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Aktueller Online-Flyer vom 21. Juli 2018  

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Kultur und Wissen
Rastlos, kosmopolitisch und wissbegierig – die Jazzmusikerin Sabine Kühlich
„Vielseitigkeit, Spaß und Lust an Experimenten“
Von Uli Klinger

Ganz unspektakulär betrat sie meine Buchhandlung, stellte sich als die neue Nachbarin im Hinterhaus vor: eine nette junge Frau, Jeans, leger gekleidet. Neugierig betrachtete sie die Buchauslage und irgendwann fiel dann das Stichwort: „Beruflich bin ich als Jazzmusikerin unterwegs“. Jetzt war mein Interesse geweckt, einige Tage später hörte ich dann zum ersten Mal eine ihrer CDs – eine klare, volle, zuweilen rauchige Stimme. Vom Swing bis zum schwedischen Folksong im Jazzkontext reicht die Bandbreite des Albums „It could happen to you“. Titel von Porter bis Lennon/McCartney sind angesagt. Ich bin begeistert.

Dann erfahre ich von der geplanten Deutschlandtournee mit Sheila Jordan, der 78jährigen Jazzsängerin aus New York. Dann die Überraschung: Ein Konzert findet außerplanmäßig im Kölner „Stadtgarten“ statt. Natürlich muss ich hin!


sabine kuehlich
Sabine Kühlich in concert
Foto:
www.sabinekuehlich.com

Ein musikalischer Dialog der Generationen
Der Konzertsaal war überfüllt, Stühle müssen noch herangeschafft werden. Auf so einen Andrang war niemand gefasst. Sabine Kühlich, Stefan Michalke (Piano) und Stefan Werni (Bass) betreten die Bühne. Die ersten zwei, drei Stücke, und das Publikum ist begeistert. Dann erscheint die Altmeisterin: Sheila Jordan. Gezeichnet vom Alter, vorsichtig in ihren Bewegungen, dünn die Stimme, anfangs. Doch dann plötzlich ist auch sie da!
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Sheila Jordan                                         
Foto: www.sabinekuehlich.com
Freie Gesangsimprovisationen mit Sabine Kühlich, die Begleitmusiker greifen jeden Einfall auf. Ein Höhepunkt jagt den anderen, ein Fest für Ohren und Auge, ein musikalischer Dialog der Generationen. Beide Sängerinnen sind ein Genuss für sich, aber in diesem Zusammenspiel Weltklasse! Stehender Applaus vom Publikum. Nie werde ich diesen wunderschönen Abend vergessen.

Zu diesem Zeitpunkt träume ich noch von einem Konzert mit Sabine Kühlich in der Buchhandlung Klinger, natürlich in kleinerem Rahmen. Könnte das klappen? Inzwischen weiß ich etwas mehr über die Musikerin: Sie wurde am 1. Februar 1973 in Gera geboren. Ihr Vater spielte Klavier, im elterlichen Haus stand ein Flügel, mit dessen Klängen sie als Kind in den Schlaf gespielt wurde. Vom siebten bis zum fünfzehnten Lebensjahr nahm sie an der staatlichen Musikschule Klavierunterricht, dazu noch Gesang, Klarinette, Saxophon. In der Bigband der Musikschule war sie Leadsaxophonistin.

Nach dem Abitur studierte Kühlich in Würzburg Psychologie, doch die Liebe zur Musik blieb, wurde laufend „so nebenbei“ gepflegt und ausgebaut. Und schließlich wird diese Liebe Beruf, und in dieser Mission reiste die Thüringerin dann zu Arbeit und Studium nach Xanten, Aachen, Maastricht, Amsterdam, Bonn und Köln. In ihrem Masterstudium in New York traf sie auch Sheila Jordan. Die Songs ihrer zweiten CD „fly away“ wurden dort komponiert und anschließend im Loft-Studio in Köln-Ehrenfeld eingespielt. Die CD erschien 2006 bei „Acoustic-Music“ – zehn der fünfzehn Songs sind von der Kölner Jazzmusikerin selbst komponiert und getextet.

Und so fand im Sommer 2005 Sabine Kühlich ihren Lebensmittelpunkt dann auch in Bickendorf, in einem Hof im alten Dorfkern des Kölner Stadtteils – sofern ausgedehnte Tourneen und ihre Dozententätigkeit an der Hoogeschool voor de Kunsten in Maastricht solch ein Zentrum überhaupt zulassen.

„Plan B“ – ein Traum wird wahr

sabine kühlich
„Das will ich weitergeben..."                               
Foto: www.sabinekuehlich.com
Sagte ich, „ich träume von einem Konzert mit Sabine Kühlich in der Buchhandlung Klinger?“ – das fand dann schließlich im Mai diesen Jahres statt. Die Bickendorfer Buchhandlung war bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt. Kühlich sang und spielte Saxophon, begleitet von Uwe Arenz, der Gitarre um Gitarre auspackte. „Plan B“ war die Konzertreihe, mit Stücken von Beatles über Blues bis Bossa Nova, überschrieben. Auch hier springt der Funke sofort über, das Publikum war begeistert. Sabine erzählt, singt, erklärt die Texte, zieht das Publikum mit in das Geschehen ein: ein Abend wie ein Geschenk – für alle. Gegen 22.30 verklang der letzte Ton und auch Monika Blankenberg vom Freien Lokalrundfunk FLoK konnte noch ein Interview führen.


Erschöpft, aber glücklich und dankbar über diesen gelungenen Abend, fragte ich mich: „Wie sagte Sabine Kühlich noch, als ich sie nach ihrem ‚Geheimnis’ fragte, nach der Antriebsfeder für ihre Kunst Können: ‚Vielseitigkeit, Spaß und Lust an Experimenten. Auf  der Grundlage einer soliden, fundierten musikalischen Ausbildung. Das will ich weitergeben. Deshalb unterrichte ich auch hier in Bickendorf Musik auf privater Basis.“

2 generations of singers
                                                  
Und ich? Ich habe die Hoffnung, dass es weitere Konzerte gibt: Vielleicht mit ihrem Lebenspartner und Pianisten Stefan Michalke.
Wer so lange nicht warten möchte, kann sich die inzwischen erschienen CD des sagenhaften Konzerts im Stadtgarten kaufen: „Two Generations of Singers“, ein Hörgenuss.

Weitere Informationen gibt es auf www.sabinekuehlich.com. (CH)



Ulrich Klinger sucht für Sie Literatur – manchmal aber auch Musik – aus, aber immer vor Ort.






Online-Flyer Nr. 122  vom 21.11.2007

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Von Kostas Koufogiorgos
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