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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Medien
Beauftragen Medien, die DIE LINKE nicht mögen, spezielle Umfrageinstitute?
„Faktenorientierter Journalismus“
Von Peter Kleinert

Passend zu unseren Artikeln und dem TV-Filmclip über den „faktenorientierten Journalismus“ der Kölner Neven DuMont-Mediengruppe in dieser NRhZ-Ausgabe findet man heute, Donnerstag, 6.Mai, ein Interview mit Wolfgang Lieb von den „Nachdenkseiten“ in der „junge Welt“. Da geht es unter dem Titel "Links wählen gilt immer noch als Tabu“ darum, dass bei manchen Umfrageinstituten DIE LINKE im Zusammenhang mit der NRW-Landtagswahl deutlich schlechter abschneidet als bei anderen. Eine dieser Umfragen soll der „Kölner Stadt-Anzeiger“ in Auftrag gegeben haben. Hier der Ausschnitt aus dem  Interview. – Die Redaktion
 
jW: Es fällt auf, daß die Partei Die Linke in der Vergangenheit vor mehreren Wahlen Umfrageergebnisse unter fünf Prozent hatte und am Ende doch darüber lag. Was steckt Ihrer Meinung nach dahinter?

Wolfgang Lieb: Eine der Ursachen liegt wohl darin, daß manche Leute bei solchen Umfragen nicht den Mut haben, dem Fragesteller zu sagen, daß sie links wählen. Das gilt ja immer noch als Tabu und ist sicher ein Grund, warum die Ergebnisse der Linkspartei geringer ausfallen. Ein weiterer Grund ist, daß die Umfrageinstitute zusätzliche Bewertungsfaktoren einführen. In diesem Punkt sind die Resultate der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen bisher unkalkulierbar, weil Erfahrungswerte über die mögliche Differenz zwischen Umfragen und tatsächlichen Wahlergebnissen fehlen. Das hat sicher auch in anderen Bundesländern dazu geführt, daß die Linkspartei in Umfragen etwas schlechter abschnitt, als dann ihre tatsächlichen Ergebnisse waren.
Was wissen Sie über das Institut OmniQuest, das der Linkspartei Ende April weniger als fünf Prozent der Stimmen vorausgesagt hat, während renommierte Institute auf sechs Prozent kamen?

OmniQuest war mir zuvor auf dem Feld der Wahlforschung nicht bekannt. Natürlich muß man bei jeder Umfrage immer auch einen Blick auf den Auftraggeber werfen, denn man kann schon durch Nuancen in der Fragestellung ein Ergebnis um das eine oder andere Prozent verbessern oder verschlechtern. Das ist keine neue Erfahrung. Vor allem, wenn Parteien eine Umfrage in Auftrag geben, haben sie Interesse daran, damit Stimmung für sich zu machen. Dem gehorchen manche Institute gern, denn sie sind ja von solchen Aufträgen abhängig.
Die OmniQuest-Umfrage soll der Kölner Stadt-Anzeiger in Auftrag gegeben haben. Wie schätzen Sie diesen ein?

Er wird von der Neven-DuMont-Gruppe herausgegeben. Der Stadt-Anzeiger ist in jedem Fall wirtschaftsnah, auch wenn er den aggressiven Kurs von Guido Westerwelle gegen Hartz-IV-Empfänger in der letzten Zeit nicht mitgetragen hat. Sollte es für Schwarz-Gelb nicht reichen, wäre dem Verlagshaus wohl eine große Koalition am angenehmsten. Wie von allen Mainstreammedien wird Rot-Rot-Grün heruntergeschrieben.
 
Anmerkung der Redaktion:
In der vom KStA und vom focus am 23.4. veröffentlichten OmniQuest-Umfrage kommt DIE LINKE gerade mal auf 4,8 Prozent.
 

Wolfgang Lieb ist Publizist sowie ehemaliger Regierungssprecher und wurde Ende der 80er Jahre Leiter des Presse- und Informationsamtes des Landes Nordrhein-Westfalen unter Ministerpräsident Johannes Rau (SPD). Zusammen mit Albrecht Müller betreibt er die Webseite NachDenkSeiten.de
 

 


Online-Flyer Nr. 248  vom 06.05.2010

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