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Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2017  

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Inland
Zum 128. Geburtstag des von den Nazis ermordeten KPD-Vorsitzenden:
"Ernst Thälmann ist ein Wegweiser"
Von Felix Lauter

Nach Ehrungen in Hamburg, Stralsund, Chemnitz, Beeskow, Dresden, Zeitz, Neukieritzsch und Berlin versammelten sich am 27. April anlässlich des 128. Geburtstages Ernst Thälmanns auch 150 bis 180 Menschen in Ziegenhals, Brandenburg, vor der geschändeten und zerstörten Ernst-Thälmann-Gedenkstätte, um des 1933 dort durch die Gestapo verhafteten und 1944 im KZ Buchenwald erschossenen Parteivorsitzenden der KPD und seiner Genossinnen und Genossen zu gedenken.
 

Ernst Thälmann
Quelle: VVN
Es war erneut eine Kundgebung, die die Möglichkeit bot, von den verschiedenen Erfahrungen, die in der politischen Arbeit, im politischen Kampf gemacht wurden, hören und lernen zu können. Ein Schwerpunkt dieser Kundgebung lag bei den jüngeren RednerInnen: Einmal bei Ece Yildirim, die als Vertreterin der DIDF-Jugend zu den TeilnehmerInnen sprach, zum anderen bei Steffen Winckler, der als Vertreter der Antifaschistischen Aktion Burg (AAB) redete. Außerdem sprach Wilfried Handwerk, der, beruflich bedingt, von seinen Erlebnissen in Kiew und auf dem Maidan berichtete, wo er den braunen Putsch hautnah erlebte und einige neue und interessante Fakten schilderte.
 
Die Kundgebung eröffnete Max Renkl, Vorsitzender des "Freundeskreises Ernst-Thälmann-Gedenkstätte". Er berichtete zunächst von den bereits am 16. April oder später durchgeführten Ehrungen, Veranstaltungen und Kundgebungen zu Ehren Ernst Thälmanns. Besonders erwähnenswert war, dass in Neukieritzsch ein Ernst-Thälmann-Denkmal wieder eingeweiht wurde, nachdem - wahrscheinlich Faschisten - das Thälmann-Relief entfernt hatten. Zudem wurde von der Würdigung Thälmanns aus dem niedersächsischen Hildesheim der Linksjugend/solid berichtet, in der es u.a. hiess:
 
„Ernst Thälmann, der selbst aus bescheidenen Verhältnissen stammte, hat sein ganzes Leben lang für eine bessere Welt und für die Befreiung der Arbeiter gekämpft. Er erlebte dabei auch Niederlagen, aber trotz alledem gab er nie auf und blieb seinen Idealen treu. Er erreichte viel und gab anderen Mut, sich gegen die kapitalistische Knechtschaft zur Wehr zu setzen. Wir möchten Ernst Thälmann hiermit als unerschütterlichen Kämpfer für den Sozialismus ehren und gedenken seinem Kampf, den wir in seinem Namen weiterführen werden.“
 
Neben Aktuellem aus der Arbeit des Freundeskreises (Ausstellungsvorbereitungen in Berlin-Neukölln, Band 3 der "Ziegenhalser Reden", der alle in Ziegenhals gehaltenen Ansprachen dokumentiert) lag ein Schwerpunkt der Rede des Freundeskreis-Vorsitzenden Renkl auf der Auseinandersetzung mit der sogenannten Extremismustheorie. Mit Hilfe dieser unwissenschaftlichen Theorie wird nicht nur die DDR mit dem Nazi-Regime und seinen barbarischen Verbrechen gleichgesetzt, sondern es werden die entschiedensten Gegner der Nazis heute mit denselben gleichgesetzt: Linksextremismus gleich Rechtsextremismus. Dieser Theorie, die die antifaschistische Bewegung spalten will, muss entschieden entgegen getreten werden. Max Renkl schloss seine Rede mit den Worten:
 
"Wenn wir uns heute wiederum hier in Ziegenhals zu Ehren Ernst Thälmanns versammeln, dann verneigen wir uns vor dieser herausragenden Persönlichkeit, dem Hamburger Hafenarbeiter Thälmann, der Millionen Arbeiterherzen und Arbeiterköpfe für unsere Sache, für unseren Kampf gegen Ausbeutung, Krieg und Faschismus gewinnen konnte. Thälmann an die Spitze der KPD berufen, einer Partei die überall, wo gekämpft wurde, in der ersten Reihe stand - organisierend und vorwärtsdrängend zugleich. Er stand an der Spitze dieser Partei, die selbst der barbarische Terror der Faschisten, die Verfolgungen und die Illegalität nicht vernichten konnten. Immer wieder gab es Widerstand, überall tauchte die KPD wieder auf.
Wir konnten die Faschisten, die Bluthunde der deutschen Banken und Konzerne, nicht selbst aus eigener Kraft niederschlagen. Jedoch Thälmann, seine KPD haben niemals klein beigegeben und gaben damit allen Antifaschisten und Arbeitern in Deutschland und in der Welt Hoffnung, Hoffnung, dass es immer noch ein anderes Deutschland gibt, ein arbeitendes,
ein rotes Deutschland!
 
Und wir, die wir uns hier versammeln, um Thälmanns und seiner Genossinnen und Genossen zu gedenken, stehen selbst für dieses andere Land, für ein Land ohne Rassisten und Faschisten, für ein Land in dem nicht mehr die Deutsche Bank, DaimlerBenz, Siemens und Krupp das Sagen haben, sondern diejenigen, die alle Reichtümer schaffen, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht; ein Land, das in Frieden mit seinen Nachbarn lebt und nicht als imperialistischer Räuber. Lasst uns im Namen Thälmanns und seiner Genossinnen und Genossen, für ihn, für sie, für dieses Ziel unsere Kränze und Blumen niederlegen."
 
Im Anschluss verlas Cilly Keller, Vorstandsmitglied des Freundeskreises, den TeilnehmerInnen ein von ihr ins Deutsche übersetztes Grußwort aus Russland. Nach ihr sprach Ece Yildirim von der DIDF-Jugend. DIDF steht für "Föderation demokratischer Arbeitervereine" und ist ein Zusammenschluss von Arbeitern, Studenten und Schülern mit migrantischem Hintergrund, meist aus der Türkei und Kurdistan, die sich in Deutschland politisch und gewerkschaftlich engagieren. Ece Yildirim erklärte: 
"Im Haus Ernst Thälmanns in Hamburg gibt es ein Zitat von ihm: „Die Geschichte unseres Lebens ist hart, deshalb fordert sie ganze Menschen.Du, ich und alle Mitkämpfer für unsere große Sache müssen alle stark, fest, kämpferisch und zukunftssicher sein.“ Diese Wörter sind sehr wichtig. Ernst Thälmanns Entschlossenheit, Klassenbewusstsein, Fähigkeiten und sein Glauben an die Zukunft zeigt auch der DIDF-Jugend heute den Weg im Kampf gegen die imperialistischen Kriege, gegen den Sozialkahlschlag, gegen Rassismus, gegen die Einschränkung von Freiheiten und gegen den Abbau von demokratischen Rechten.
Ernst Thälmann ist ein Wegweiser. Denn er glaubte an die Herrschaft des Proletariats; es gibt nämlich keinen anderen Weg um die Ausbeutung zu beenden. Ernst Thälmann ist ein Wegweiser. Er versuchte sein ganzes Leben lang die Einheit der Arbeiterklasse gegenüber dem Kapital zu schaffen. Ernst Thälmann ist ein Wegweiser, denn er war sicher, dass die Herrschaft des Proletariats nur durch diese Einheitsfront gelingen kann. Ernst Thälmann gehört nicht der Vergangenheit an, Ernst Thälmann ist heute!"
 
Nach Ece Yildirim sprach Wilfried Handwerk. Er war beruflich bedingt mehrmals in Kiew, hatte dort den Maidan besucht und Gelegenheit, mit recht unterschiedlichen Leuten zu sprechen. Was er berichtete, bestätigte die Tatsache, dass es in der Ukraine einen braunen Putsch gab. Einen Putsch, der von faschistischen Kräften des "rechten Sektors" und anderer faschistischer Organisationen wie "Swoboda" getragen wird, die sich an die Spitze des vormals friedlichen und gerechten Protest gegen die Zustände in Ukraine stellten, um den gesamten Konflikt zu verschärfen, zu brutalisieren und schließlich mit nationalistischen, anti-russischen, antikommunistischen und anti-semitischen Inhalten zu füllen. Wilfried Handwerk berichtete auch von ausländischen Soldaten, die er dort selbst gesehen hatte - zu einer Zeit, als sich Janukowitsch noch im Land befand.
 
Nach ihm sprach Steffen Winckler von der Antifaschistischen Aktion Burg (AAB), einer Gruppe junger AntifaschistInnen, die sich mutig, trotz Repression und Angriffen von Staat und Nazis den Faschisten in Burg in den Weg stellen: "In Anbetracht dieser Tatsachen gilt es nach wie vor diesen Angriffen und Diffamierungen standzuhalten, sie nicht unbeantwortet zu lassen und entschlossen die eigene Geschichte zu verteidigen. So entschlossen der
„Freundeskreis Ziegenhals“ seit Jahren für den Wiederaufbau der Gedenkstätte kämpft und damit das Andenken an Thälmann und alle weiteren ermordeten Genossinnen und Genossen aufrecht erhält, so gilt es auch weiterhin einen gemeinsamen Kampf gegen Reaktion und Faschismus zu führen. Nur wenn wir aus der Geschichte lernen, daraus Schlussfolgerungen für unser weiteres Handeln ziehen und uns nicht spalten lassen, können wir den legitimen und notwendigen Kampf für eine Gesellschaft, in der wir gemeinsam und ausgehend von den vorhandenen Möglichkeiten und Bedürfnissen der Menschen, über die Produktion und Verteilung von Gütern und den Aufbau des sozialen Gefüges entscheiden, führen."
 
Das Motto der AAB heisst "Burg bleibt rot!" - ein Grund sie nach Ziegenhals einzuladen, neben der Tatsache, dass es praktische Solidarität bedeutet. Antifaschistinnen und Antifaschisten verschiedener Gruppen und Organisationen, aus Ost und West, jung oder jung geblieben: "Einig gegen Faschisten und Reaktion! Gemeinsam sind wir stark!"
 
Ein Höhepunkt der Kundgebung war die Überreichung eines Thälmann-Reliefs von Petra Köhler, der Witwe des Schriftstellers Erich Köhler. Gemeinsam wurde die Kundgebung mit der "Internationale" beendet. (PK)
 
Kontakt:
Freundeskreis "Ernst-Thälmann-Gedenkstätte" e. V., Ziegenhals
Postfach 2015
15706 Königs-Wusterhausen
Email: vorstand@etg-ziegenhals.de
Internet: http://www.etg-ziegenhals.de
http://www.facebook.com/ETGZiegenhals
http://www.facebook.com/ZiegenhalsdieTeilnehmer


Online-Flyer Nr. 459  vom 21.05.2014

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