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Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2017  

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Inland
CO2-Ausstoß von BASF und BAYER stagniert auf hohem Niveau
BAYER-Chef: Medikamente nicht für Arme!
Von Peter Kleinert

Die Chemie-Konzerne BASF und BAYER kritisierten laut CBG vergangene Woche die von der Regierung geplante Abschaffung der Steuervergünstigungen für selbst produzierten Strom. Dieser war bislang von der Ökostrom-Umlage ausgenommen. Die Pläne sehen vor, dass die Industrie für neue Anlagen künftig 90 Prozent der Umlage zahlen muss. Auch bei seinen Medikamenten ist BAYER-Chef Marijn Dekkers offenbar nur am Profit interessiert, erfahren wir von der Organisation Ärzte ohne Grenzen.

 
BAYER-Chef Marijn Dekkers
Cartoon: Latuff
 
Hierzu erklärt Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Abschaffung dieses Steuer-Privilegs ist absolut richtig. Dem Klima ist es egal, ob die emittierten Treibhausgase aus eigener Produktion oder von Zulieferern stammen. Im nächsten Schritt muss die weitgehende Befreiung großer Energieverbraucher von der Ökosteuer beseitigt werden. Klimakiller dürfen nicht weiter subventioniert werden!“.
 
Die Bilanz der letzten Jahre zeige, dass die bislang geltende Befreiung von der EEG-Umlage eine Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes behindert, so die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG). So lägen die CO2-Emissionen von BAYER seit Jahren auf einem konstant hohem Niveau (2010: 8,5 Mio. Tonnen; 2011: 8,2 Mio. to; 2012: 8,4 Mio. to). Ein Drittel seines Energiebedarfs für die Strom- und Dampferzeugung decke der Konzern dabei mit Kohle ab. Die erneuerbaren Energien hingegen kämen nur auf einen Anteil von 0,7 Prozent.
 
BAYER betreibe an mehreren Standorten Kohlekraftwerke. Die hierfür benötigte Kohle wird u.a. aus Russland, China, Kolumbien und den USA importiert, wo es durch den Abbau zu verheerenden Umweltschäden kommt. Auch beziehe der Konzern große Mengen Strom aus Braunkohle-Kraftwerken.
 
Die BAYER-Tochterfirma CURRENTA ist Mitglied im Lobbyverband Verein der Kohlen Importeure, der sich für den Bau neuer Kohlekraftwerke stark macht. Im Widerspruch hierzu steht die Teilnahme von BAYER an einer Reihe von Klima-Bündnissen („Caring for Climate“, „Global Roundtable on Climate Change“, „Combat Climate Change“, etc). Gemein ist diesen Initiativen, dass sie auf freiwillige Maßnahmen setzen, um verbindliche Regelungen zur Verringerung von Treibhausgas-Emissionen zu verhindern.
 
In den USA leisten laut CBG die BASF und der BAYER-Konzern sogar Spenden an Abgeordnete, die sich gegen Gesetze zum Klimaschutz stellen. Selbst „Klima-Skeptiker“ wie das Heartland Institute würden von BAYER unterstützt. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hatte von BAYER in einem Gegenantrag zur vergangenen Hauptversammlung ein Programm zur Reduktion der CO2-Emissionen um 80% bis zum Jahr 2050 gefordert. -
 
Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen hat aktuelle Gründe für öffentliche Kritik am oben in der Karikatur vorgestellten Bayer-Chef Dekkers. Dieser wurde nämlich am vergangenen Mittwoch in der englischsprachigen „Bloomberg Businessweek“ in Bezug auf das Krebsmittel Nexavar zitiert. Hier die Stellungnahme, die er auf einer Diskussionsveranstaltung im Dezember äußerte: „Wir haben dieses Medikament nicht für den indischen Markt entwickelt, um ehrlich zu sein. Wir haben es für Patienten im Westen entwickelt, die es sich leisten können.“ („We did not develop this product for the Indian market – let´s be honest. We developed this product for
western patients who can afford it.”)
 
Dazu sagt Philipp Frisch, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte
ohne Grenzen in Deutschland: „Die Aussage von Marijn Dekkers bietet einen aufschlussreichen und erschreckenden Blick in das Innenleben der Pharmaindustrie und steht beispielhaft für deren Geschäftsinteressen. Nicht die medizinische Notwendigkeit ist entscheidend, sondern der Gewinn.
 
Dekkers räumt mit dieser Äußerung ein, dass es dem deutschen Pharmariesen
Bayer nicht darum geht, dass viele Menschen von einem Medikament
profitieren. Vielmehr wird die Forschungs- und Verkaufspolitik wissentlich
und absichtlich so gestaltet, dass die höchsten Preise erzielt werden
können - unabhängig davon, wie vielen Menschen dadurch der Zugang zu
Medikamenten verwehrt bleibt.
 
In einem überlebenswichtigen Bereich wie der Gesundheitsforschung brauchen
wir endlich eine andere Prioritätensetzung. Zahlreiche Krankheiten werden
vernachlässigt, weil sie keine Gewinne versprechen. Wo Medikamente
existieren, sind diese oft unerschwinglich für den Großteil der
Weltbevölkerung. Deshalb müssen im Patentrecht Ausnahmen gelten, die den
Zugang ärmerer Patienten zu Medikamenten sicherstellen. Und die öffentliche
Hand muss mehr in die Erforschung dieser Krankheiten investieren.“
 
Marijn Dekkers bezieht sich in seiner Äußerung auf das Medikament Nexavar.
Das indische Patentamt hatte dem Generikahersteller Natco im März 2012 eine
Zwangslizenz zur Produktion des in Nexavar enthaltenen Wirkstoffes
Sorafenib Tosylate für die nächsten acht Jahre zugesprochen, weil Bayer es
versäumt hatte, sein Medikament in ausreichender Menge und zu einem
erschwinglichen Preis in Indien anzubieten. Der Preis für das Medikament
sank dadurch in Indien um 97 Prozent. Natco zahlt dafür eine Lizenzgebühr
in Höhe von sechs Prozent der Verkaufserlöse. Damit wurde in Indien zum
ersten Mal eine Zwangslizenz für ein patentiertes Medikament erlassen. Dekkers bezeichnete die Entscheidung des Patentamts als „Diebstahl“ („essentially theft“). (PK)
 
Weitere Informationen: www.cbgnetwork.org/5115.html
 und www.cbgnetwork.org/1485.html
 


Online-Flyer Nr. 443  vom 29.01.2014

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