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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Lokales
Jüdische Kölnerinnen und Kölner kehren nach 1945 in die Stadt zurück
Rückkehr in die Fremde
Von Malle Bensch-Humbach

Im Mai 1940 wurde in einem Vorort der Stadt Auschwitz (Oswiecim) ein Konzentrationslager für polnische politische Gefangene errichtet. Nachdem die NS-Führung 1941 die Ermordung der europäischen Juden beschlossen hatte, bestimmte Himmler Auschwitz zum zentralen Ort für den Massenmord. Am 27.1.1945 wurde das KZ durch die Rote Armee befreit. Deshalb wird für Donnerstag, 26. Januar 2012, 18 Uhr, zu einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus in die Kölner AntoniterCitykirche in der Schildergasse eingeladen. Malle Bensch-Humbach vom Verein EL-DE-Haus e.V. – Förderverein des NS-Dokumentationszentrums hat dazu den folgenden Artikel geschrieben. – Die Redaktion
 

Chefarzt Herbert Lewin – 1941
deportiert, 1946 nach Köln
zurückgekehrt
„Du musst nicht denken, so ein Lager ist von einem Tag auf den anderen zu Ende. Schön wär' das. Wirst befreit, gehst raus, und alles ist vorbei. So ist das leider nicht, ihr stellt euch das viel zu einfach vor, das Lager läuft dir hinterher. Von draußen sieht es aus wie normales Leben, in Wirklichkeit sitzt du noch im Lager, das in deinem Kopf weiter existiert. Du fürchtest, so fängt der Wahnsinn an.“ - So spricht die Hauptfigur aus Jurek Beckers Roman „der Boxer“, in dem Becker Gespräche zu verarbeiten versucht, die er zwei Jahre lang mit einem ehemaligen KZ-Häftling geführt hat.
Zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gedenken wir aller unter der NS-Herrschaft Verfolgten und Ermordeten, ihrer Leiden, Qualen und Erniedrigungen. 2012 stehen die Kölnerinnen und Kölner im Mittelpunkt, die in der NS-Zeit wegen ihrer jüdischen Herkunft und aus rassistisch-antisemitischen Gründen verfolgt wurden.
 
Manche konnten der Verfolgung durch Emigration entkommen, nur wenige überlebten die Vernichtungslager, einzelne wurden durch mutige Menschen gerettet, die ihnen in Köln oder Umgebung ein Versteck oder die Flucht ins Ausland ermöglichten. Die Überlebenden sind gezeichnet von der erfahrenen sozialen Ausgrenzung und Entrechtung, von tiefster Demütigung und brutaler Misshandlung. Zwangsarbeit zermürbte ihren Körper, die Anwesenheit des Todes ihre Seele. Mit der Rückkehr aus Versteck, Lager und Emigration war für sie die Hoffnung verbunden, an das Leben vor der Verfolgung anknüpfen zu können. Doch dies gelang nur wenigen. Viele hatten ihre nächsten Angehörigen verloren. Das Zuhause war ihnen genommen und eine neue Heimat nur schwer zu finden. Sie waren entwurzelt, die Lebenswege abgeschnitten, oft völlig zerstört.
 
1945 stellte sich ihnen die Frage, wie und wo sie die Kraft für weiteres Leben aufbringen konnten. War für sie eine Rückkehr nach Köln denkbar?
 
Trotz aller Bedenken entschlossen sich einzelne Kölnerinnen und Kölner zur Rückkehr in ihre Heimatstadt, manche schon früh, manche später. Ihre Hoffnung, dass sie dort auf Menschen treffen, die bereit und fähig dazu wären, sich ehrlich und selbstkritisch mit ihrem Leben im Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, wurde in den meisten Fällen enttäuscht, aber gleichzeitig entstanden auch Begegnungen und Beziehungen, die als kostbar und unverzichtbar empfunden wurden. Leiden an Deutschland, und Vertrauen, das langsam und stockend wieder gewonnen wird, schafften eine spannungsvolle Existenz.
 
Indem wir dies an den Lebensläufen von Bruno Kisch, Margret Busher, Malka Schmuckler, Herbert Lewin, Moritz und Helmut Goldschmidt nachzeichnen, erinnern wir an alle, die die Mühen des Neuanfangs in unserer Stadt trotzdem auf sich genommen und damit viel zum demokratischen Wiederaufbau der Kölner Gesellschaft beigetragen haben.
 
Die Häftlinge von Buchenwald – zu denen auch Helmut Goldschmidt gehörte – schworen nach ihrer Befreiung: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“.
 
Dies ist nach wie vor aktuell. Deshalb sind wir alle aufgefordert, einen Beitrag
zu leisten, dass Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in unserer Stadt keinen Boden gewinnen und die Erinnerungsarbeit demokratische Früchte trägt.
 
Es wirken mit:
 
Axel Gottschick, Schauspieler
Ingeborg Haarer, Schauspielerin
Marion Mainka, Schauspielerin
Prof. Igor Epstein, Musiker
Elfi Scho-Antwerpes, Bürgermeisterin
Projektgruppe Gedenktag
Die Veranstaltung findet wegen des Shabbats am 26. Januar statt.
 
Veranstalter
Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln; Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen; Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband; Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte; , CDU- Ratsfraktion; Centrum Schwule Geschichte; Der halbe Stern; DGB Region Köln-Bonn; DFG/VK Köln; Die Linke Köln; Die Linke. Fraktion im Rat der Stadt Köln; DKP Köln; Evangelische Gemeinde Köln; FDP Kreisverband Köln; Friedensbildungswerk Köln e.V.; Friedensforum Köln; Geschichtswerkstatt Kalk; Jugendclub Courage Köln e.V.; Jungsozialisten Köln; Karl-Rahner Akademie; Jüdische Liberale Gemeinde Köln Gescher LaMassoret e.V.; Katholikenausschuss; Kölner Appell gegen Rassismus e.V.; Kölner Frauengeschichtsverein; Kölnische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit; LAG Lesben in NRW; LSVD, Lesben- und Schwulenverband; Melanchthon-Akademie; NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln; Pax Christi Köln; Rom e.V.; Schwules Netzwerk NRW; SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln; SPD Köln; Synagogen-Gemeinde Köln; ver.di AK Antifaschismus/Antidiskriminierung Köln; ver.di AK Lesben und Schwule; ver.di Bezirk Köln; Verein EL-DE-Haus e.V.; Vereinigung der Verfolgten des Naziregime/Bund der Antifaschisten Köln; Werkstatt für Ortsgeschichte Köln-Brück. (PK)


Online-Flyer Nr. 333  vom 21.12.2011

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