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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Globales
"Gebt dem Rassismus des Jüdischen Nationalfonds keine Chance!"
Protest gegen SPD-„Wald deutscher Länder“
Von Attia und Verena Rajab

Hier ein Offener Brief an die UnterstützerInnen des SPD-„Waldes der deutschen Länder“ im Negev zum Thema Landraub und ethnische Säuberung durch den Jüdischen Nationalfonds im Schatten deutscher Bäume. Die Initiatoren bitten unsere LeserInnen, sie durch Weiterleiten mit ihren Unterschriften zu unterstützen.
 
Sehr geehrte Frau SPD-Generalsekretärin Nahles,
sehr geehrter Herr Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion Dr. Steinmeier,
sehr geehrte Frau Rettig,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Zieger (Esslingen),
sehr geehrte Damen und Herren von der Stiftung Jugendhilfe aktiv, 
 
mit Bestürzung haben wir festgestellt, dass Sie das Projekt „Wald deutscher Länder“ des „Jüdischen“ Nationalfonds – KKL (JNF-KKL) im Negev unterstützen. Schon seit mehreren Jahren ist bekannt, wie eng die Aktivitäten des JNF verbunden sind mit Ausgrenzung, Vertreibung und Enteignung der PalästinenserInnen. Die gemeinsamen Initiativen palästinensischer und jüdisch- israelischer StaatsbürgerInnen (Zochrot, Tarabut, Negev Coexistence Forum, Rechtsanwaltsvereinigung Adalah u.a.) sowie Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International rufen zur Distanzierung und zum Protest gegen JNF-Aktivitäten auf (siehe Website-Adressen am Schluß).
 
Einer der Schwerpunkt-Aktivitäten des JNF-KKL ist derzeit die Beteiligung an einem 600-Millionen-USDollar-Projekt, mit dem angeblich der Negev entwickelt werden soll. Der JNF ist dabei, dort Parks und Wälder anzulegen, dafür werden systematisch palästinensische Dörfer zerstört und die BewohnerInnen vertrieben. Gleichzeitig werden im Negev Siedlungen
gebaut, die ausschließlich jüdisch-israelischen BürgerInnen vorbehalten sind.
 
Bis zu 70.000 PalästinenserInnen sollen für die Negev-„Entwicklung“ zwangsumgesiedelt werden. Als Heimat für die ursprünglichen BewohnerInnen des Gebiets sieht der israelische Staat ärmliche Planstädte mit extrem schlechter Infrastruktur und hoher Arbeitslosigkeit vor. Kein Wunder, dass das als Prawer Plan bezeichnete Negev-„Entwicklungsprojekt“ der israelischen Regierung auch bei der Europäische Kommission in die Kritik geraten ist.
(ec.europa.eu/world/enp/docs/2012_enp_pack/progress_report_israel_en.pdf)
 
Der „Wald deutscher Länder“ im Lahav-Gebiet in der Nähe von Beer Sheva ist Teil dieses Plans. Dort, wo der JNF den Wald pflanzt, wohnten Großfamilien der Tiyaha, die zur Zeit der Staatsgründung vertrieben wurden. Ein Mitglied dieser Familien, Dr. Awad Abu Freih, spricht in einem You tube-Film darüber, wie der JNF die Ruinen seines Dorfes unter dem „Wald deutscher Länder“ verbirgt. (youtube.com/watch?v=qIq_XIHZpoE)
 
Das bekannteste Beispiel für die Vertreibungspolitik des JNFs im Negev ist das Dorf Al Arakib, das sich nur wenige Kilometer entfernt vom „Wald deutscher Länder“ befindet. Kurz nach der Staatsgründung Israels war das Dorf von den israelischen Behörden als Gerichtssitz anerkannt worden. Anfang der 50er Jahre wurden die BewohnerInnen zwangsumgesiedelt. Sie sind zurückgekehrt und wehren sich gegen den Landraub. Auf einem Teil des Landes von Al Arakib wurde die Siedlung Givot Bar angelegt, die jüdischen StaatsbürgerInnen vorbehalten ist. Das palästinensische Dorf Al Arakib wurde inzwischen mehr als 40-mal zerstört, es soll einem JNF-Wald weichen.

Bewohner eines am 24.12.12 zerstörten Hauses bei Segev Shalom (vom Staat errichtetes Township) zwischen den Ruinen ihres Heims. Trotz des Versprechens, es so lange stehen zu lassen, bis das neue fertig ist, wurde das Haus zerstört.
Quelle: dukium.org
 
Was für den Negev gilt, gilt für das ganze Land. Ausgerechnet der Wald des JNF, der den Namen des bekannten SPD-Politikers Willy Brandt trägt und in Galiläa steht, ist ein weiteres Beispiel für die Vertreibung von PalästinenserInnen. Der Wald verdeckt die Ruinen des palästinensischen Dorfes Shajara. Die Bewohner dieses Dorfes, die 1947/48 vertrieben wurden und sich in der Nachbarschaft ansiedelten, dürfen nicht einmal die Gräber ihrer Vorfahren pflegen. (uridavis-official-website.info) (Abteilung Jewish National Fund)
 
Wie die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost schreibt, beteiligt sich der JNF-KKL über seine Tochtergesellschaft „Himnuta“ außerdem maßgeblich an illegalen Siedlungen im besetzten Ost-Jerusalem. (juedische-stimme.de/?p=1015)
 
Ein Blick in die Geschichtsbücher straft die Behauptung des JNF Lügen, der palästinensische Negev sei vor der Staatsgründung Brachland gewesen. Auf dem fruchtbaren Boden im nördlichen Negev wurden vor 1948 große Mengen Getreides angebaut, das auch über den Hafen von Gaza exportiert wurde. Der palästinensische Historiker Salman Abu Sitta bezeichnet die Gegend daher als „Brotkorb Palästinas“ und führt Berichte von Reisenden aus dem 19.Jahrhundert an. (plands.org/articles/013.html)
 
Ausgerissene Olivenbäume, zerstörte Gärten und Felder der PalästinenserInnen im Negev als Werk des JNF sprechen eine deutliche Sprache. Der JNF-KKL ist keine Umweltorganisation. Dr. Eurig Scandrett von der schottischen Grünen-Partei beschreibt die JNF-Aufforstungspraxis: „Sein beliebtester Baum war die Aleppo-Kiefer (Pinus halepensis), die nun in Jerusalemkiefer umbenannt wurde, die aber nur spärlich in Palästina vorkommt und die ökologisch nicht in die dichten JNF/KKL-Anpflanzungen passt.“ Für die Wüste kritisiert Dr. Eurig Scandrett die Aufforstung mit Eukalyptus, der viel Wasser braucht. (palaestinakomitee-stuttgart.de/pdfs/brief_an_umweltschuetzer.pdf)
 
Sehr geehrte Mitglieder des SPD-Vorstandes, folgen Sie dem Beispiel von Amnesty International, Human Rights Watch, der schottischen Grünen Partei und vielen anderen: Distanzieren Sie sich vom rassistischen JNF und seinem „SPD-Wald“ als Teil des „Waldes der deutschen Länder“. Wie viele SPD-Wähler werden sonst abspringen, wenn die SPD Merkels Unterstützung israelischer Menschenrechtsverletzungen übernimmt?
 
Sehr geehrte Frau Rettig, Ihr schönes Klavierspiel ist zu schade für JNF-Projekte der Vertreibung und Apartheid. Bitte ziehen Sie Ihre Mitwirkung bei der Benefizveranstaltung für den JNF zurück.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Zieger, entziehen Sie dieser Förderung von Ausgrenzung und ethnischer Säuberung beim Benefizkonzert in Esslingen Ihre Schirmherrschaft.
Sehr geehrte Damen und Herren der Stiftung Jugendhilfe aktiv, denken Sie auch an die Kinder der PalästinenserInnen im Negev, die durch die Zerstörung ihrer Dörfer traumatisiert werden. Stellen Sie für das Benefizkonzert für den JNF keinen Raum zur Verfügung. Geben Sie dem Rassismus keine Chance.
Folgen Sie dem Beispiel von Stop the Wall, des International Jewish Antizionist-Network und The Palestinian Farmers Union. Spenden Sie für Bäume, die in palästinensischen Gärten im Negev gepflanzt werden – dabei handelt es sich um eine wirklich umweltfreundliche Initiative, mit der die Schäden, die der JNF hinterlassen hat, wenigstens teilweise wieder gut gemacht werden können. (ijsn.net/731/)
 
Niemand muss uninformiert bleiben, es gibt umfangreiche Informationen im Internet:
zochrot.org/en – hrw.org/reports/2008/iopt0308/iopt0308webwcover.pdf –tarabut.info/en/topics/topic/arakib
amnesty.org/fr/node/22995 – adalah.org/eng/?mod=articles&ID=1589 – jnf-machenschaften.de – dukium.org/eng
 
Alle Links sind direkt zugänglich unter:
http://palaestinakomitee-stuttgart.de/jnf-links.htm
V.i.S.d.P Palästinakomitee Stuttgart, c/o. M. Kunkel, Rosengartenstr. 80, 70184 Stuttgart
 
Mit freundlichen Grüßen,
Palästinakomitee Stuttgart
palaestinakomitee-stuttgart.de
Dezember 2012
(PK)
 
Attia und Verena Rajab haben diesen Text für das Palästinakomitee Stuttgart verfasst.


Online-Flyer Nr. 387  vom 02.01.2013



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