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Aktueller Online-Flyer vom 16. Dezember 2017  

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Fotogalerien
Fotomontagen der Arbeiterfotografie seit den 1990er Jahren
"Rettet den Reichtum!"
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Bis zum 22. Juni ist in Bottrop eine Ausstellung des Kunstkreis Bottrop e.V. mit Montagen der Arbeiterfotografie zu sehen. Sie stehen unter dem Motto „Rettet den Reichtum!“ Thematisiert werden insbesondere die Verteilung des Reichtums in „unserer“ Gesellschaft sowie die kriminellen Mechanismen zur Steuerung dieser Verteilung.
 
Alle Fotomontagen: Arbeiterfotografie
 
„Engagierte Fotografie darf nicht bei der Fotografie stehen bleiben. Fotografie allein ist nichts. Fotografie allein ist unpolitisch. Engagierte Fotografie muß das Medium Fotografie sprengen. ... Sie muß politische Zusammenhänge verdeutlichen und Perspektiven aufzeigen, Denkanstöße... geben. Engagierte Fotografie ist agitatorische Fotografie... Engagierte Fotografie darf nicht die Medien aus den Augen verlieren. Sie muß sich den Medienapparaten der Herrschenden widersetzen. Sie muß deren vielfach subtile, ideologisch geprägte Fehlinformation als solche entlarven.“ So steht es in den Thesen zur Arbeiterfotografie. Und das ist es, was mit der Ausstellung „Rettet den Reichtum“ beabsichtigt ist.
 
Lügen zusammenkrachen lassen
 
 
„Ein Charakteristikum der Montage... besteht darin, sich über bestimmte, sozusagen ideologisch aufgeblasene Aussagen, die eine regelrechte Dreistigkeit oder Dummheit beinhalten, hinwegzusetzen... Aussagen, die mit etwas Lügenhaftem aber zugleich mit dem Schein der Selbstverständlichkeit behaftet sind. Hier ist ein Feld für die Montage, die Lügenhaftigkeit solcher Aussagen mit einer enttarnenden Illustration zu unterkellern und zusammenkrachen zu lassen.“ So beschrieb Eckhard Siepmann (Autor des Buches „Heartfield - Vom Club Dada zur Arbeiter-Illustrierten-Zeitung") 1988 in der Zeitschrift Arbeiterfotografie eine Fähigkeit von Montagen
 
Ursprung der Fotomontage: dadaistisch - politisch
 
Aus den Anfängen der Fotomontage in den 1910er und 20er Jahren fällt immer der Name Hannah Höch, wenn es um die Entwicklung der künstlerischen Fotocollage geht. Die künstlerisch politische Fotomontage aber wurde durch den Dadaisten und Multiakteur John Heartfield ins Leben gerufen. Prof. Klaus Honnef, Documenta-Macher und langjähriger Leiter des Rheinischen Landesmuseums in Bonn, bezeichnete in den 1990er Jahren eine von ihm und Peter Pachnicke kuratierte Heartfield-Ausstellung als seine erfolgreichste aller Zeiten. Es ist die Kombination aus nachvollziehbarem Zeitbezug, bildnerischer Umsetzung und satirischer Titelvergabe, die diese Arbeiten bis zum heutigen Tage - wie zeitlos - wirken lassen.
 
John Heartfield und die Arbeiterfotografie
 
„Krieg und Leichen - die letzte Hoffnung der Reichen“ - Fotomontage von John Heartfield zum 15. Jahrestag der russischen Mai-Demonstration von 1917, A-I-Z, 1/1932
 
Etwa 200 zeitkritische Fotomontagen veröffentlichte John Heartfield in der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung A-I-Z, meist auf den Titelseiten. Diese zweitgrößte Illustrierte der Weimarer Republik begründete 1927 durch ihren Herausgeber und Verlagseigner Willi Münzenberg die Entstehung der historischen Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands VdAFD. Mitbegründender Fotograf war Eugen Heilig, der später als Redakteur des Verbandsorgans „Der Arbeiterfotograf“ und Reporter für die A-I-Z Fotoelemente für Heartfields Montagen schuf. „Die Montage ist die Art und Weise, Fakten so zu verketten, daß sie beginnen, soziale Energie und die in ihnen verborgene Wahrheit auszustrahlen." Schrieb Heartfield-Biograph Sergej Tretjakov 1936.
 
Form, Aussage, Abstraktion
 
 
Die Zeitschrift Arbeiterfotografie Nr. 60 von 1988 (die der 1978 neu gegründete Bundesverband herausgibt) ist aus Anlaß des 20. Todestages von John Heartfield einer Darstellung der unterschiedlichen Formen und Einsatzgebiete von Fotomontage gewidmet. Bild-Bild- und Bild-Text-Montagen sind ein augenfällig unterscheidendes Moment in den Arbeiten von John Heartfield, Klaus Staeck, Jürgen Holtfreter, Wilhelm Zimmermann und der Arbeiterfotografie. (In der Zeitschriftenausgabe Nr. 86 kommt der in Deutschland weitgehend unbekannte spanische Fotomonteur Josep Renau zur Geltung.) Die mehr oder minder künstlerische Plakat- und Montageform wird dann gewählt, wenn die dokumentarische Fotografie den abstrakten Begrifflichkeiten, Zusammenhängen und Hintergründen allein nicht gerecht werden kann. Brecht beklagte, daß „weniger denn je eine einfache ‘Wiedergabe der Realität’ etwas über die Realität aussagt“.
 
Rettet den Reichtum
 
Rüstung, Krieg und Frieden – auch städtebauliches Lebensumfeld – waren immer wieder Gegenstand der neuzeitlichen Arbeiterfotografie-Fotomontagen. 2005 entstand – ausgelöst durch den zunehmenden sozialen Kahlschlag – im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der Mediengalerie in der Berliner Dudenstraße die Ausstellung „Rettet den Reichtum!“, in der viele der jetzt gezeigten Fotomontagen enthalten waren. Die Arbeiterfotografinnen und -fotografen bemächtigten sich des Themas mit einer Einstimmung durch den wirtschaftskritischen Autor und Philosophen Werner Rügemer. Seither sind Bestandteile aus dieser Ausstellung immer wieder (u.a. in Köln, Berlin, Dortmund, Frankfurt/Main – von Pressefest bis Kirchentagen) gezeigt worden, und gleichzeitig wurde das Thema weiterverfolgt und weiterentwickelt.
 
 
Ziel ist es, die Verteilung des Reichtums in „unserer" Gesellschaft sowie die - kriminellen - Mechanismen zur Steuerung dieser Verteilung transparent zu machen. Hartz 4, Ein-Euro-Jobs, Privatisierung, Staatsschulden - das sind einige Bausteine, die dabei eine Rolle spielen. Die Beseitigung einer real existierenden Alternative zum Kapitalismus war das Ziel des so genannten Kalten Krieges. Dieser Krieg war weitgehend erfolgreich. Jetzt geht es um das nächste Ziel: sich anzueignen, was noch anzueignen ist. Im Innern heißt ein entscheidendes Stichwort Privatisierung. Nach außen ist es fast ungehemmter Krieg. Dazu bedienen sich die Akteure ihrer Parteien, die sich christlich, grün, liberal oder gar sozial nennen.
 
 
„Diese Politik, die den Reichtum von einigen wenigen ins Unermeßliche steigert und die Mehrheit der Menschen immer weiter enteignet, die nichts anderes ist, als eine Kriegserklärung gegen eben diese Mehrheit, wird für alternativlos erklärt... Wir sind so eindeutig wie noch nie zuvor aufgerufen, die tatsächlichen Zusammenhänge darzustellen, sie zu erkennen, zu verbreiten und miteinander zu diskutieren, um solidarisch Widerstand zu leisten und unsere Alternativen zu entwickeln." So formulierte es Constanze Lindemann 2005 in der Berliner Mediengalerie. (PK)
 
 
 
"Rettet den Reichtum"
Fotomontagen der Arbeiterfotografie seit den 1990er Jahren
Ausstellung des Kunstkreis Bottrop e.V. in Kooperation mit Galerie und Bundesverband Arbeiterfotografie
 
Galerie „Lebendige Wände“
Geschäftsstelle Ratsgruppe DIE LINKE Bottrop
Brauerstraße 41, 46236 Bottrop
bis 22.06.2011, montags und mittwochs 10 bis 12.30 Uhr und nach Vereinbarung
fon: 02041/5687-184 fax: 02041/5678-185
 
Faltblatt zum Runterladen:


Online-Flyer Nr. 303  vom 25.05.2011

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