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Aktueller Online-Flyer vom 16. Dezember 2017  

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Filmclips
Festnahme und Mißhandlung von Journalisten
Von Peter Kleinert



Der Verband ausländischer Medien in Israel (Foreign Press Association – FPA) hat sich in der vergangenen Woche in einer Pressemitteilung über israelische Sicherheitskräfte beschwert, weil diese wiederholt Angriffe und Misshandlungen gegen Journalisten vorgenommen haben, die über das besetzte palästinensische Gebiet Westjordanland berichten. Ein Film aus dem Jahr 1988 zeigt, dass dies in Israel nichts Neues ist.  
 
„In den vergangenen Monaten sind Journalisten, die über die Ereignisse dort berichten, von den Kräften vor Ort belästigt, festgenommen und angegriffen worden, und zwar schon bevor sich diese Aktivisten bzw. Demonstranten zuwandten“, heißt es in der Presseerklärung des Journalistenverbandes. FPA erhob „nachdrücklichen Widerspruch“ gegen diesen offenkundigen „Politikwechsel auf Seiten der (israelischen) Grenzpolizei und der israelischen Streitkräfte (IDF) in Bezug auf legitime Berichterstattung“ im palästinensischen Gebiet, wo wöchentlich Demonstrationen gegen die israelische Besatzung stattfinden, über die von Medien aus aller Welt berichtet wird.
 
In der Erklärung bittet FPA, die israelischen Behörden sollten „die beteiligten Einheiten daran erinnern, dass eine unbehinderte Berichterstattung überwiegend als wesentlicher Bestandteil der Demokratie anerkannt wird.“ Generell gehöre es nicht zu einer unbehinderten Berichterstattung, „dass man einem eindeutig gekennzeichneten Fotografen, der für eine bekannte und anerkannte Nachrichtenagentur arbeitet, mit einem Schlagstock ins Gesicht schlägt, dass man einem eindeutig gekennzeichneten Fotografen eine Blendgranate gegen den Kopf wirft, oder dass Kameras beschlagnahmt und Fotografen und Journalisten festgenommen werden“, heißt es in ironisch in der Presseerklärung.
 
Der FPA ist ein gemeinnütziger Verein, der etwa 400 Journalisten vertritt, die in Israel und den palästinensischen Gebieten für ausländische Zeitungen, Radios, Fernsehen, Magazine und Nachrichtenagenturen arbeiten.
 
Dass dieses Verhalten israelischer Soldaten, Polizisten, Geheimdienstler und der hinter diesen stehenden Behörden schon Ende der 80er Jahre in Israel nicht nur gegenüber ausländischen, sondern auch gegenüber israelischen JournalistInnen durchaus üblich war, können unsere Leser in dem Dokumentarfilmclip sehen, den wir in diese NRhZ-Ausgabe gestellt haben.

Nach Ausbruch der ersten Intifada wurde im Jahr 1988 die kleine jüdisch/arabische Wochenzeitung "Derech Hanitzotz/Tariq Al Sharara" verboten, die Redaktionsräume wurden zerstört. Einige der JournalistInnen, Juden wie Araber, wurden zeitweise festgenommen, weil sie in dem viel beachteten Blatt die Forderungen der PLO und des Aufstands nach einem unabhängigen, gleichberechtigten palästinensischen Staat unterstützt und unzensiert über das inhumane Verhalten von Armee und Polizei gegenüber Palästinensern berichtet hatten.

Als Begleiter der KollegInnen, die ihre Arbeit kurz vor unserer Ankunft in Israel wieder aufnehmen durften, hatten wir die Möglichkeit, die Intifada, ihre Ursachen und Folgen sozusagen von Innen zu dokumentieren. Von Anfang an ließen Armee und Geheimdienst uns spüren, daß wir als unabhängige Beobachter nicht allzu willkommen waren. Deshalb beginnt dieser Film mit einem Tränengasangriff auf unser Team. Wir hatten es gewagt, ohne Erlaubnis der Behörden, ein Flüchtlingsdorf zu besuchen, dessen Bewohner bereits mehrfach von der Armee terrorisiert worden waren.

Zurück in Köln, konnten wir einen 12 Minuten-Beitrag aus unserem Filmmaterial im WDR-Magazin ZAK senden. Daraufhin wurde Roni Ben Efrat, eine jüdische Kollegin von "Derech Hanitzotz", die als unsere Begleiterin und Interviewpartnerin offenbar den Zorn der Behörden besonders erregt hatte, verhaftet. Erst nach einem halben Jahr kam sie vor Gericht. Nicht zuletzt internationale Proteste erzwangen ihren Freispruch. Sie arbeitet heute im Team des regierungskritischen Magazins Challenge, das sich ausschließlich mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt befasst. Mehr über Challenge unter http://www.hanitzotz.com/

Ein Film von Peter Kleinert und Michael Opperskalski, Produktion KAOS Film- und Video-Team Köln, 59 Minuten - im Auftrag der Internationalen Journalisten-Organisation IOJ. Den ganzen Film finden Sie unter www.kaos-archiv.de und www.onlinefilm.org/ (PK)
 


Clip downloaden (mit Rechtsklick - "Ziel speichern unter...")

Online-Flyer Nr. 259  vom 16. Dezember 2017



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