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Aktueller Online-Flyer vom 22. Oktober 2017  

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Krieg und Frieden
Nach dem jüngsten Terroranschlag an der syrischen Grenze der Türkei
Offener Brief an Erdoğan
Von Christoph R. Hörstel

Christoph R. Hörstel ist freier Journalist, der ab 1985 bis 1999 unter anderem für die ARD als Sonderkorrespondent aus Afghanistan, Pakistan und Kaschmir berichtete sowie als leitender Redakteur tätig war. Durch seine Kontakte zu Islamisten wirkte er 2006 mit, ein Gespräch zwischen Bundestagsabgeordneten der SPD und der FDP sowie dem Hamas-Minister für Flüchtlingsangelegenheiten einzuleiten. Anschließend verlor er – nach eigenen Angaben „auf Wunsch der Bundesregierung“ – seine Position als Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG). Als Hintergrund hierfür vermutete Hörstel u.a. seine in einem Interview mit dem Internetportal „Muslim-Markt“ geäußerte Kritik an der Politik der Bundesregierung. – Die Redaktion

Recep Tayyip Erdoğan
NRhZ-Archiv
 
Exzellenz, Herr Ministerpräsident, Für die 46 Todesopfer und etwa 140 Verletzten des jüngsten Terroranschlages in der Türkei spreche ich dem türkischen Volk meine tiefe Trauer und mein Mitgefühl aus. Derartige heimtückische Verbrechen sind nicht zu dulden, nicht zu entschuldigen und nicht zu beschönigen.
Allerdings gibt es hier erneut ein Problem: Ihre jüngsten Beschuldigungen gegen die syrische Regierung erscheinen nicht stichhaltig. Dieses Vorgehen hat bei Ihnen Methode:
- Sie haben schon zum Beschuss der Ortschaft Akçakale in der Nacht vom 3. zum 4. Oktober des vergangenen Jahres nicht die Wahrheit gesagt: Die Regierung Assad war nicht beteiligt.
- Am 19. März hat nicht die syrische Regierung in Aleppo Giftgas eingesetzt - sondern Söldner haben dies getan.
- Beim Abschuss eines türkischen Kampfflugzeuges hat die Türkei den syrischen Luftraum mehrfach und in der Nähe sensibler syrischer Ziele verletzt - Sie haben dazu mehrfach die Unwahrheit gesagt, mit offensichtlich aggressiver Absicht.
Seit mehr als vier Jahren betreiben Sie vielfältige Kriegsvorbereitungen gegen Ihren friedlichen Nachbarn und früheren Freund Syrien. Seit mehr als zwei Jahren führen Sie dort einen durch nichts provozierten, aggressiven Terrorkrieg. Jetzt steht der dringende Verdacht im Raum, dass der türkische Geheimdienst dieses jüngste Massaker angerichtet hat. Auf Ihre Anordnung hin und pünktlich zu Ihrem Obama-Besuch in den USA.
Terrorakte mit türkischer Beteiligung im Zusammenhang mit dem widerlichen Syrienkrieg haben ja schon eine üble Tradition. Allmählich geradezu beleidigend jedoch ist Ihre Annahme, niemand werde Ihre dünn bemäntelten Verbrechen und abenteuerlichen Beschuldigungskonstruktionen entdecken oder durchschauen. Insofern gebe ich meiner Hoffnung Ausdruck, dass Sie demnächst und raschestmöglich gerichtlich zur Verantwortung gezogen und schwer bestraft werden. Ihr auch finanziell hoch korruptes Amtsverständnis
müsste erschwerend und daher strafverschärfend hinzukommen. Ich habe mich in früheren Jahren für den EU-Beitritt der Türkei eingesetzt. Solange Sie jedoch straffrei bleiben, sehe ich mich außerstande, dies fortzusetzen, gebe jedoch sofort und mit großem Bedauern zu, dass Sie persönlich sich dort in einem derzeit adäquaten Milieu bewegen würden.

Ich wünsche dem ehrbaren und tüchtigen türkischen Volk die Kraft, sich schnellstens Ihrer inakzeptablen Amtsführung zu entledigen, wie auch die Völker Europas ihre multikriminellen Regimes absetzen und zur Verantwortung ziehen sollten - hoffentlich bevor S/sie weiteren Schaden anrichten und womöglich die ganze Region oder mehr in Flammen aufgeht.
gez. Christoph Hörstel
(PK)
Hier zum Thema ein Artikel aus dem Spiegel: http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-beschuldigt-syriens-geheimdienst-wegen-anschlag-in-reyhanli-a-899309.html
 
Über Christoph Hörstels Buch "Brandherd Pakistan - wie der Terrorkrieg nach Deutschland kommt", erschienen 2008 im Kai-Homilius-Verlag, Berlin, finden Sie einen Artikel unter http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12802


Online-Flyer Nr. 406  vom 15.05.2013

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