines von 2009 bis 2012 am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden gelaufenen Forschungsprojekts mit dem Titel „Das Auge des Arbeiters. Untersuchungen zur proletarischen Amateurfotografie der Weimarer Republik am Beispiel Sachsens“. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt der zusammengetragenen Fotos in Sachsen. Dazu gehören die VdAFD-Ortsgruppen Dresden (Hans Bresler) und Bermsgrün (Kurt Beck und Erich Meinhold). Bedeutende Arbeiterfotografen wie Theo Gaudig und Hans Schiff aus dem Westen Deutschlands oder der Berliner Erich Rinka sind in der Ausstellung nicht vertreten.

Die Ausstellung durchwandert drei Stationen. Die erste war Zwickau. Die zweite ist Köln im Käthe-Kollwitz-Museum. Die dritte wird 2015 Dresden sein. Während die Ausstellung in Zwickau den Untertitel "Arbeiterfotografie & Kunst um 1930" trug, lautet er in Köln nur "Arbeiterfotografie um 1930". Trotzdem sind – im Gegensatz zum Katalogbuch – die A-I-Z-Fotomontagen von John Heartfield eingeflossen – Kunstwerke, wie sie gekonnter und packender kaum sein können.

Der 1949 in Marburg geborene und seit 1994 in Dresden arbeitende Kunsthistoriker Wolfgang Hesse leitete den Rundgang durch die von ihm kuratierte Ausstellung im Rahmen der Pressekonferenz am 14. August 2014 mit folgenden Worten ein: „Der Erste Weltkrieg ist [hinsichtlich des Fotografierens im Milieu] das bewegende Moment, weil die Kameraindustrie für die Schützengräben billige, leicht zu bedienende, kleinformatige Kameras produziert und dann eine nicht-bürgerliche Amateurfotografie entstehen kann. Dadurch ist die Grundlage geschaffen, dass man die Welt gewissermaßen von unten fotografieren kann. Davon handelt diese Ausstellung.“

Die Ausstellung ist in sechs Bereiche untergliedert (1. Das Auge des Arbeiters. Arbeiterfotografien um 1930, 2. Erinnern, 3. Arbeiten, 4. Leben, 5. Hoffen, 6. Montieren). Der Bereich 6 ist weit gefasst. Er enthält neben den Fotomontagen John Heartfields auch inszenierte Fotografie – wie beispielsweise die Erich Meinholds von einem Küchentisch, auf dem das kommunistische Manifest liegt und an dem eine Arbeiterfamilie sitzt und die AIZ liest. Heartfields Fotomontagen werden nicht in Form der fertig layouteten AIZ-Seiten, sondern als Rohfassung ohne Text gezeigt. Die Beschriftung, mit der die Montagen oft erst ihre eigentliche Wirkung entfalten, müssen sich die Betrachter also anhand der daneben angebrachten Erläuterungen hinzudenken.

„Arbeiterfotografie ist eine Waffe der Zeit. Sie entnimmt ihre Motive der sozialen Gegenwart, berichtet über den politischen Kampf und sucht ihn durch die anklagende Aufzeigung der furchtbaren Wirkungen der kapitalistischen Wirtschaftsanarchie zu steigern. ...“ schrieb der Bild- und Umbruchredakteur (1928-33) der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung, AIZ, und spätere (ab 1929) Präsident der Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands, Hermann Leupold, im November 1931 im Vereinsorgan "Der Arbeiterfotograf" in einem Artikel mit der Überschrift "Das Bild – Eine Waffe im Klassenkampf". Das gilt bis heute.

Es ist das große Verdienst des Kurators Wolfgang Hesse, der Museumsleiterin Hannelore Fischer und aller anderen Beteiligten, den Besuchern der Ausstellung die wichtige Funktion der Bildmedien für den Kampf gegen eine unmenschliche Gesellschafts- und Wirtschaftsform vor Augen zu führen. Das ist von entscheidender Bedeutung in einer Zeit, in der die reiche Klasse den Rest der Gesellschaft immer schneller und brutaler in die Armut drängt, durch Hunger und imperialistische Kriege das Leben von Millionen vernichtet und durch die absichtliche Konfrontation mit Russland einen Dritten Weltkrieg herbeizuführen droht.


Angaben zur Ausstellung:

„Das Auge des Arbeiters – Arbeiterfotografie um 1930“
Käthe-Kollwitz-Museum, Köln, Neumarkt 18-24
15. August bis 12. Oktober, di-fr 10-18 Uhr, so 11-18 Uhr
Eintritt: 4 bzw. 2 Euro
Katalogbuch: 28 Euro


Siehe auch:

NRhZ-Fotogalerie zur Ausstellung „Wacht auf, Verdammte dieser Erde“ zum 35jährigen Bestehen des Bundesverbands Arbeiterfotografie, NRhZ Nr. 420 vom 21.08.2013
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=19347

Online-Flyer Nr. 472  vom 20.08.2014

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