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Aktueller Online-Flyer vom 22. Oktober 2017  

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Literatur
Interview mit Walter Bauer vom Literaturverein Libresso e.V.
15 Jahre Linke Literaturmesse in Nürnberg
Von Peter Kleinert

Vom 19. bis 21. November öffnet die 15. Linke Literaturmesse im Nürnberger Künstlerhaus wieder ihre Pforten. Sie wird seit 1995 vom Literaturverein Libresso e.V. und dem Metroproletan Archiv & Bibliothek veranstaltet. Mit 48 Lesungen, Buchvorstellungen, Filmveranstaltungen und Diskussionen gibt es Möglichkeiten mit den Autorinnen und Autoren ins Gespräch zu kommen. Zu den bekanntesten zählen u.a. Jutta Ditfurth, Georg Fülbert, Werner Seppmann und Andreas Wehr.



Frage: Die Linke Literaturmesse, die vom 19. bis 21. November in Nürnberg
stattfindet, hat schon Tradition. Man darf bei 15 Jahren auch einmal Zwischenbilanz ziehen. Was hat sich eigentlich aus dieser Idee entwickelt. Seid Ihr zufrieden?
 
Walter Bauer: Wenn man die Programme der Messen vergleicht, hat sich die Zahl der Veranstaltungen verdoppelt. Es sind wesentlich mehr Verlage auf unterschiedliche Weise präsent. Inhaltlich hat sich die Literaturmesse ähnlich entwickelt wie die linke Literaturszene insgesamt. Wir können ja nicht mehr bieten als die Verlage im Programm haben. Geschichte, Internationalismus und Theorie-Themen dominieren. Die sozialen Themen, vor allem die Erfahrungen und Entwicklungen der sozialen Kämpfe, sind nicht so vertreten wie es eigentlich notwendig wäre. Mit der Eröffnungsveranstaltung “Reloaded“ am Freitagabend haben wir versucht, einen Punkt in diese Richtung zu setzen. Es ist eine Podiumsdiskussion zu der Frage der Rückkehr und Neuauflage sozialer Bewegungen. VertreterInnen der Bewegung “Stuttgart 21“, der antifaschistischen Bewegung, Anti-AKW-Bewegung, der Bündnisse „Wir zahlen nicht für eure Krise“ und der Erwerbslosenbewegung werden Bilanz und Perspektiven der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung diskutieren.
 
In Euren Programmen sind nicht nur Lesungen und Buchvorstellungen zu finden.
 
Wir versuchen immer wieder Literatur, Kunst und Kultur zusammen zu sehen. Theorien und Politik der Kunst und Kultur, Ausstellungen, Filme und Konzerte waren öfters Bestandteil unseres Programms. Dieses Jahr geben am Samstag um 19 Uhr Blandine Bonjour & Bernd Köhler ein Konzert “chansons sans cigare - Lieder aus dem anderen Frankreich“. Von den Liedern der Commune über den Pariser Mai bis Moustaki, Brassens und Ferrat, besingen sie Kampf, Leben und Liebe der Unangepassten, der Quer- und Vorantreiber, ohne die eine gesellschaftliche Veränderung nicht denkbar ist. Köhler kommt mit seinen Liedern aus der linken Bewegung und ist noch mit den Bewegungen verbunden. Er geht aber mit seiner Musik auch über die reine “Protestkultur“ hinaus. Er singt vor Ort alte und neue Lieder des Widerstandes.
 
Was waren in der Vergangenheit die Höhepunkte?
 
Von Höhepunkten würde ich weniger sprechen, mehr von Kontinuität. Trotz 15 Jahren ist die Linke Literaturmesse zu keinem Einheitsbrei verkommen. Autorinnen und Autoren kamen aus allen “linken Ecken“. Von den Lokalgrößen Jörg Wollenberg, Peter Decker, Robert Kurz, der Linksradikalen Liedertafel, Manfred Schwab, Albert Sterr über die AntifaschistInnen Ester Bejarano, Emil Carlebach und Kurt Goldstein bis zu Jutta Ditfurth, Ebermann/Trampert, Oliver Tolmein, Georg Fülberth, Bernd Langer, Hans Modrow, Heleno Sana, Erasmus Schöfer, Robert Steigerwald, Sarah Wagenknecht und Inge Viett, die die Bild-Zeitung in Nürnberg mit einem Sonderplakat ankündigte: „Ex-Terroristin Inge Viett Star-Gast im Komm“. Eine interessante und gut besuchte Veranstaltung war vor zwei Jahren die Lesung des kubanischen Botschafters Gerardo Penalver über die neue Castro-Biographie. 
 
Alle Verlage, Zeitungen und Zeitschriften aufzuführen ist nicht möglich. Es schwankt immer um die hundert. Es gibt natürlich eine Menge Stammverlage, die von Anfang an dieses Projekt, nicht nur durch ihre Anwesenheit, tatkräftig unterstützt haben. Von den Tageszeitungen sind die “Junge Welt“, das “Neue Deutschland“ zu nennen. Beliebte Anziehungspunkte sind auch die Antiquariate “Walter Markov“ aus Bonn, das Rote Antiquariat aus Berlin, der “Schwarze Stern“ Dortmund und seit einigen Jahren das Moderne Antiquariat “Eine Welt aus Magdeburg“. Gut besucht ist immer der Stand von “Jump Up“ aus Bremen mit internationalen CDs und Musikrichtungen.
 
Neu auf der Messe ist die Verbindung von Film und Buch. Dies präsentiert der neue Laika-Verlag mit seiner Reihe “Bibliothek des Widerstands. Sie dokumentieren die sozialen Kämpfe, weltweit und von den Sechziger Jahren bis heute.
 
Wie viele Veranstaltungen habt Ihr dieses Jahr zu bieten?
 
Dieses Jahr sind es 47 Lesungen und Buchvorstellungen in sechs Räumen und im Stundentakt. Das vollständige Programm ist unter www.linke-literaturmesse.org zu finden. (PK)


Online-Flyer Nr. 275  vom 10.11.2010

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