NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2017  

zurück  

Filmclips
Gigi Campi
Von Peter Kleinert



Gigi CampiSein Vater war sozialistischer Bürgermeister einer norditalienischen Industriestadt. Eines Morgens empfingen ihn die Faschisten in seinem Büro und - so Campi - "stülpten ihm eine Remington-Schreibmaschine über den Kopf". Deshalb wurde Pierluigi (Gigi) am 15. Dezember 1928 in Köln geboren.
 
Im Hitler-Faschismus zog er als Schüler eines Tages eine HJ-Uniform an, um nicht länger diskriminiert zu werden. Deshalb schickte ihn sein Vater zurück nach Italien, wo er in einer Resistenz-Republik weiter zur Schule ging und seine ersten Louis Armstrong- und Duke Ellington-Platten hörte. So wurde er - nach der Befreiung nach Köln zurückgekehrt - Organisator von Jazzveranstaltungen, Architekt und Restaurant-Besitzer. Zwischen 1949 und 1980 betrieb er, zunächst mit seiner Mutter und seiner Schwester, auf der Hohe Straße ein Eiscafé, das er - unter anderem durch die Auswahl der dort gespielten Jazzmusik - zum Treffpunkt internationaler Prominenz machen konnte. Dort trafen sich unter anderen Beniamino Gigli, Juliette Greco, Luise Rinser, Heinrich Böll, Ingeborg Drews, Joseph Beuys, Karlheinz Stockhausen oder Maria Callas, aber auch Jazzmusiker.
 
Gemeinsam mit Alfred Biolek und Juniorpartnern mietete Campi 1983 den alten Wartesaal unter dem Kölner Hauptbahnhof von der Deutschen Bundesbahn. Nach aufwändiger Restaurierung der Räume durch ihn finden dort Konzert-, Fernseh- und Tanzveranstaltungen statt. Ebenfalls nach den Plänen Campis wurde 1997 die ehemalige Kantine des WDR-Funkhauses am Wallrafplatz umgebaut, die seitdem von der Familie Campi als Bistro bewirtschaftet wird.
 
Gigi Campi ("Die Tränen aller Kinder schmecken salzig.") liebt „dieses Land“ wie Italien. Trotzdem ist er beunruhigt „über Leute, die inzwischen Molotow-Cocktails auf Menschen mit anderer Hautfarbe werfen - "unter dem Beifall von den Balkons" - und darüber, daß man den Menschen in der DDR, "die mit dem Ruf "Wir sind das Volk!" auf die Straße gingen, am Ende die Selbstbestimmung verweigert hat."
 
Autoren: Peter Kleinert und Marianne Tralau, Auftraggeber: KANAL 4, Produktionsjahr: 1992, 14 min., Kamera: Rainer Kling, Ton: Dorothee Plaß, Grafik: Stephan Thonett, Schnitt: Peter Kleinert, Produktionsleitung: Peter Kleinert
 
Der Film wurde in der fünfteiligen KANAL 4-Serie "Fremd oder was?" gesendet. Mehr Infos unter http://www.kaos-archiv.de/ Rubrik Projekte. (PK)

 
 
 
  

Clip downloaden (mit Rechtsklick - "Ziel speichern unter...")

Online-Flyer Nr. 222  vom 11. Dezember 2017



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FOTOGALERIE