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Globales
Europas Medien tanzen nach der Pfeife reaktionärer arabischer Scheichs
Sie finanzieren auch den Syrien-Krieg
Von Gerrit Hoekman
Auf dem Schlachtfeld herrscht im syrischen Bürgerkrieg seit zwei Jahren Chaos. Keine der beiden Seiten kommt recht voran; die Kriegsparteien reiben sich in einem blutigen Häuserkampf auf. An der Medienfront haben jedoch die Rebellen seit Beginn des Konflikts das Sagen. Über die arabischen Sender Al Jazeera und Al Arabiya gelangt ihre Sicht der Dinge fast ungeprüft an die Öffentlichkeit. In den meisten deutschen Redaktionsstuben gelten die Sender als glaubwürdige Quellen, deren Berichte man ohne Gegenrecherche übernehmen kann – schließlich berichten sie ja auch im Sinne der US-Regierung.

Al Arabiya – eine der wichtigen Quellen
"unserer" Medien
Die syrischen Medien hingegen haben in Europa einen denkbar schlechten Ruf – angeblich lügen sie wie gedruckt. Das gilt sowohl für die staatliche Nachrichtena-gentur SANA, wie auch für die großen Tageszeitungen Baath (Wiedererweckung), Tishrin (Oktober) und Thawra (Revolu-tion). In der Tat sind die Staats-medien in Syrien nicht unabhängig, auch das Fernsehen berichtet im Sinne der Regierung. Doch es ist unredlich, ihnen zu unterstellen, sie würden nur lügen.

Al Jazeera – früher mal von der US-
Regierung beschuldigt, gegen die
dritte Genfer Konvention verstoßen
zu haben
Ein Besuch auf der Homepage von SANA ist wie eine Reise in ein anderes Syrien. Eines, von dem wir in Deutschland so gut wie nichts mitbekommen. Welche Zeitung berichtet schon über einen harmlosen Ingenieur, den die Rebellen an seinem Arbeitsplatz erschießen, nur weil er beim Staat angestellt ist? Am Wochenende, berichtet SANA, haben sich zwei Rebellengruppen beim Verteilen der Kriegsbeute in die Haare bekommen, es gab sogar Tote. Zur selben Zeit soll die syrische Armee ein weiteres Viertel der seit Wochen heftig umkämpften Rebellenhochburg Darayya erobert haben, und in der Stadt Aqraba haben die Soldaten »die Sicherheit der Einwohner wieder hergestellt«. In den deutschen Medien feiern aber nur die Rebellen militärische Erfolge.
Online-Flyer Nr. 392 vom 06.02.2013
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Globales
Europas Medien tanzen nach der Pfeife reaktionärer arabischer Scheichs
Sie finanzieren auch den Syrien-Krieg
Von Gerrit Hoekman
Auf dem Schlachtfeld herrscht im syrischen Bürgerkrieg seit zwei Jahren Chaos. Keine der beiden Seiten kommt recht voran; die Kriegsparteien reiben sich in einem blutigen Häuserkampf auf. An der Medienfront haben jedoch die Rebellen seit Beginn des Konflikts das Sagen. Über die arabischen Sender Al Jazeera und Al Arabiya gelangt ihre Sicht der Dinge fast ungeprüft an die Öffentlichkeit. In den meisten deutschen Redaktionsstuben gelten die Sender als glaubwürdige Quellen, deren Berichte man ohne Gegenrecherche übernehmen kann – schließlich berichten sie ja auch im Sinne der US-Regierung.

Al Arabiya – eine der wichtigen Quellen
"unserer" Medien
Einige syrische Kollegen haben in diesem Krieg bereits ihr Leben verloren, weil sie die Armee im Kampfeinsatz begleiteten. Andere wurden von Rebellen entführt oder umgebracht. Monatelang waren SANA und die Tageszeitungen nicht mehr im Internet zu erreichen, weil ihre Seiten blockiert waren. Vor ein paar Wochen ist es Syrien aber offenbar gelungen, das Online-Embargo zu umgehen.

Al Jazeera – früher mal von der US-
Regierung beschuldigt, gegen die
dritte Genfer Konvention verstoßen
zu haben
Für deutsche Redaktionen ist das Syrien, das SANA beschreibt, ein Potemkinsches Dorf, errichtet von journalistischen Schmutzfinken in Damaskus. Dabei wird im Westen gerne unterschlagen, daß Al Jazeera von Katar finanziert wird und Al Arabiya von Saudi-Arabien – mithin den Staaten, die mit viel Geld den bewaffneten Aufstand in Syrien am Leben halten. Die Golfstaaten haben inzwischen eine Medienmacht, die sogar einen Mogul wie Ruprecht Murdoch neidisch machen könnte. Denn auch zwei der größten arabischen Tageszeitungen stehen unter der Fuchtel der Saudis: Ash-Sharq al-Awsat (Der Mittlere Osten) und al-Hayat (Das Leben).
Die in Beirut gegründete al-Hayat galt lange wegen ihrer Unabhängigkeit als die beste arabische Tageszeitung. Als sie 1976 wegen des Bürgerkriegs im Libanon schließen mußte, waren 13 Bombenanschläge auf sie verübt worden, ihr Gründer Kamil Mrowa war bereits 1966 in seinem Büro erschossen worden. 1988 kaufte der saudische Prinz Khalid das Blatt. »Die Übernahme durch Prinz Khalid bedeutete, daß die Zeitung vorsichtig auftritt, wenn es eine beunruhigende Neuigkeit über Saudi-Arabien gibt – eine bemerkenswerte Ausnahme zu ihrem sonst unabhängigen Standpunkt«, urteilte die New York Times schon vor Jahren.
Das betrifft alle Medien, die im Besitz der Golfmonarchien sind. Ihre Unabhängigkeit endet da, wo die Interessen der Scheichs beginnen. Insofern sind syrische Journalisten nicht schlechter als ihre arabischen Kollegen und unterliegen den gleichen Zwängen: Vieles ist erlaubt, solange es dem Staat nicht schadet. Dabei sind die Grenzen der Pressefreiheit in Syrien weiter gefaßt, als es noch in den 80er Jahren war. Die Medien sind unter Baschar al-Assad deutlich unabhängiger geworden. (PK)
Aus einer anderen Perspektive ergänzt wird dieser Beitrag des freien Journalisten Gerrit Hoekman für die "junge Welt" durch einen von Sabine Schiffer in der türkischen Tageszeitung "Zaman" veröffentlichten Artikel, den wir deshalb auch in diese NRhZ-Ausgabe gestellt haben.
Online-Flyer Nr. 392 vom 06.02.2013
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