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Lokales
Stadt-Anzeiger empfiehlt "personelle Konsequenzen" bei der Stadt Köln
Und die Messe-Investoren?
Von Peter Kleinert

Na also. Nachdem wir sie in der letzten NRhZ-Glosse ein bisschen ermutigt hatten, haben die Stadt-Anzeiger-Kollegen den großen Sprung nach vorn gemacht. Im Leitartikel empfiehlt Andreas Damm OB Schramma und Kämmerer Soénius, über "personelle Konsequenzen" aus der tags zuvor offiziell veröffentlichten Rüge der EU-Kommission nachzudenken. Die beiden im Rathaus Hauptverantwortlichen für den Messeskandal sind nicht mehr zu halten, scheint man nun auch in Alfred Neven DuMonts Glaspalast zu denken. Doch dann folgen drei Sprünge zurück:
"Der Sender (RTL) stand im Jahr 2003 kurz vor der Entscheidung, in das benachbarte Hürth zu ziehen. Hektisch traf die Stadtspitze mit RTL die Vereinbarung, die Rheinhallen auf dem Messegelände mit Hilfe der Stadtsparkasse als neue Sendezentrale herzurichten. Die Messe brauchte Ersatz. Daher rührte die Eile, deshalb wohl verzichtete man auf Verhandlungen mit weiteren Investoren." - Also alles zwar rechtswidrig, doch, wie Schramma behauptet: Die  Stadt sollte ja "bestens bedient" werden.

Alfred Neven auf der Beerdigung von Bankier Oppenheim
Alfred Neven auf der Beerdigung von Bankier Oppenheim
Foto: Arbeiterfotografie

Musste wirklich nur wegen RTL so eilig und darum ohne Ausschreibung zugunsten des Oppenheim-Esch-Fonds entschieden werden, den der Kollege Damm auf einmal nur noch "Esch-Fonds" nennt - hat doch die Familie seines Verlegers dort im Zusammenhang mit der KölnArena gewinnbringend investiert und pflegt beste Kontakte zur Familie Oppenheim? Oder war die Entscheidung für die Investoren des Oppenheim-Esch-Fonds auch ein Stückchen Wiedergutmachung, weil die Stadt 2002 in Streit mit der UNESCO geriet und ihre aberwitzigen Deutzer Hochhauspläne zugunsten des "Weltkulturerbes Dom" am Ende aufgeben musste?


Karikatur: Kostas Koufogiorgos
www.koufogiorgos.de

Wie dem auch sei. Schramma und Soénius sollen über "Konsequenzen" nachdenken. Auf die Idee, dass dies auch für Oppenheim-Esch und dessen millionenschwere Investoren gelten müsste, kommt man im Hause DuMont natürlich nicht. Und den Bericht, dass genau das am Tag davor von "BürgerInnen gegen Oppenheim-Esch" und GgS-Ratsmitglied Claus Ludwig auf einer Demonstration vor der Oppenheim-Bank öffentlich gefordert wurde, sucht man im Stadt-Anzeiger auch vergeblich. Fonds-Anleger und Oppenheim-Bank sollen ihre Gewinne zugunsten von Armen, Arbeitslosen und Kindern an die geplünderte Stadtkasse zurückgeben? Das sieht man beim Stadt-Anzeiger anders: Sollte der Fonds mit der von der EU-Kommission geforderten Auflösung der rechtswidrigen Verträge "nicht einverstanden sein und die Verträge einseitig gekündigt werden, könnten die Anleger des Fonds auf Schadensersatz klagen". OB, Kämmerer und die meisten Ratsmitglieder haben es offenbar nicht anders gewollt.


Online-Flyer Nr. 66  vom 17.10.2006

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