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Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2017  

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Filmclips
Der IG Metall-Streik um 35 Stunden
Von Peter Kleinert



Drei Gründe nannte die IG Metall in der Vorbereitung des 1984-er Streiks für die Verkürzung Arbeitszeit von 40 auf 35 Stunden in ihren Mitgliederversammlungen und in ihrer Öffentlichkeitsarbeit:
1.) Rationalisierungsinvestitionen und die Einführung von Robotern sollten nach Vorstellungen der Unternehmer vor allem in der Automobilindustrie die Zahl der Arbeitsplätze um ein Viertel verringern.
2.) Einführung der Bildschirmtechnik sollte nach einer Siemensstudie die Zahl der Angestellten in den Büros um 2,5 Millionen verringern.
3.) Anstatt zunehmendem Streß am Arbeitsplatz sollten die Arbeiter und Angestellten mehr Zeit zum Leben, mehr Zeit für ihre Kinder und ihre Familien gewinnen.

"Für ein besseres Leben - 35 Stunden geben" - war deshalb das Motto an vielen IGM-Informationsständen, wo Gewerkschaftsmitglieder die Öffentlichkeit über Sinn und Ziel der Arbeitszeitverkürzung zu informieren versuchten.

Dagegen hielten wie BILD auch die meisten der üblichen Medien und natürlich Bundeskanzler Helmut Kohl: „Die deutsche Volkswirtschaft ist gerade am Aufblühen, aber sie ist noch keineswegs voll entfaltet. Sie ist, wenn sie so wollen, ein zartes Pflänzlein, das sich entwickeln muß, das man hegen und pflegen muß... Deswegen ist ein Streik auf diesem Wege schädlich." Springers BILD rechnete per Schlagzeile seinen Lesern vor, daß 27 Millionen Deutsche gegen den Streik seien. Und wenn ein Mann seine Frau mit dem Küchenmesser niedersticht, ist das zu verstehen: Warum ist sie auch für die 35 Stunden-Woche?

Wir haben nach einem ersten Kampagnenfilm und zahlreichen Video-Flugblättern, die zur Vorbereitung des Streiks an vielen Werkstoren gezeigt wurden, den Arbeitskampf, dem sich auch die IG Druck angeschlossen hatte, von Anfang bis Ende, von Baden-Württemberg über Hessen bis nach Nordrhein-Westfalen begleitet. Sein Ergebnis: Ab 1985 wurde in der Metall- und Druckindustrie die 38,5 Stundenwoche Bestandteil der Tarifverträge. Die Metaller hatten dafür 7 Wochen, die KollegInnen in der Druckindustrie 12 Wochen gestreikt. Ab 1995 galt dann die 35 Stundenwoche in der Druck-, Metall- und Elektroindustrie – allerdings nur in Westdeutschland. Im Osten müssen die KollegInnen in beiden Bereichen 38 Stunden arbeiten.  

Seit Mitte der 90er Jahre ist die Wochenarbeitszeit allerdings in vielen Bereichen - meist unter dem Stichwort „Rücknahme der Arbeitszeitverkürzung“ - teilweise wieder deutlich ansteigend und die Zahl der Arbeitslosen und Hartz IV-Abhängigen auch. Arbeitszeitverlängerrungen ohne Lohnausgleich auf 39 bis 40 Stunden in der Woche gab es seither z.B. bei der Deutsche Bahn AG, der Telekom, im Öffentlichen Dienst und im Baugewerbe.

Es wird also Zeit, dass sich – angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen – Gewerkschaften und die Beschäftigten in den Betrieben – auch wenn sie keine Gewerkschaftsmitglieder sind – an den Erfolg des Arbeitskampfes von 1984 erinnern, entsprechend handeln und wieder auf die Straße gehen. (PK)
 
Autoren: Waltraud Bierwirth und Dieter Oeckl
Auftraggeber: IG Metall
Produktionsjahr: 1984
Länge: 84 min
    
Kamera: Helmut Blanke, Rainer Komers und Dieter Oeckl
Ton: Roland Gröncke, Peter Kleinert, Sigried Sünkler
Schnitt: Hanne Huxoll

Den ganzen Film können Sie bei www.kaos-archiv.de bestellen.
      
      

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Online-Flyer Nr. 234  vom 11. Dezember 2017



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