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Kultur und Wissen
Ausschnitt aus einem Buch über Tierelend, Jagd und Kirche
Schweinegedanken
Von Gisela Mutke, Gunther Bleibohm und Harald Hoos

Foto: Dirk Gießelmann, www.soylent-network.com
Ich sitze in einer der vorderen Boxen, ich bin heute auf jeden Fall dabei. Endlich ist der große Tag der Befreiung gekommen, der Tag, den wir alle herbeisehnen, der Tag, auf den sich unser ganzes Leben hin entwickelt hat, der Sinn unserer kurzen, qualvollen Existenz. Der Weg, die Fahrt zum Schlachthof, meine letzte Chance, einen Blick auf diese mörderische Welt zu werfen. Ich habe mir vorgenommen, den Weg mit größter Würde anzutreten, mit Demut gegenüber meinem Schicksal. Der Tod wird ein Geschenk für mich sein. Ich kehre in den unendlichen Frieden zurück, aus dem ich einst aufgebrochen bin, aus dem ich in diese fürchterliche Menschenwelt geworfen wurde.
Ich hab mir vorgenommen, aufrecht zu gehen, auch wenn die Beine unter meinen Körper einknicken, die Last des Körpers kaum tragen können, weil ich sie Zeit meines Lebens nicht benutzen konnte. Ich werde mit zusammengebissenen Zähnen die Elektroschocks der Treiber ertragen, zum letzten Mal, es gilt die Freiheit des Todes zu erringen. Es ist dies kein Anflug von Verzweifelung, ich kenne die Kette meiner Tage, kenne die Kette der Qual, des Martyriums aus meinen wenigen Lebenstagen. Mein Verlangen nach einer Zeit, in der Leben aufhört, Folter und Qual zu sein, ist unbändig.
Jetzt bin ich an der Reihe, die Boxentür geht auf, ich erhalte einen brutalen Stockschlag an den Kopf. Es scheint tatsächlich abends zu sein, wenn man das so nennt. Ich hab es noch nie gesehen. Abends bedeutet eine letzte lange Qual, die letzte allerdings. Es bedeutet eine lange Fahrt, vielleicht zum Schlachthof nach Rom, die Nacht hindurch, durstig, hungrig, voller Ungewißheit. Rom sehen und sterben!
Der Weg in die Freiheit ist bitter und qualvoll erkauft, manche von uns sterben leichter, manche fürchterlicher, aber der Lohn ist immer unendlich tiefer Frieden, die Flucht vor der Menschheit. Die Menschheit, die uns ein Leben in Freiheit, in Sicherheit verweigert. Die Natur wird mich aber wieder in die Masse der Wesen einkneten und macht vielleicht eine Wolke, einen Tautropfen, hoffentlich aber nicht wieder ein Schwein oder gar einen Menschen aus mir. Egal, morgen früh komme ich in die Todesbox, mit etwas Glück ist der Akkordschlächter nüchtern, trifft mich gut mit dem Bolzenschuß. Ich werde still halten, nicht ausweichen, damit es schnell geht. Wir sterben an diesem Tag zu Tausenden, so wie jeden Tag. Tausend Lebewesen jede Sekunde auf der besten aller Welten, auf einer Welt, welche die Menschheit zum großen Schlachthaus gemacht hat.
Das Quieken der Anderen ist das verzweifelte Auslachen der Menschheit durch uns Todgeweihte, das Lachen darüber, dass wir mit dem Tod ihrer Macht endgültig entfliehen, das Lachen der Verachtung ob ihrer Überheblichkeit, ob ihres Wahnsinns. Einen Tag später werden meine zerlegten Körperteile verkauft und gegessen, hoffentlich aber von einem Hund oder einer Katze. Der Gedanke, im Körper eines Menschen begraben zu werden, ist mir zutiefst zuwider, im Körper derjenigen, die sich für das Ebenbild eines Gottes halten, eines bluttriefenden, erbarmungslosen Gottes.
Soweit ein Auszug aus dem Buch “Totentanz der Tiere“ von Dr. Gunther Bleibohm und Harald Hoos. Gisela Mutke hat es der Redaktion mit den folgenden Anmerkungen zugemailt.
Sicherlich hätte das Schwein seine Geschichte den Autoren nur zu gerne selbst erzählt – im Namen aller seiner Leidensgenossen: den Kühen, den Hühnern, den Kaninchen, und so vielen anderen Tieren, die nur zu dem Zweck geboren werden, für die Gaumenfreuden der Menschen zu sterben.
Dieses kleine Buch deckt das Tierleid der Massentierhaltung schonungslos auf und beleuchtet bislang kaum hinterfragte Brauchtümer der Jagd. Somit eignet es sich sowohl als hervorragender Einstieg in die behandelte Problematik, aber bietet ebenso auch vertiefende Informationen zu diversen Hintergründen und Verstrickungen.
Das Buch wird beim Leser Entsetzen hervorrufen. Entsetzen über den Umgang mit den sogenannten Nutztieren, Entsetzen über ins rechte Licht gerücktes Jägerlatein, Entsetzen über die Untergrabung staatlicher Gewalt durch wenige Interessengruppen, die einen Schutz von Natur und Tieren effektiv zu verhindern wissen. Das zugunsten der Tiere geänderte Tierschutzgesetz und die Einführung des Artikels 20 a in unser Grundgesetz sind in der Realität das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Somit bleiben nur wir, wir Verbraucher als letzte Hoffnung für die Tiere. Wir bestimmen durch unser Kaufverhalten, womit Geld verdient wird. Wir bestimmen, ob wir diese Art von Tierfabrikation unterstützen, oder ob wir sie ablehnen. Mit unserem Kaufverhalten üben wir direkten Tierschutz aus, jeder Einzelne. (PK)
Dr. Gunter Bleibohm / Harald Hoos: „Totentanz der Tiere - Schonungslose Bemerkungen zu Tierelend, Jagd und Kirche“, Geistkirch-Verlag 2009, ISBN 978-3-938889-81-7 www.geistkirch.de, Broschiert, 174 Seiten, 14,80 Euro (Der gesamte Erlös des Buches kommt dem Tierschutz zugute)
Gisela Mutke, die uns mit diesem Buch bekannt gemacht hat, ist Heilpraktikerin in Baden-Baden. Im Fokus ihres Engagements stehen Wohlergehen und Gesundheit der Menschen, aber in gleichem Maße auch die Rechte der Tiere. In Kooperation mit zahlreichen Organisationen, Initiativen und fachkundigen Experten aus In- und Ausland organisiert sie öffentlichkeitswirksame Aktionen zu Themen wie Ökologie, Natur und Tieren. Zur Steigerung der Effektivität und Verbesserung der Koordination ruft sie mit ihren Partnern zurzeit das Bündnis „AnimalAlliance“ ins Leben, in dem Tierschutz-Organisationen nicht mehr für sich alleine, sondern gemeinsam Aktionen durchführen sollen.
Online-Flyer Nr. 244 vom 07.04.2010
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Schweinegedanken
Von Gisela Mutke, Gunther Bleibohm und Harald Hoos

Foto: Dirk Gießelmann, www.soylent-network.com
Ich sitze in einer der vorderen Boxen, ich bin heute auf jeden Fall dabei. Endlich ist der große Tag der Befreiung gekommen, der Tag, den wir alle herbeisehnen, der Tag, auf den sich unser ganzes Leben hin entwickelt hat, der Sinn unserer kurzen, qualvollen Existenz. Der Weg, die Fahrt zum Schlachthof, meine letzte Chance, einen Blick auf diese mörderische Welt zu werfen. Ich habe mir vorgenommen, den Weg mit größter Würde anzutreten, mit Demut gegenüber meinem Schicksal. Der Tod wird ein Geschenk für mich sein. Ich kehre in den unendlichen Frieden zurück, aus dem ich einst aufgebrochen bin, aus dem ich in diese fürchterliche Menschenwelt geworfen wurde.
Ich hab mir vorgenommen, aufrecht zu gehen, auch wenn die Beine unter meinen Körper einknicken, die Last des Körpers kaum tragen können, weil ich sie Zeit meines Lebens nicht benutzen konnte. Ich werde mit zusammengebissenen Zähnen die Elektroschocks der Treiber ertragen, zum letzten Mal, es gilt die Freiheit des Todes zu erringen. Es ist dies kein Anflug von Verzweifelung, ich kenne die Kette meiner Tage, kenne die Kette der Qual, des Martyriums aus meinen wenigen Lebenstagen. Mein Verlangen nach einer Zeit, in der Leben aufhört, Folter und Qual zu sein, ist unbändig.
Jetzt bin ich an der Reihe, die Boxentür geht auf, ich erhalte einen brutalen Stockschlag an den Kopf. Es scheint tatsächlich abends zu sein, wenn man das so nennt. Ich hab es noch nie gesehen. Abends bedeutet eine letzte lange Qual, die letzte allerdings. Es bedeutet eine lange Fahrt, vielleicht zum Schlachthof nach Rom, die Nacht hindurch, durstig, hungrig, voller Ungewißheit. Rom sehen und sterben!
Der Weg in die Freiheit ist bitter und qualvoll erkauft, manche von uns sterben leichter, manche fürchterlicher, aber der Lohn ist immer unendlich tiefer Frieden, die Flucht vor der Menschheit. Die Menschheit, die uns ein Leben in Freiheit, in Sicherheit verweigert. Die Natur wird mich aber wieder in die Masse der Wesen einkneten und macht vielleicht eine Wolke, einen Tautropfen, hoffentlich aber nicht wieder ein Schwein oder gar einen Menschen aus mir. Egal, morgen früh komme ich in die Todesbox, mit etwas Glück ist der Akkordschlächter nüchtern, trifft mich gut mit dem Bolzenschuß. Ich werde still halten, nicht ausweichen, damit es schnell geht. Wir sterben an diesem Tag zu Tausenden, so wie jeden Tag. Tausend Lebewesen jede Sekunde auf der besten aller Welten, auf einer Welt, welche die Menschheit zum großen Schlachthaus gemacht hat.
Das Quieken der Anderen ist das verzweifelte Auslachen der Menschheit durch uns Todgeweihte, das Lachen darüber, dass wir mit dem Tod ihrer Macht endgültig entfliehen, das Lachen der Verachtung ob ihrer Überheblichkeit, ob ihres Wahnsinns. Einen Tag später werden meine zerlegten Körperteile verkauft und gegessen, hoffentlich aber von einem Hund oder einer Katze. Der Gedanke, im Körper eines Menschen begraben zu werden, ist mir zutiefst zuwider, im Körper derjenigen, die sich für das Ebenbild eines Gottes halten, eines bluttriefenden, erbarmungslosen Gottes.
Soweit ein Auszug aus dem Buch “Totentanz der Tiere“ von Dr. Gunther Bleibohm und Harald Hoos. Gisela Mutke hat es der Redaktion mit den folgenden Anmerkungen zugemailt.
Sicherlich hätte das Schwein seine Geschichte den Autoren nur zu gerne selbst erzählt – im Namen aller seiner Leidensgenossen: den Kühen, den Hühnern, den Kaninchen, und so vielen anderen Tieren, die nur zu dem Zweck geboren werden, für die Gaumenfreuden der Menschen zu sterben. Dieses kleine Buch deckt das Tierleid der Massentierhaltung schonungslos auf und beleuchtet bislang kaum hinterfragte Brauchtümer der Jagd. Somit eignet es sich sowohl als hervorragender Einstieg in die behandelte Problematik, aber bietet ebenso auch vertiefende Informationen zu diversen Hintergründen und Verstrickungen.
Das Buch wird beim Leser Entsetzen hervorrufen. Entsetzen über den Umgang mit den sogenannten Nutztieren, Entsetzen über ins rechte Licht gerücktes Jägerlatein, Entsetzen über die Untergrabung staatlicher Gewalt durch wenige Interessengruppen, die einen Schutz von Natur und Tieren effektiv zu verhindern wissen. Das zugunsten der Tiere geänderte Tierschutzgesetz und die Einführung des Artikels 20 a in unser Grundgesetz sind in der Realität das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Somit bleiben nur wir, wir Verbraucher als letzte Hoffnung für die Tiere. Wir bestimmen durch unser Kaufverhalten, womit Geld verdient wird. Wir bestimmen, ob wir diese Art von Tierfabrikation unterstützen, oder ob wir sie ablehnen. Mit unserem Kaufverhalten üben wir direkten Tierschutz aus, jeder Einzelne. (PK)
Dr. Gunter Bleibohm / Harald Hoos: „Totentanz der Tiere - Schonungslose Bemerkungen zu Tierelend, Jagd und Kirche“, Geistkirch-Verlag 2009, ISBN 978-3-938889-81-7 www.geistkirch.de, Broschiert, 174 Seiten, 14,80 Euro (Der gesamte Erlös des Buches kommt dem Tierschutz zugute)
Gisela Mutke, die uns mit diesem Buch bekannt gemacht hat, ist Heilpraktikerin in Baden-Baden. Im Fokus ihres Engagements stehen Wohlergehen und Gesundheit der Menschen, aber in gleichem Maße auch die Rechte der Tiere. In Kooperation mit zahlreichen Organisationen, Initiativen und fachkundigen Experten aus In- und Ausland organisiert sie öffentlichkeitswirksame Aktionen zu Themen wie Ökologie, Natur und Tieren. Zur Steigerung der Effektivität und Verbesserung der Koordination ruft sie mit ihren Partnern zurzeit das Bündnis „AnimalAlliance“ ins Leben, in dem Tierschutz-Organisationen nicht mehr für sich alleine, sondern gemeinsam Aktionen durchführen sollen.Online-Flyer Nr. 244 vom 07.04.2010
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