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Aktueller Online-Flyer vom 02. Dezember 2020  

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Lokales
Tausend bei Tanzdemo für autonomes Zentrum mit Tanzfläche in Köln
„Kampagne Pyranha“
Von Peter Kleinert

Etwa tausend Menschen demonstrierten am Samstag in Köln "Für ein autonomes Zentrum mit Tanzfläche". Nach einer längeren Auftaktkundgebung mit einigen hundert TeilnehmerInnen ab 16 Uhr vor dem Kölner Hauptbahnhof tanzten sie – begleitet von zwei Wagen mit Soundsystemen – in ausgelassener Stimmung durch die Innenstadt und animierten immer mehr Leute zum Mitmachen.

„In Köln fehlt ein Raum für unterschiedlichste nichtkommerzielle Veranstaltung wie Parties, Konzerte, Volxküche, Film- und Infoveranstaltungen, größere Vernetzungstreffen, Convergence Center (Ort des Zusammenkommens), Kunst und linke Politik“, hieß es in einem Aufruf, dem zum Treffpunkt am Hauptbahnhof schon einige hundert Leute gefolgt waren. Sie wollen versuchen, ein selbst verwaltetes Zentrum für solche Veranstaltungen zu schaffen.

„Bandschutzrechtliche Mängel“?

Die ehemalige Schnapsfabrik an der Neuerburgstraße in Köln-Kalk, in der solche Ereignisse zumindest teilweise stattfinden konnten, war im Januar durch das städtische Bauaufsichtsamt acht Monate nach ihrer Eröffnung aufgrund einer oberflächlichen Begutachtung durch das Bauordnungsamt wegen angeblich „brandschutzrechtlicher Mängel“ wieder geschlossen worden (s. www.schnapsfabrik.net). Während des Anti-Islamisierungs-Kongresses hatten in dem Gebäude zahlreiche Demonstrationsteilnehmer aus anderen Städten Unterkunft gefunden.


Pyranhas in der m Kölner Innenstadt | Quelle: www.pyranha.blogsport.de

„Dies nehmen wir zum Anlass, den Kampf um ein Zentrum wieder aufleben zu lassen: Wir lassen uns unsere Räume nicht nehmen!“ erklärte ein Sprecher der “Kampagne Pyranha“, zu der verschiedene autonome und linke Gruppen, darunter auch die Sozialistische Selbsthilfe Köln (SSK) am Salierring, Tage zuvor im Internet und mit Transparenten aufgerufen hatten (s. http://pyranha.blogsport.de/).

Polizei stoppt spontane Party

Trotz Wut im Bauch über das Vorgehen der Stadt gegen selbst bestimmte Räume für Kultur & Politik verlief die Tanzkundgebung friedlich, wurde nur ein wenig durch das Verhalten der eingesetzten Polizei getrübt. Die BeamtInnen schienen nicht in der Lage, die in einer Vorbesprechung getroffenen Vereinbarungen auch in die Tat umzusetzen, was z.B. dazu führte, dass eine Zwischenkundgebung nicht an dem dafür angemeldeten Pastor-Könn-Platz durchgeführt werden konnte. Die Polizisten waren angeblich nicht in der Lage, die Poller in der Einfahrt zu entfernen.

Doch die Demo-TeilnehmerInnen ließen sich die gute Stimmung dadurch nicht verderben und zogen tanzend durch die stark belebten Einkaufsstraßen. Nach mehr als vier Stunden endete der Aufzug am Friesenplatz. Dort, in der Zwischenebene der U-Bahnstation, entwickelte sich eine spontane Party, die jedoch nach einiger Zeit den Unmut der eingesetzten Einsatzhundertschaften auf sich zog und abgebrochen werden musste. Also ließen die DemonstrantInnen den Abend mit einer gelungenen Soliparty mit DJ Janua im nahe gelegenen Stadtgarten-Restaurant ausklingen. Es spielten One Drop Left und Nastja & der Tamburan.

„Weitermachen!“

"Wir sind mit dem Auftakt unserer Kampagne sehr zufrieden und fühlen uns
in unseren Forderungen nach einem selbst verwalteten und nichtkommerziellen Zentrum für Kultur, Kunst und Politik bestätigt. Auch von den zahlreichen PassantInnen bekamen wir ein sehr positives Feedback. Nach dem erfolgreichen Auftakt gehen wir damit gestärkt und voller Zuversicht in die nächsten Wochen und Monate. Solange wir kein geeignetes Ersatzgebäude für die Schnapsfabrik gefunden haben, werden wir jedenfalls keine Ruhe geben", sagte eine Sprecherin der Kampagne im Anschluss an die Demonstration.

Ein weiteres Kampagnentreffen findet am 15. Februar, 18 Uhr, in der Alten Feuerwache, Melchiorstr. 3, 50670 Köln (S-Bahn Hansaring), statt. (PK)

Rückfragen unter 0178 8862613 oder pyranha@riseup.net. Weitere Informationen finden Sie auf www.schnapsfabrik.net & www.pyranha.blogsport.de

Online-Flyer Nr. 183  vom 04.02.2009



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