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Globales
Die Bundeskanzlerin und - nicht nur - die SZ unterstützen weiter die Chaoten
Den Kollaps des Staates Syrien vermeiden!
Von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Washington hat durch gravierende Fehlentscheidungen den Syrien-Konflikt auf die Spitze getrieben, ohne eine politische Lösung zu ermöglichen. Durch die Mithilfe bei der unverantwortlichen Bewaffnung und Finanzierung unberechenbarer Aufständischer hat das Weiße Haus dem Terror in Syrien freie Bahn gelassen. Die Entführung von UN-Soldaten, um die Weltstaatengemeinschaft für weitere Bewaffnung zu erpressen, beweist in aller Grausamkeit die Skrupellosigkeit dieser kriminellen Elemente, mit denen die USA/EU verhandelt haben. Diese ungeheuerliche aus dem Ausland gesteuerte unmenschliche Situation war und ist sofort zu stoppen.
 

US-Außenminister John Kerry – laut SZ "kein
außenpolitisches Signal"
NRhZ-Archiv
In diesem Zusam-menhang ist es be- zeichnend, dass die Süddeutsche Zeitung trotzig auf die Ernennung von John Kerry als erstklassiger Außenminister in Washington reagierte. Dieselbe SZ-Redaktion, die ohne Hemmung eine weitere Bewaffnung der Rebellen in Syrien befürwortet, ließ in geschmacklosen unangebrachten Artikeln zur Ernennung von John Kerry als neuer Außenminister ihre Sympathien für die US-neokonservativen Kreise durchblicken. Ganz im Sinne der radikalen Bush-Linie wollte die SZ-Redaktion starrsinnig in der Ernennung Kerrys "kein außenpolitisches Signal" erkennen. Ein großer Irrtum, wie er sich am 26.2. in Berlin blamabel für Deutschland herausstellte. "Washington und Moskau wollen die Gewalt in Syrien gemeinsam und "so schnell wie möglich" beenden. Das ergab ein Telefonat von US-Präsident Barack Obama und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin Ende vergangener Woche.... Die Bildung einer Exilregierung der syrischen Aufständischen, die für das Wochenende 2/3. März in Istanbul angekündigt worden war, wurde unterdessen auf Anraten von US-Außenminister John Kerry abgesagt." (Aus dem Artikel: "Aufständische Spielen Demokratie" von Karin Leukefeld, Junge Welt vom 5.3.)
 
Eine große Persönlichkeit wie das profilierteste Schwergewicht der USA im außenpolitischen Bereich, der hoch professionelle Außenpolitiker John Kerry, ist imstande die US-amerikanische Außenpolitik wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Reaktionäre Elemente werden keineswegs einfach wieder die politische Bühne betreten können. "Die Golfstaaten Saudi-Arabien und Katar finanzieren seit Monaten Waffenlieferungen an die Aufständischen" berichtet Karin Leukefeld (Junge Welt vom 28.2.). Ausgerechnet diese obsoleten Reaktionäre zusammen mit frustrierten Republikanern und früheren Beamten der Obama-Regierung, wie die gescheiterte Hillary Clinton, haben Stolpersteine hinterlassen, die jetzt wegzuräumen sind. Die Hauptrebellengruppe drohte, das Treffen in Rom (28.2.) mit Kerry und anderen Außenministern zu boykottieren. Die Banden der sogenannten Nationalen Koalition sind zu entwaffnen. Mit solchen unzuverlässigen chaotischen Leuten ist kein seriöses Gespräch zu führen. Sie sind keine Demokraten, sondern Chaoten. Es war gut, dass der neue Außenminister ihnen begegnete, um sie kennenzulernen und so einen persönlichen realistischen Eindruck mit eigenen Augen zu gewinnen. Verhandlungen sind ohne Verzögerung mit der innersyrischen Opposition zu beginnen, die die ausländische Gewalt und Einmischung ablehnt und bereit ist, sich an einen Tisch mit dem Regierungsverhandlungsteam zu setzen, um eine Übergangsregierung zu bilden. Bewaffnete Aufständische müssen unbedingt ihre Waffen abgeben und sich für ihr Land auf den Frieden besinnen. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, sprach sich zutreffend im Radiosender WDR 5 gegen Waffenlieferungen aus, und der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Jan van Aken, lehnte "jegliche Form der Kriegsbeteiligung" ab. Beide Bundestagsfraktionen, SPD und Linke, könnten sich grundsätzlich auf eine Friedenspolitik einigen. Nur die chaotische Grünen-Partei ist weit davon entfernt. Solange die bei Krieg und Gewalttätigkeit bleiben, sind sie ein Störfaktor, ein weiteres Problem in der Außenpolitik.
 
Man muss darauf aufmerksam machen, dass gerade John Kerry als damaliger Senator Syrien besuchte und im Februar 2009 mit Präsident Baschar Al-Assad zusammentraf. Senator Kerry erklärte damals dem syrischen Staatschef, dass er und die Obama-Administration dieses Land als "wesentlichen Spieler, um Stabilität und Frieden in der Region zu bringen", betrachten. Nach seiner Damaskus-Begegnung berichtete Kerry, “Beide, die Vereinigten Staaten von Amerika und Syrien haben ein sehr tiefes Interesse... daran, einen sehr offenen Austausch über irgendwelche Differenzen (und) Vereinbarungen (zu führen), die wir über die Friedensmöglichkeiten in dieser Region haben.” Assad hatte Kerry gesagt, dass zukünftige bilaterale Beziehungen Washingtons "ein angemessenes, nüchterndes Verständnis" von regionalen Angelegenheiten erforderten. ("Al-Qaida, not Assad, is Syria’s real problem" von Douglas M. Bloomfield, 27.2.2013)
 
Kerry kam zwei Monate später mit der Hoffnung nach Damaskus zurück, einen Dialog zwischen den beiden Ländern beginnen zu können. Jedoch kollabierte im Jahr 2011 jede Chance dafür. Der Senator wollte erneut nach Syrien zurückkehren, aber das Weiße Haus Obamas blockierte den Besuch. Offensichtlich befanden sich damals wie noch heute in der Obama-Umgebung kontraproduktive Leute, die eine Entspannungspolitik im Nahen Osten, vor allem gegenüber Syrien, sabotieren. Nicht nur deshalb, sondern auch aus innenpolitischen Gründen hat Barack Obama die Notwendigkeit erkannt, weiter zu kämpfen, um eine Parlamentsmehrheit zu erreichen, die ihm erlauben wird, die neokonservative Blockade endgültig zu brechen. Die republikanische Rechte ist völlig diskreditiert. Sie stößt auf Ablehnung bei der US-amerikanischen Bevölkerung, die sich weit von ihr entfernt hat und sie als diejenigen durchschaut, die das Handeln des Präsidenten behindern. Deswegen steht US-Präsident Obama vor der weiteren demokratischen Herausforderung, diese nutzlose gescheiterte Rechte weiter in die Ecke zu drängen, wo die US-Bevölkerung sie weiter abwählen wird, um die erforderliche Mehrheit für Obama im Kongress zu schaffen, die die US-Bürger wirklich repräsentiert, um die Vorhaben des gewählten US-Präsidenten im Inland wie im Ausland voranzutreiben.
 
Den Kollaps des Staates Syrien zu vermeiden, hätte höchste Priorität in der Außenpolitik. Nur so lassen sich die furchtbaren Fehler verhindern, die im Irak und Libyen begangen wurden, wo heute Anarchie und Zerstörung herrschen. Deshalb ist es dringend geboten zu handeln, damit Syrien nicht in unbeherrschbare Verhältnisse abgleitet, wo dann auch Willkür, Mord und Terror herrschen würden. Deshalb dürfen Gespräche mit der Regierung von Präsident Assad nicht weiter verzögert werden, und die rebellischen Banden sind umgehend zu entwaffnen.
 
Sowohl der US-Außenminister John Kerry als auch der neue US-Verteidigungsminister Charles Hagel haben als realistisches Vorbild den ehemaligen US-Verteidigungsminister Robert Mac Namara, der in autorisierter Kenntnis der Sachlage und mit voller Begründung den verheerenden Einfluss des Militärs auf die US-Außenpolitik schon damals begrenzen wollte. John Kerry ehrt es ebenso, dass er als Senator Präsident George W. Bush vorwarf, sein Land getäuscht zu haben, als nach der US-Invasion im Irak kein Massenvernichtungsarsenal gefunden wurde. Gerade infolgedessen wurden George W. Bush und der Brite Anthony Blair als Kriegsverbrecher für Verbrechen gegen den Frieden vom Kuala-Lumpur-Tribunal am 23.11.2011 verurteilt. Die SZ-Redaktion hat diese gerichtliche Verurteilung von großer globaler Tragweite ignoriert und keine normalen Konsequenzen daraus gezogen. Leider zeigt sich hier zum wiederholten Mal, wie anachronistisch einige SZ-Journalisten in der verheerenden Mentalität des blutigen 20. Jahrhunderts verankert bleiben: Eine verhängnisvolle Last von Faschismus, NATO, Atombomben und Kaltem Krieg. Ein entsetzlicher, giftiger Nährboden der heutigen deutschen Außenpolitik.
 
Es ist deshalb höchste Zeit, dass sich professionelle Journalisten mit dem Frieden als Normalzustand befreunden. Die aktuellen Kriegsverbrecher, die sich schon seit dem letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts profilieren, gehören vor ein Strafgericht. Müssen dazu wieder die USA die Initiative ergreifen? Selbst die Gerichtsbarkeit, sogar das Bundesverfassungsgericht, ist in Deutschland ein Konglomerat der Parteien-Oligarchie von verdienten Parteimitgliedern in Richteranzügen. Deshalb kann diese Justiz auch nicht richtig funktionieren. Es gibt viel zu viel Befangenheit.
 
Im Namen der "westlichen Demokratie" manifestiert sich die Unmenschlichkeit des EU-Blocks durch Unterstützung von Terror, sinnlosen Attentaten und Starrsinnigkeit. In dieser Perversion steckt die Bundesregierung und zeigt sich stur und halsstarrig obstruktiv. Dabei ist die Sache der syrischen Rebellen längst diskreditiert. Die Entführung am Grenzdorf mit Israel stellte sie als die Terroristen bloß, die sie sind, und mit ihnen ihre Unterstützerstaaten, darunter eine erbärmliche EU. Zutreffend entlarvt Werner Pirker in seinem hervorragenden Leitartikel "Kriegserklärung" (Junge Welt, 13.12.12) das falsche westliche Verhaltensmuster hinsichtlich Syrien: "Was hat Demokratie noch im Mindesten mit der Idee demokratischer Selbstbestimmung zu tun, wenn die Fremdbestimmung zu ihrer Voraussetzung erklärt wird?"
 
Was hatte die prowestliche Opposition dazu bewogen, die lang angekündigten Wahlen in Syrien zu boykottieren? Warum wurden sie von OSZE-Wahlbeobachtern nicht einmal zur Kenntnis genommen? Warum haben deutsche Medien darüber nichts gemeldet noch kommentiert? "Weil Wahlen im syrischen 'Revolutionsszenario' nicht vorgesehen waren. Denn sie hätten die mangelnde Verankerung der Aufständischen in der Bevölkerung schonungslos bloßgelegt." (Leitartikel "Kriegserklärung" von Werner Pirker, Junge Welt, 13.12.12) Lug und Trug herrschen in deutschen Medien. Auf Kommando von oben verschweigen sie sogar die amerikanisch-russische Vereinbarung vom 26.2. in Berlin. Das ARD-Mittagsmagazin vom 27.2. verlor darüber keine Silbe. Das wirkt wie ein offenes Geständnis des Bundeskanzleramtes, das sich somit selbst überführt. Was treibt Deutschland eigentlich an, warum boykottiert es die politische Vereinbarung zu Syrien zwischen den USA und Russland? Welches Interesse hat es dabei? Steht Berlin unter zionistischem Druck oder gar Erpressung? Die deutsche Bevölkerung wird täglich belogen und betrogen. Der gehaltlose Kommentar von Stefan Kornelius (in der SZ vom 1.3.) befürwortet sogar unverfroren ein libysches Szenarium für Syrien. Kornelius liefert damit ein Schuldbekenntnis, nämlich ein Eingeständnis der SZ für ihre kriegerische Linie und als Lobby-Organ der Rüstungsindustrie, das die neue US-Außenpolitik boykottiert. So abstoßend lässt die SZ-Redaktion ihre Maske fallen. Die deutsche Bevölkerung wird täglich belogen und betrogen durch Journalisten, die sich in ihrem vollkommenen Mangel an Berufsethik und in ihrer Verachtung aller anständigen Normen schamlos bloßstellen.
 
Wie unerträglich dekadent und selbstsüchtig Europa handelt, zeigt auch das neokoloniale Frankreich. Dessen voll bewusst traf Außenminister John Kerry nach seinem Berlin-Besuch im Elysée ein, um Paris mit einem diplomatischen politischen fait accompli zu konfrontieren, nämlich mit der amerikanisch-russischen Vereinbarung von Berlin in Bezug auf Syrien. Nicht zu vergessen, dass Frankreich den Krieg gegen Libyen initiierte und dazu entgegen dem anfänglichen US-Willen die NATO nutzte. Soweit die Anmaßung eines korrupten anachronistischen Europas, eines Europas von Banditen, das sich weiter von Demokratie, Menschlichkeit, Recht und Respekt für die Selbstbestimmung anderer Völker entfernt.
 
Der neue US-Außenminister steht vor einer enormen Herausforderung, die viel Mut erfordert, nämlich die Fehlentscheidungen seiner Vorgängerin und anderer früherer amerikanischer Beamter zu korrigieren. Das macht er gerade beim Besuch derjenigen Länder, die hinter diesen Fehlentscheidungen stehen und für die Terror-Politik in Syrien bekannt sind: Saudi Arabien und Katar. Das sind die schwierigsten Stationen seiner Reise. In Kairo findet er aber sowohl bei Präsident Mohammed Mursi als auch beim Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Al-Arabi, Alliierte. Innerhalb der Arabischen Liga müssen alle Differenzen zugunsten der arabischen Einheit überwunden werden. Reaktionäre sind zu bremsen, damit Syrien nicht weiter daran gehindert wird, den normalen Kurs für politische Reformen einzuschlagen. Geld und Waffen für Chaoten, die auf Gewalt setzen, sind sofort zu stoppen. Syrien muss so bald wie möglich wieder in die Arabische Liga aufgenommen werden. Ohne Syrien bleibt die Arabische Liga von hegemonialen Mächten geschwächt.
 
Russland und China engagieren sich für die Übergangsregierung, für die sich die fünf UN-Sicherheitsmächte in der Genfer-Vereinbarung im Konsens am 30.6.12 verpflichteten. Deshalb werden sie kritisiert und ihre Position von einem zerstörerischen Deutschland verdreht. Anstatt sich für eine zivilisierte Politik einzusetzen, hat sich das Bundeskanzleramt zugunsten bewaffneter Aufständischer quasi in eine Zentrale des Gewalt-Exports nach Syrien verwandelt. So abgrundtief ist Deutschland seit der Zeit des Nazi-Terrors nicht gesunken. Seit dem Dritten Reich hat die Weltstaatengemeinschaft nicht mehr vor solchen höchst schwerwiegenden Problemen gestanden, weil niemals seitdem Verbrecher und Attentäter in derart hohen Regierungsstellen der westlichen Politik wie jetzt aktiv waren. Und die meisten Medien desinformieren als Anhänger der Mafia-Politik, lügen und verschweigen die konstruktiven Schritte und erfolgreichen Abmachungen der Politik, die zu diesem Mafia-Vorhaben nicht passen. (PK)
 
 
Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait ist Juristin und Diplomatin a.D. und lebt seit dem Putsch gegen den sozialistischen Präsidenten Chiles, Salvador Allende, in Deutschland.
 


Online-Flyer Nr. 397  vom 13.03.2013



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