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Kultur und Wissen
SchriftstellerInnen protestieren zum Welttag der Poesie am 21. März in Bremen
Staatsminister Neumann kein "Förderer der Poesie"
Von Peter Kleinert
SchriftstellerInnen aus dem rot-grünen Bremen und dem Umland protestieren dagegen, dass der "Welttag der Poesie" zu einem Forum missbraucht wird, auf dem sich Politiker wie Staatsminister Bernd Neumann, "Beauftragter für Kultur und Medien" der Bundesregierung, "als angebliche Förderer der Poesie, des Internationalismus und der Offenheit gegenüber Zuwanderern, Flüchtlingen und Asylbewerbern präsentieren können". Sie weigern sich deshalb, an dem Projekt „zwiesprache lyrik“ teilzunehmen.
In seiner Eigenschaft als Mitglied der Bremischen Bürgerschaft hat Neumann 1977 in einer Parlamentsdebatte gegen den jüdischen Dichter Erich Fried gehetzt und verlangt, dass man dessen Gedichte verbrenne. Der 1988 verstorbene Erich Fried war einer der wichtigsten politischen Lyriker im Deutschland der Nachkriegszeit. Er hielt antizionistische Vorträge, nahm an Demonstrationen teil und vertrat öffentlich kritische linke Positionen der Außerparlamentarischen Opposition. Durch seine 1979 veröffentlichten Liebesgedichte ist er einem breiten Publikum bekannt geworden.(1)
Online-Flyer Nr. 286 vom 26.01.2011
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Kultur und Wissen
SchriftstellerInnen protestieren zum Welttag der Poesie am 21. März in Bremen
Staatsminister Neumann kein "Förderer der Poesie"
Von Peter Kleinert
SchriftstellerInnen aus dem rot-grünen Bremen und dem Umland protestieren dagegen, dass der "Welttag der Poesie" zu einem Forum missbraucht wird, auf dem sich Politiker wie Staatsminister Bernd Neumann, "Beauftragter für Kultur und Medien" der Bundesregierung, "als angebliche Förderer der Poesie, des Internationalismus und der Offenheit gegenüber Zuwanderern, Flüchtlingen und Asylbewerbern präsentieren können". Sie weigern sich deshalb, an dem Projekt „zwiesprache lyrik“ teilzunehmen.
Die UNESCO hat den 21. März als "Welttag der Poesie“ ausgerufen. Initiiert von örtlichen Mitgliedern des Verbands deutscher Schriftsteller und einer sich regelmäßig treffenden Gruppe von Bremer Autorinnen und Autoren wird der Welttag der Poesie seit 2009 auch in Bremen zum Anlass genommen, die internationale Bedeutung von Sprache und Poesie hervorzuheben, "für das Ziel Völkerverständigung einzutreten, gegen Krieg und Rassismus".
Die Bremer Veranstaltungen zum Welttag der Poesie wurden deshalb 2010 um das Projekt "zwiesprache lyrik“ erweitert. Schirmherren des Projekts waren Bürgermeister Jens Böhrnsen und Altbürgermeister Dr. Henning Scherf, ebenso die Deutsche UNESCO-Kommission. Beim kommenden Welttag der Poesie am 21. März 2011 steht das Projekt unter neuer Schirmherrschaft. Ohne Rücksprache mit den Autorinnen und Autoren in Bremen wurde als Schirmherr der frühere Vorsitzende der CDU-Fraktion Bremen und heutige Staatsminister Bernd Neumann, Beauftragter für Kultur und Medien der Bundesregierung, installiert.
Gegen Neumann als „Schirmherrn“ des Projekts „zwiesprache lyrik“ im Rahmen des Welttages der Poesie 2011 in Bremen sprechen nach Ansicht der AutorInnen "sowohl die undemokratische Vorgehensweise seiner Einsetzung als auch dessen kritikfeindliche und zensurfreudige Stoßrichtung bei der Ausübung seiner politischen Funktionen". Zwei Beispiele werden zur Begründung angeführt:
Ende 2009 musste im Deutschen Historischen Museum Berlin auf Neumanns ausdrücklichen Wunsch hin eine Texttafel ausgetauscht und durch einen harmlosen Hinweis auf die angeblichen Integrationsbemühungen der Regierung ersetzt werden. Auf der Texttafel war als Kritik zu lesen: "Während innerhalb Europas die Grenzen verschwinden, schottet sich die Gemeinschaft der EU zunehmend nach außen ab. Die ‚Festung Europa’ soll Flüchtlingen verschlossen bleiben.“
In einer Pressemitteilung zur aktuellen Schirmherrschaft Neumanns heißt es: "Wir, die unterzeichnenden Autorinnen und Autoren aus Bremen und dem Umland, protestieren dagegen, dass der Welttag der Poesie zu einem Forum missbraucht wird, auf dem sich Politiker wie Herr Neumann als angebliche Förderer der Poesie, des Internationalismus und der Offenheit gegenüber Zuwanderern, Flüchtlingen und Asylbewerbern präsentieren können. Wir lehnen es deshalb ab, am Projekt „zwiesprache lyrik“ teilzunehmen und – anlässlich des UNESCO-Welttages der Poesie und des Internationalen Tages für die Beseitigung der Rassendiskriminierung – als Alibi herzuhalten für einen Schirmherrn, der die damit verbundenen Werte und Ziele missachtet."
Unterzeichnet haben diese Erklärung bisher Rudolph Bauer, Inge Buck, Martin Bührig, Uwe Herkt, Otmar Leist, Siegfried Marquardt, Jutta Mülich, Eberhard Pfleiderer und Richard Staab. (PK)
(1) Ein Gedicht von Erich Fried finden Sie in der NRhZ unter http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13332
Online-Flyer Nr. 286 vom 26.01.2011
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