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Globales
Demonstration vor der deutschen Botschaft in Caracas
"Kueka-Stein" der Pemón soll zurück
Von Kirstin Büttner und Peter Kleinert
Venezuela hat erneut die Forderung nach der Rückgabe eines Steins bekräftigt, der im Berliner Tiergarten liegt.(1) "Es geht bei der ganzen Sache um die Rechte aller Bürger der Bolivarischen Republik Venezuela und dabei vor allem um die Rechte der Minderheiten", sagte der Präsident des Nationalen Institutes für Kulturerbe in Venezuela, Raúl Grioni, auf einer Pressekonferenz vergangene Woche in Berlin. In den letzten 13 Jahren habe die venezolanische Botschaft in Deutschland insgesamt 14 Gesuche an das Auswärtige Amt gerichtet, um die Frage nach der Rückführung des Steins zu klären. Der deutsche Künstler Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld soll sich im Gegensatz zu den zuständigen deutschen Behörden bereit erklärt haben, den "Kueka-Stein" aus dem Berliner Tiergarten an Venezuela zurückzugeben.

Stein des Anstoßes: Kueka der Pemón im
Berliner Tiergarten
1998 hatte Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld den "Kueka-Stein" (Piedra Kueka) im Rahmen seines Kunstprojektes "Global Stone" in den Berliner Tiergarten gebracht. Für die indigene Gruppe der Pemón sei der Stein "heilig", argumentiert die venezolanische Seite. Bei Kueka handele es sich um die "zu Stein gewordenen Großmutter des Volkes der Pemón". Der Stein war Teil des Naturschutzgebietes um den Wasserfall Kerepakupai Merú (Salto Ángel), der mit 979 m Fallhöhe als der höchste frei fallende Wasserfall der Erde gilt. (2)
Dass die Diskussion in Venezuela weiterhin eine große Öffentlichkeit erreicht, zeigt auch eine Demonstration vor der deutschen Botschaft in Caracas am 21. Juni. Einige hundert Demonstranten waren gekommen, um dem deutschen Botschafter Georg Clemens Dick ein Dokument mit der Forderung auf Rückführung zu übergeben. Dieser zeigte sich einem Bericht auf der Website des venezolanischen Kultusministeriums zufolge offen für das Anliegen der Demonstranten. Dort wird er mit der Zusage zitiert, dass der Stein an seinen Ursprungsort in Santa Cruz de Mapaurí zurückgebracht werde. Es sei nie die Intention Deutschlands gewesen, den Pemón "etwas wegzunehmen", sagte Dick demzufolge. "Ich werde nach Berlin fahren und Ihre Interessen übermitteln und wir werden an einer Lösung arbeiten." Allerdings werde in Kürze ein neuer Botschafter in Caracas benannt. In einem Text, der von der deutschen Botschaft veröffentlicht wurde, ist hingegen von Schwierigkeiten die Rede. Eine Rückführung wird dort nicht bestätigt.

Aktivisten der Initiative "Free Kueka" in Berlin
forderten im Juni die Rückgabe des Steins
Laut einer Meldung des Portals amerika21, die uns nach dem oben stehenden Artikel von Kirstin Büttner am 8. Juli erreichte, hat sich der Künstler Wolfgang Kraker von Schwarzen- feld nicht zum ersten Mal bereit erklärt, den "Kueka-Stein" aus dem Tiergarten zurückzu-geben. Bereits 2010 habe er gegenüber amerika21.de geäußert, er sei "nach wie vor an einer Lösung interessiert". Allerdings werde er "den Rücktransport nicht aus der eigenen Tasche bezahlen".
Online-Flyer Nr. 362 vom 11.07.2012
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Globales
Demonstration vor der deutschen Botschaft in Caracas
"Kueka-Stein" der Pemón soll zurück
Von Kirstin Büttner und Peter Kleinert
Venezuela hat erneut die Forderung nach der Rückgabe eines Steins bekräftigt, der im Berliner Tiergarten liegt.(1) "Es geht bei der ganzen Sache um die Rechte aller Bürger der Bolivarischen Republik Venezuela und dabei vor allem um die Rechte der Minderheiten", sagte der Präsident des Nationalen Institutes für Kulturerbe in Venezuela, Raúl Grioni, auf einer Pressekonferenz vergangene Woche in Berlin. In den letzten 13 Jahren habe die venezolanische Botschaft in Deutschland insgesamt 14 Gesuche an das Auswärtige Amt gerichtet, um die Frage nach der Rückführung des Steins zu klären. Der deutsche Künstler Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld soll sich im Gegensatz zu den zuständigen deutschen Behörden bereit erklärt haben, den "Kueka-Stein" aus dem Berliner Tiergarten an Venezuela zurückzugeben.

Stein des Anstoßes: Kueka der Pemón im
Berliner Tiergarten
Quelle: Portal amerika21
Es bestehe eine große Erwartung hinsichtlich der Rückgabe der Kueka an das Volk der Pemón, sagte Grioni. Er sei sich sicher, dass diese in Deutschland verstanden wird, so dass es zu einer einvernehmlichen Lösung kommen kann. Es gehe bei dem Konflikt auch um "den in der Verfassung verankerten Schutz von Kulturgütern. Das heißt, dass alle Elemente und Symbole, die für Bevölkerungsgruppen in Venezuela von Bedeutung sind, vom Staat geschützt werden."
Auch im venezolanischen Parlament wurde jüngst ein von allen Parteien unterstützter Beschluss erlassen, die Pemón in ihrem Anliegen zu unterstützen.
Für Grioni ist dieser Fall einer von vielen in der Geschichte, in denen die Völker des Südens Opfer von Plünderungen geworden sind. Es sei einer von weltweit mehr als tausend Fällen von Forderungen auf Rückgabe von Kulturgütern. Viele davon berufen sich auf die UNESCO-Konvention von 1970 gegen den illegalen Handel und für Rückgabe von Kulturgütern. Die meisten dieser Forderungen werden mit dem Argument abgelehnt, dass die entsprechenden Völker keine lebenden Nachkommen mehr haben.
Genau darin sieht Grioni aber im Fall Kueka einen Vorteil: "Die Pemón leben noch und kämpfen aktiv für die Rückführung des Steins. Für die Pemón bedeutet die Abwesenheit des Steines den Verlust des positiven Einflusses auf Fruchtbarkeit und Klima sowie das Wachstum der Pflanzen, die der Kueka zugeschrieben werden. Deswegen werden sie auch den Vorschlag des Künstlers, die Kueka noch einmal ganz offiziell im Namen der Pemón zu verschenken, nicht akzeptieren, sondern so lange weiter kämpfen, bis der Stein wieder auf seinem alten Platz liegt."
Der Abtransport sei schon 1998, auch nach der alten Verfassung und Gesetzgebung, illegal gewesen, argumentiert Grioni. Da sich der Stein in einem Naturschutzgebiet befand, sei die Entfernung auch ein Verstoß gegen das Umweltgesetz gewesen. Es besagt, dass niemand über Dinge jeglicher Art innerhalb von Naturschutzgebieten verfügen darf. Zudem hat die UNESCO das Gebiet um den Wasserfall Kerepakupai Merú (Salto Ángel) zum Weltkulturerbe erklärt. Für die Unterzeichnung der legalen Dokumente, die dennoch den Abtransport des Kueka-Steins der Pemón ermöglichten, stehen in Venezuela derzeit drei beteiligte Personen vor Gericht und müssen sich wegen schweren Schmuggels verantworten.

Aktivisten der Initiative "Free Kueka" in Berlin
forderten im Juni die Rückgabe des Steins
Quelle: Initiative "Free Kueka - Kueka quiere volver"
Ebenfalls im Interview mit amerika21.de schilderte Venezuelas Kultusminister Pedro Calzadilla im vergangenen Oktober damit im Zusammenhang stehende Forderungen Schwarzenfelds: "Als erstes hat er eine Entschuldigung des venezolanischen Volkes gefordert. Er fühlte sich moralisch beleidigt. Dann wollte er einen Tausch des Steins vorschlagen und zusätzlich eine Million Euro. Er wollte dieses Geld zwar für eine Stiftung mit sozialen Zielen, aber in erster Linie ging es ihm doch um persönliche Interessen."
Anders als der Präsident des Nationalen Institutes für Kulturerbe in Venezuela, Raúl Grioni, äußerte sich der Steinkünstler am 5. Juli gegenüber dpa. Er habe für den riesigen Stein seinerzeit alle Genehmigungen vorgelegt, darunter auch eine Ausfuhrerlaubnis. Der Stein sei legal nach Deutschland gekommen. Es müssten nur noch "Fragen legalen und finanziellen Charakters" geklärt werden, zitiert ihn die venezolanische Tageszeitung El Universal. Das Angebot von venezolanischer Seite, ihn nach Venezuela zu bringen und dort mit einem Hubschrauber und unter Militärschutz einen anderen Stein suchen zu lassen, habe von Schwarzenfeld abgeschlagen, berichtet die Berliner Zeitung. Stattdessen fordere er, dass die venezolanische Regierung ihm und seiner Familie eine Reise nach Nordamerika finanzieren solle, um in den USA oder in Kanada nach einem Stein für sein Projekt zu suchen. (PK)
(1) siehe NRhZ vom Oktober 2011 http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17015
Kirstin Büttner hat den ersten Teil dieses Artikels am 5. Juli im Portal amerika21 veröffentlicht. Der Schluß beruht auf einer amerika21-Meldung vom 8. Juli, einem dpa-Interview und Berichten von El Universal und der Berliner Zeitung.
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