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Aktueller Online-Flyer vom 21. Mai 2019  

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Inland
Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers zahlt 40 Millionen Euro an Sachsen
Aber "kein Schuldeingeständnis"
Von Prof. Hans-Joachim Selenz und Peter Kleinert

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) zahlt laut SPIEGEL dem Land Sachsen 40 Millionen Euro als "Beitrag zur Schadensminderung" für Verluste, die die landeseigene Bank Sachsen LB während der Finanzkrise beinahe in den Crash getrieben hatten. Dieser "Vergleich", betont PwC laut SPIEGEL(1) allerdings, sei kein Schuldeingeständnis. Ähnliches was bei der Sachsen LB passierte, hatte Professor Hans-Joachim Selenz als Preussag-Vorstandsmitglied erfahren müssen. Am 4. Februar 1998 wurde er wegen seiner Weigerung, einen gefälschten Jahresabschluss dieses Unternehmens zu unterschreiben, aus dem Vorstand abberufen (2).


Hat auch ein Büro in Moskau - PricewaterhouseCoopers
Quelle: http://visualrian.com/images/item/146770
 
PwC war auch Wirtschaftsprüfer der WestLB/Preussag/TUI-Gruppe als diese die Babcock Borsig AG im Jahr 2002 in einen 5 Milliarden-Euro-Konkurs schickte und zeichnete damit als Wirtschaftsprüfer verantwortlich für den bis damals größten Betrug in der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Nahezu 20 Milliarden Euro hatte diese Gruppe seit 1994/95 in betrügerischer Absicht verbrannt, unterschlagen und hinterzogen. Zehntausende Mitarbeiter der Gruppe verloren ihre Arbeitsplätze.
 
Als Mitglied des Vorstandes der Preussag AG hatte ich am 7. Januar 1998 schriftlich eine Sonderprüfung "durch ein Gutachten eines zweiten qualifizierten Wirtschaftsprüfers mit einschlägiger bilanzrechtlicher Assistenz" gefordert. Die Wirtschaftsprüfungsfirma Coopers & Lybrand (C&L Deutsche Revision) hatte den von mir als Organ der Gesellschaft beanstandeten Jahresabschluss geprüft.
 
Statt des von mir ausdrücklich geforderten zweiten qualifizierten Prüfers "prüfte" jedoch C&L den beanstandeten Jahresabschluss selbst noch einmal. Im Klartext: Der Fälscher "prüfte" seine eigene Fälschung! C&L formierte sodann 1998 zusammen mit der WP-Firma Pricewaterhouse (Pw) das WP-Unternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC). Pricewaterhouse hatte zuvor die US-Tochtergesellschaften der Preussag AG "geprüft".
 
Einzelne Wirtschaftsprüfer von Pw und C&L waren vor dieser "Prüfung" nachweisbar mit fünfstelligen Beträgen von der Preussag AG bestochen worden. Ein WP-Vorstand bedankte sich sogar für die Bestechung auf einem offiziellen Briefbogen von "C&L Deutsche Revision".
 
Der Aufsichtsrat segnete am 4. Februar 1998 gleichwohl die "geprüfte" Fälschung ab und warf mich noch am selben Tag aus dem Preussag-Vorstand. Danach fälschten Aufsichtsrat, Vorstand und Wirtschaftsprüfer auch noch gemeinschaftlich den Geschäftsbericht. Dort steht schwarz auf weiß, "der Vorstand" habe im Januar 1998 den Jahresabschluss bestätigt. Im Januar 1998 war ich jedoch noch Mitglied des Vorstandes. Die Aktionäre wurden mithin dahingehend getäuscht, dass der gesamte Vorstand den Jahresabschluss gebilligt und unterschrieben habe, was nachweisbar nicht der Fall war. Ich habe auch im Nachgang - trotz massiven Druckes u. a. durch Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Glogowski - meine Unterschrift nie unter die Fälschung gesetzt.
 
Es ging bei den Bilanzmanipulationen konkret um 2,5 Mrd. DM insbesondere im Bereich Anlagenbau. Der marode Anlagenbau wurde anschliessend auf die Babcock Borsig AG übertragen. Damit wurde das Unternehmen aus Oberhausen zum "Mülleimer" der Preussag AG, wie Aktionärsschützer Hocker es damals formulierte.
 
Die von mir am 7. Januar 1998 beanstandeten 2,5 Mrd. DM, derentwegen ich die Bilanz nicht unterschrieben habe, sind integraler Bestandteil der Gesamtschadenssumme von 5 Mrd. Euro des Babcok Borsig-Konkurses vom Juli 2002. Interne Dokumente belegen zudem, dass der Konkurs um mehrere Monate verschleppt wurde. Er kostete am Ende einige tausend Mitarbeiter die Arbeitsplätze.
 
Die Staatsanwaltschaft Hannover - ebenso wie die Generalstaatsanwaltschaft Celle - sind seit dem Jahr 2002 vollumfänglich über die dokumentierten Betrugsvorgänge informiert. Deutsche Staatsanwälte arbeiten indes nur, wenn die Politik es zulässt. Das war in diesem Fall jedoch wegen der Einbindung höchster Polit-Kader, mit Johannes Rau an der Spitze, nicht möglich. Rau, der Verfasser frommer Texte, trank - frei nach Heinrich Heine - heimlich Wein und predigte öffentlich Wasser. Was wiederum die schützte, die ihm den Wein bezahlten.
 
Denn solange deutsche Politiker - wie weiland Baron Münchhausen - sich und ihre Sponsoren an den eigenen Haaren aus jedem noch so kriminellen Sumpf ziehen können, wird die Kriminalität, wie wir sie inzwischen täglich in deutschen Grossunternehmen und in den Landesbanken erleben, nie enden. (PK)

Wenn  die Menschen wüssten,
wie unser Banken- und Währungssystem funktioniert,
hätten wir noch vor morgen früh eine Revolution.
Henry Ford (1863-1947)


(1) http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,739594,00.html
(2) http://www.hans-joachim-selenz.de/lebenslauf/index.html
 
Bücher von Prof. Hans-Joachim Selenz
"Schwarzbuch VW", Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-8218-5612-2
"Wildwest auf der Chefetage", Buch und Media, München 2005, ISBN 3-86520-140-7


Online-Flyer Nr. 285  vom 19.01.2011

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