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Kultur und Wissen
Eifelslider Vollbach und Autor Liebold schmieden Musik-Literatur-Projekt
Literatur bekommt den Blues
Von Michael Recknagel
„Irgendwie passen die beiden total gut zusammen!“ erklärt eine begeisterte Zuschauerin, und im ersten Augenblick möchte man das gar nicht denken: Bernd Vollbach, ein grau melierter Lockenkopf von 47 Jahren, mit glatt rasiertem Charaktergesicht. Liebold gerade 31 mit bis auf die Kopfhaut geschorenem Haupthaar, dafür Vollbart und Intellektuellen-Brille; der eine leidenschaftlicher Bluesmusiker, der andere kritischer Romancier.

Gegensätze?! Lockenköpfiger Vollblutmusiker und glatzköpfig-bärtiger Intellektueller | Foto: Meike Göber
Aber spätestens, wenn man das Grinsen der beiden sieht, weiß man, was die Frau meinte. Und man weiß es noch viel mehr, wenn die Show beginnt. Es ist zugleich freudig-spielerische Improvisation und minutiös aufeinander abgestimmtes Set: Liebold liest mit seiner bekannten Gesichts und Stimm-Akrobatik: beispielsweise von einem Eindringling, der seine Waffe hebt und Peng! lässt Vollbach die Saiten knallen. Die Songs zwischen den Textpassagen passen zum Inhalt, ironisieren ihn subtil und mit wohl dosiertem Augenzwinkern. Und noch beeindruckender ist, wenn der junge Autor liest und sich plötzlich Gitarrenklänge subtil darunter legen, Text und Musik sich finden und eine Liason eingehen, die in der Tat dem Hörer eine Gänsehaut den Rücken entlang schicken.
In der Aufführung fanden sich eine ganze Anzahl ähnlicher Stellen, wie ein heiterer Ragtime, den Vollbach unter die süffisant grinsend vorgebrachte Hommage an guten Whisky legte. Auf das Stichwort „im tosenden Sturm da draußen schien eine verwehte, einsame Weise zu klingen“ lehnte Liebold sich zurück, und der Eifelslider brachte einen saftig vorgetragenen Song aus der Prohibitions-Zeit, Glitt in rein Instrumentales zurück, während der Autor nahtlos weiterlas: eine heitere Szene voll Lebensfreude, die das Publikum zum Schmunzeln anregte.

Nicht nur Akrobat des geschrieben-
en Worts: Liebold glänzt durch un-
gewöhnlich lebendige Vortragskunst
Foto: Katharina Theine
Im völligen Gegensatz dazu steht wiederum ein Wutausbruch des Butlers in Liebolds Erzählung, den man nur krass nennen kann: Einer Gruppe von Bonzen, die sich in einer alten Villa zu einem „Krimispiel“ eingefunden haben wird mit brutaler Deutlichkeit der Wahnsinn und das Kranke des Systems um die Ohren gehauen: die Gaspreiserhöhung, die Bankenkrise, Schmiergeldaffären und die Idiotie von „Afghanistan-Einsätzen“.
„Die Szene nenne ich das Butler-Tourette“, grinst Vollbach. Er unterlegt den aus der Haut fahrenden Butler mit feinsinnig gezupftem von zynischer Heiterkeit geprägtem Melodienspiel. Die Zuhörer waren zwischen Betroffenheit und lauten Lachern hin und her gerissen. Aber nicht nur das Publikum, auch die beiden Künstler auf der Bühne hatten sichtlich Spaß. Hier sind ganz klar zwei alte Bühnenhasen am Werk, die ihre eigene Show ironisch brechen und mit sicherer Hand unheimliche Stimmungen ebenso wie herzhafte Lacher erzeugen können.
Die Beiden berichten gern, wie es zu der Idee der gemeinsamen Auftritte gekommen ist: „Dä leeve Jung hät op d’r Rheinlese neve mir jesesse“ erzählt Vollbach in deutlich vernehmbarem Kölsch, „un do simma ins Jespräsch jekumme...“ – „Zwei Tage später hatte ich einen Auftritt im Café Podcast. Bernd kam mit einer Wagenladung Gitarrenkoffer vorbei, wir setzten uns auf die Bühne und haben improvisiert. Das hat gepasst! Der Rest ging schnell.“

Zu Späßen aufgelegter Eifelslider und Literat aus dem Siebengebirge
Foto: Meike Göber
Eigentlich wollten Liebold und Vollbach erst am 24. Oktober mit ihrem Porgramm Premiere feiern, aber Barbara Krause, die Geschäftsführerin des Biorestaurants „Zur Glocke“, dachte das Hennefer Kneipenfest für etwas Besonderes zu nutzen. „Ziemlich gewagt“, meinte Liebold vor Beginn der Vorstellung, „an einem Kneipenfest einen Literaturabend zu machen. Die anderen machen Ballermann-Wettsaufen und Weißbierabend.“ Aber danach strahlt er. „Es war ein toller Abend! Die Räume sind phantastisch für so etwas, das Publikum war klasse!“
Bernd fügt grinsend hinzu: „Und das Essen ist göttlich...“ Ich bin neugierig und hungrig, bestelle selbst etwas und stelle Fragen nach der Story, denn der Abend war nicht nur Premiere für das Musik-Literatur Duo Vollbach und Liebold, sondern zugleich auch für Liebolds vierten Kriminalroman mit dem sinnigen Titel „Krimifrass“, der zugleich der dritte Siebengebirgskrimi ist, beziehungsweise Vorpremiere: Der Roman erscheint diese Woche.

Vollbach mit seinem Schätzchen, einer handgearbeiteten „Dobro Weissenborn“ Resonator-Gitarre | Foto: Meike Göber
„Auf der Margarethenhöhe wird ein besonderes Krimidinner veranstaltet“, fasst Liebold die Handlung des Romans zusammen. „Nur für die oberen Zehntausend und mit unglaublichem Aufwand, um die perfekte Stimmung zu garantieren. Das ganze im Stil von Wallace und Christie, samt Butler, sturmumtoster Villa, Stromausfall und natürlich feinstem Gaumenkitzel. Auch die Leichen fehlen nicht. Aber das Spiel kippt natürlich bald, und Angst macht sich unter den Bonzen breit: Man weiß nicht mehr, was Spiel und was Wirklichkeit ist. Wurde der Schädel des Generals mit dem Vorschlaghammer zertrümmert? Und es zeigt sich immer deutlicher, dass hier ein perfider Plan umgesetzt wird.“
Liebold lächelt. „Mehr kann ich nicht verraten, auch wenn das reißerisch klingt. Der Held ist ein kleiner Lokalberichterstatter, na ja, und wer mich kennt, dürfte sich an einem Finger abrechnen können, dass es mehr ist als eine Räuberpistole.“ Ich frage: „Politisch?“ Und Vollbach grinst nur süffisant zurück: „I wo!“ und lacht. (CH)
Der neue Roman erscheint am 23. Oktober:
Norman Liebold
„Krimifrass. Ein Siebengebirgskrimi.“
Königswinter 2008.
ISBN 978-3-937330-28-0
Online-Flyer Nr. 169 vom 22.10.2008
Druckversion
Kultur und Wissen
Eifelslider Vollbach und Autor Liebold schmieden Musik-Literatur-Projekt
Literatur bekommt den Blues
Von Michael Recknagel
„Irgendwie passen die beiden total gut zusammen!“ erklärt eine begeisterte Zuschauerin, und im ersten Augenblick möchte man das gar nicht denken: Bernd Vollbach, ein grau melierter Lockenkopf von 47 Jahren, mit glatt rasiertem Charaktergesicht. Liebold gerade 31 mit bis auf die Kopfhaut geschorenem Haupthaar, dafür Vollbart und Intellektuellen-Brille; der eine leidenschaftlicher Bluesmusiker, der andere kritischer Romancier.

Gegensätze?! Lockenköpfiger Vollblutmusiker und glatzköpfig-bärtiger Intellektueller | Foto: Meike Göber
Aber spätestens, wenn man das Grinsen der beiden sieht, weiß man, was die Frau meinte. Und man weiß es noch viel mehr, wenn die Show beginnt. Es ist zugleich freudig-spielerische Improvisation und minutiös aufeinander abgestimmtes Set: Liebold liest mit seiner bekannten Gesichts und Stimm-Akrobatik: beispielsweise von einem Eindringling, der seine Waffe hebt und Peng! lässt Vollbach die Saiten knallen. Die Songs zwischen den Textpassagen passen zum Inhalt, ironisieren ihn subtil und mit wohl dosiertem Augenzwinkern. Und noch beeindruckender ist, wenn der junge Autor liest und sich plötzlich Gitarrenklänge subtil darunter legen, Text und Musik sich finden und eine Liason eingehen, die in der Tat dem Hörer eine Gänsehaut den Rücken entlang schicken.
In der Aufführung fanden sich eine ganze Anzahl ähnlicher Stellen, wie ein heiterer Ragtime, den Vollbach unter die süffisant grinsend vorgebrachte Hommage an guten Whisky legte. Auf das Stichwort „im tosenden Sturm da draußen schien eine verwehte, einsame Weise zu klingen“ lehnte Liebold sich zurück, und der Eifelslider brachte einen saftig vorgetragenen Song aus der Prohibitions-Zeit, Glitt in rein Instrumentales zurück, während der Autor nahtlos weiterlas: eine heitere Szene voll Lebensfreude, die das Publikum zum Schmunzeln anregte.

Nicht nur Akrobat des geschrieben-
en Worts: Liebold glänzt durch un-
gewöhnlich lebendige Vortragskunst
Foto: Katharina Theine
„Die Szene nenne ich das Butler-Tourette“, grinst Vollbach. Er unterlegt den aus der Haut fahrenden Butler mit feinsinnig gezupftem von zynischer Heiterkeit geprägtem Melodienspiel. Die Zuhörer waren zwischen Betroffenheit und lauten Lachern hin und her gerissen. Aber nicht nur das Publikum, auch die beiden Künstler auf der Bühne hatten sichtlich Spaß. Hier sind ganz klar zwei alte Bühnenhasen am Werk, die ihre eigene Show ironisch brechen und mit sicherer Hand unheimliche Stimmungen ebenso wie herzhafte Lacher erzeugen können.
Die Beiden berichten gern, wie es zu der Idee der gemeinsamen Auftritte gekommen ist: „Dä leeve Jung hät op d’r Rheinlese neve mir jesesse“ erzählt Vollbach in deutlich vernehmbarem Kölsch, „un do simma ins Jespräsch jekumme...“ – „Zwei Tage später hatte ich einen Auftritt im Café Podcast. Bernd kam mit einer Wagenladung Gitarrenkoffer vorbei, wir setzten uns auf die Bühne und haben improvisiert. Das hat gepasst! Der Rest ging schnell.“

Zu Späßen aufgelegter Eifelslider und Literat aus dem Siebengebirge
Foto: Meike Göber
Eigentlich wollten Liebold und Vollbach erst am 24. Oktober mit ihrem Porgramm Premiere feiern, aber Barbara Krause, die Geschäftsführerin des Biorestaurants „Zur Glocke“, dachte das Hennefer Kneipenfest für etwas Besonderes zu nutzen. „Ziemlich gewagt“, meinte Liebold vor Beginn der Vorstellung, „an einem Kneipenfest einen Literaturabend zu machen. Die anderen machen Ballermann-Wettsaufen und Weißbierabend.“ Aber danach strahlt er. „Es war ein toller Abend! Die Räume sind phantastisch für so etwas, das Publikum war klasse!“
Bernd fügt grinsend hinzu: „Und das Essen ist göttlich...“ Ich bin neugierig und hungrig, bestelle selbst etwas und stelle Fragen nach der Story, denn der Abend war nicht nur Premiere für das Musik-Literatur Duo Vollbach und Liebold, sondern zugleich auch für Liebolds vierten Kriminalroman mit dem sinnigen Titel „Krimifrass“, der zugleich der dritte Siebengebirgskrimi ist, beziehungsweise Vorpremiere: Der Roman erscheint diese Woche.

Vollbach mit seinem Schätzchen, einer handgearbeiteten „Dobro Weissenborn“ Resonator-Gitarre | Foto: Meike Göber
„Auf der Margarethenhöhe wird ein besonderes Krimidinner veranstaltet“, fasst Liebold die Handlung des Romans zusammen. „Nur für die oberen Zehntausend und mit unglaublichem Aufwand, um die perfekte Stimmung zu garantieren. Das ganze im Stil von Wallace und Christie, samt Butler, sturmumtoster Villa, Stromausfall und natürlich feinstem Gaumenkitzel. Auch die Leichen fehlen nicht. Aber das Spiel kippt natürlich bald, und Angst macht sich unter den Bonzen breit: Man weiß nicht mehr, was Spiel und was Wirklichkeit ist. Wurde der Schädel des Generals mit dem Vorschlaghammer zertrümmert? Und es zeigt sich immer deutlicher, dass hier ein perfider Plan umgesetzt wird.“
Liebold lächelt. „Mehr kann ich nicht verraten, auch wenn das reißerisch klingt. Der Held ist ein kleiner Lokalberichterstatter, na ja, und wer mich kennt, dürfte sich an einem Finger abrechnen können, dass es mehr ist als eine Räuberpistole.“ Ich frage: „Politisch?“ Und Vollbach grinst nur süffisant zurück: „I wo!“ und lacht. (CH)
Der neue Roman erscheint am 23. Oktober:
Norman Liebold
„Krimifrass. Ein Siebengebirgskrimi.“
Königswinter 2008.
ISBN 978-3-937330-28-0
Online-Flyer Nr. 169 vom 22.10.2008
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