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Aktueller Online-Flyer vom 21. April 2021  

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Wirtschaft und Umwelt
Umweltmedizin – in der Regie der Umweltverschmutzer?
Mobilfunkindustrie schult Ärzte
Von Karl Hecht, Markus Kern, Karl Richter und H.C. Scheiner

Im Rahmen seines Projekts „Mobilfunk und Gesundheit“ informiert das Informationszentrum der Mobilfunkindustrie (IZMF) Eltern, Lehrer und Ärzte über Leistung und gesundheitliche Verträglichkeit der vertriebenen Techniken (www.izmf.de). Doch wie verlässlich ist solche Aufklärung in der Regie einer Industrie, die für die skrupellose Verfolgung ihrer Profitinteressen bekannt ist – bis hin zur Missachtung der eingegangenen Selbstverpflichtung?


Das Projekt „Mobilfunk und Gesundheit“ des IZMF…
 
Ein Blick in die angebotenen Broschüren rechtfertigt schnell jede Skepsis. Was da Eltern, Lehrern und Ärzten gesagt wird, lädt zu ausgiebiger Nutzung der angebotenen Techniken ein – und dementiert alle störenden Risiken, die einer industrieunabhängigen Forschung bekannt sind. Aus Mitschriften wissen wir, dass dies auch das Grundmuster von Ärzteschulungen ist, die das IZMF mit Wissenschaftlern und Ärzten ihres Vertrauens organisiert. Umweltmedizin in der Regie der Umweltverschmutzer: Ist das das Ergebnis des politischen Lernprozesses aus Klimakatastrophe und unbezahlbaren Verlusten?
   
…vergleichbar dem Projekt „Rauchen und Gesundheit“
 
Eben erst wurde auch die tatkräftige Mitgestaltung des Umwelt- und Verbraucherschutzes durch die Tabakkonzerne demaskiert. Jahrzehnte hindurch wurden in Deutschland Wissenschaft, Medizin und Gesundheitspolitik in größtem Stil für ein Projekt „Rauchen und Gesundheit“ gekauft, das dem Bekanntwerden der Risiken entgegenwirken sollte (T. Grüning und N. Schönfeld: „Tabakindustrie und Ärzte: Vom Teufel bezahlt . . .“, Dt. Ärzteblatt 12/104, 2007). Sind die bis ins Detail reichenden Parallelen der ausgefeilten Strategien, Wissenschaft, Medizin und Politik finanziell zu unterwandern, eine Empfehlung für das analoge Projekt „Mobilfunk und Gesundheit“? Nicht Mitmachen sehen wir als das Gebot der Stunde, sondern die Besinnung auf einen berufsethischen Kodex, der das Mitmachen begrenzt und die Widerstandsbereitschaft fordert.


Mobilfunkmast – hiervon geht die Strahlung aus
Foto: Siggibau/pixelio.de
 
Selbst Laien wissen heute von der langen Vorbereitungszeit chronischer Erkrankungen. Es verwundert also nicht, wenn die Langzeitforschungen von Prof. Karl Hecht ergeben haben, dass auch die chronischen Erkrankungen durch elektromagnetische Wirkungen erst ab einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren drastisch zunehmen. Wer dies – samt sieben Jahrzehnten unabhängiger Forschung – ignoriert, um Studien mit einer Laufzeit von drei Jahren in eine Botschaft der Harmlosigkeit umzumünzen, bezeugt nicht Wissenschaftlichkeit, sondern industriegefällige Instrumentalisierung.
 
Auch der Staat als Mitmacher
 
Was vom IZMF als Projekt „Mobilfunk und Gesundheit“ angepriesen wird, erscheint aus der Sicht einer industrieunabhängigen Forschung als Verschleierung systematischer Förderung von Krankheit. Die Urheber dieses Systems sitzen nicht nur in den Konzernen. Es ist auch das Ergebnis einer verfassungswidrigen Verstrickung des Staates in die Geschäfte der Industrie und einer noch fragwürdigeren Verquickung von politischer und finanzieller Macht – auf Kosten der Bürger. Aber es ist entscheidend auch ein Werk der Mitmacher und Handlanger in allen Bereichen der Gesellschaft.


Immer für „seine" Bürger erreichbar: Düsseldorfs OB Erwin
Foto: Dietmar Meinert/pixelio.de

Wie Friedrich Dürrenmatt in seinem Drama „Der Mitmacher“ demonstriert, zerstört die Allgegenwart dieses zeitgenössischen Typus unsere Demokratie. Und wie die „Leitlinie zur Schöpfungsverantwortung“ des Erzbischofs von Salzburg zeigt, haben sowohl die Mitmacher als auch ihre industriellen und staatlichen Auftraggeber noch immer nicht begriffen, dass ein gesunder, menschenwürdiger und längerfristig auch wirtschaftlich erfolgreicher Fortschritt mehr denn je davon abhängt, dass sich die Gegenwart den Forderungen einer zeitgemäßen Schöpfungsverantwortung und Sozialethik stellt:
 
„Die Belastung durch elektromagnetische Wellen wird zunehmend als gesundheitsbeeinträchtigender Faktor erkannt. In aktuellen Grenzwerten wird jedoch nicht auf Langzeitauswirkungen und besondere Sensibilitätsfaktoren (Alter, Krankheiten, angeborene und erworbene Sensibilität) eingegangen. Die katholische Kirche versteht sich als Anwalt der Schwächeren (in diesem Fall vor allem von Kindern, Alten und Kranken) und will sowohl durch Bewusstseinsbildung als auch durch konkrete Entscheidungen in ihren Einflussbereichen zum Schutz dieser Personengruppen eintreten. Für die Erzdiözese heißt das, dass Strahlenbelastungen vermieden bzw. reduziert werden“ (Verordnungsblatt der Erzdiözese Salzburg, Sonderausgabe 1/2, Januar 2007, S. 14)
 
Für eine öffentliche Diskussion
 
Da wir die Frage „Umweltmedizin – in der Regie der Umweltverschmutzer?“ mehr denn je als Frage von aktuellem und öffentlichem Interesse sehen, da auch zu viel unter Ausschluss der Öffentlichkeit geregelt wird, will die „Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie“ die öffentliche Diskussion zum Thema auf folgenden Wegen fördern:

    Wir regen eine öffentliche Podiumsdiskussion mit den aktiv an den        
    IZMF-Schulungen Beteiligten an. (In diesem Sinne gibt es bereits einige
    Offene Briefe auf unserer Homepage).

    Wir bitten gesinnungsverwandte Teilnehmer solcher Schulungen um die         Weitergabe dieser Stellungnahme an Kollegen/innen, am besten auch am     jeweiligen Ort der Schulungen.

    Interessierte Bürger/innen sollten den Text den Ärzten ihres Vertrauens         geben.

    Politiker aller Parteien bitten wir um Stellungnahmen, damit wir mit den         verbliebenen Rechten als Wähler und Verbraucher wenigstens wissen,         woran wir sind.

    Schließlich verstehen wir diese Information auch als Pressemitteilung, die     beliebig genutzt und weiterverbreitet werden kann.



Schon die Jüngsten strahlen
Foto: Hilde Vogtländer/pixelio.de
          
Alternativen der Information
 
Wir weisen unter anderem auf folgende Standardwerke der Information hin, die über Erkenntnisse von Ärzten und Wissenschaftlern informieren, die verlässlich nicht von der Mobilfunkindustrie bezahlt werden und wurden:

Grasberger, Th., u. Kotteder, F.: Mobilfunk.
Ein Freilandversuch am Menschen, München 2003

Marken, M.: Machen Handys und ihre Sender krank?
2003, Runge, M., Sommer, F. und Oberfeld, G.: Mobilfunk, Gesundheit und die Politik, Münster 2006

Scheiner, H.-Chr. u. A.: Mobilfunk – die verkaufte Gesundheit
Peiting 2006

Waldmann-Selsam, C. und Ärzteinitiative Bamberger Appell: Dokumentierte Gesundheitsschäden unter dem Einfluss hochfrequenter elektromagnetischer Felder
3. Aufl. 2005 (Bestelladresse: Carola Flieger, Krönersberg 12, 96120 Bischberg).

Eine Broschüre Mobilfunk-Einwirkungen auf die menschliche Gesundheit. Folgerungen und Forderungen aus ärztlicher Sicht aus der Feder der beiden bekannten Ärzte Dr. Wolf Bergmann und Dr. Horst Eger, herausgegeben von der „Kompetenzinitative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie“ und dem Verein zum Schutz der Bevölkerung vor Elektrosmog, ist in Kürze für ca. 5,- € plus Porto lieferbar
(Bestelladresse: bestellung@aerzte-broschuere.de).

           
Über Programm, Erstunterzeichner/innen und erste Arbeitsfelder der www.kompetenzinitiative.de Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie informiert die Website.
 
Die Autoren:

    Dr. med. Karl Hecht, Universitätsprof. i. R., Neurophysiologe u. Arzt,             Büxensteinallee 24,
    12527 Berlin – Grünau

    Dr. med. Markus Kern, Facharzt für Psycho-somatische Medizin, Beim         Flosserhäusle 8
    87439 Kempten

    Dr. Karl Richter, Universitätsprof. i. R., Literatur und interdisziplinäre             Kultur, Preußenstr. 11
    66386 St. Ingbert

    Dr. med. H.Chr. Scheiner, Arzt für Allgemein- und Umweltmedizin,                 Franz-Wüllner-Str. 39
    81247 München


Online-Flyer Nr. 100  vom 20.06.2007



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