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Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2017  

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Ursprünglich war es eine ganz "normale“ Fabrik in der Nähe des Bahnhofs Erfurt
Ein Erinnerungsort der schwierigsten Art
Von Uwe Pohlitz

Die Stadt Erfurt hat einen sehr schwierigen Erinnerungsort zu verkraften, der Ende Januar eröffnet wurde. Ursprünglich war es eine ganz "normale“ Fabrik in der Nähe des Bahnhofs - "Topf & Söhne". Man ging dort seit 1878 zur Arbeit, konstruierte und produzierte in der Nazi-Zeit Verbrennungsöfen für Leichen in Konzentrationslagern. Es gab lustige Betriebsfeiern. Monteure fuhren nach Auschwitz. Die Firmenleitung hofierte die SS-Größen und diente sich ihnen an - ganz freiwillig.
 

Die letzten Zeitzeugen werden von Bodo Ramelow, Fraktionschef der Linken in Thüringen, begrüßt
Fotos: Uwe Pohlitz
 
Nach 1945 wurde der Betrieb, entsprechend dem Potsdamer Abkommen enteignet. Die Besitzer entkamen in die "Westzone" und konnten sich dort weiter entfalten. Mitte der 50er Jahren wurde Topf & Söhne nach dem griechischem Widerstandskämpfer in „VEB Maschinenfabrik Nikos Belojannis“ umbenannt. Wer dort arbeitete, kannte auch die Firmengeschichte. An das grausige Erbe wurde immer wieder erinnert.

 
Das Konstruktionsbüro des Todes von "Topf & Söhne"
 
Nach 1990 wurde der Betrieb geschlossen, die Mitarbeiter wurden entlassen und das Firmengelände dem Verfall preisgegeben. Junge Leute holten "Topf & Söhne“ in das Gedächtnis der Stadt zurück. Noch benutzbare Teile der Fabrik wurden besetzt und notdürftig repariert. Es entstand ein reichhaltiges autonomes Jugendkulturzentrum. Da die Jugendlichen das Gelände nicht räumen wollten, wurde in Form einer "Bürgerkriegsübung“ mit Hubschraubern und schwerer Bewaffnung eine vollendete Tatsache geschaffen.
 

Besetztes Haus im Gelände
 
Heute befinden sich Handelseinrichtungen auf dem Gelände. Es sind auch noch Grundstücke zu haben. Doch es gab genügend Kräfte in der Stadt, welche durchsetzten, im ehemaligen Verwaltungsgebäude von "Topf & Söhne“, eine Erinnerungsstätte zum Thema "Verstrickungen der Wirtschaft mit dem NS-Staat“ einzurichten. Dieser Ort der Erinnerung wurde am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nazi-Regimes mit einer stillen Gedenkveranstaltung eröffnet. An der Eröffnung nahmen Überlebende der Konzentrationslager teil. Die Thüringer Landesregierung und Landtagsfraktionen aller Parteien ehrten die Opfer der Nazi-Diktatur durch eine schweigsame Kranzniederlegung. (PK) 
 

Ehemalige Produktionshalle


Firmengelände vor dem Abriss


Ehemalige Produktionsstätte Topf & Söhne
















Online-Flyer Nr. 288  vom 09.02.2011

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