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Kurdinnen-Mörder in Paris ein Spitzel des türkischen Geheimdienstes?
Interview eines ehemaligen MIT-Agenten
Von Devriş Çimen
Zu den Morden in Paris, wo am 9. Januar drei kurdische Politikerinnen und Frauenaktivisten in den Räumen des Kurdistan Informationszentrums erschossen wurden (1), hat sich nun ein ehemaliger Agent des türkischen Nachrichtendienstes MIT zu Wort gemeldet. Der Agent Murat Sahin erklärte in einem Interview, dass es sich bei dem Tatverdächtigten Ömer Güney um einen Spitzel der MIT handelt, der in Paris die kurdische Bewegung unterwandern sollte. Murat Sahin selbst sorgte vor ein paar Monaten für Schlagzeilen in den türkischen Medien, weil er als verdeckter MIT-Agent aufgeflogen war.
Online-Flyer Nr. 392 vom 06.02.2013
Kurdinnen-Mörder in Paris ein Spitzel des türkischen Geheimdienstes?
Interview eines ehemaligen MIT-Agenten
Von Devriş Çimen
Zu den Morden in Paris, wo am 9. Januar drei kurdische Politikerinnen und Frauenaktivisten in den Räumen des Kurdistan Informationszentrums erschossen wurden (1), hat sich nun ein ehemaliger Agent des türkischen Nachrichtendienstes MIT zu Wort gemeldet. Der Agent Murat Sahin erklärte in einem Interview, dass es sich bei dem Tatverdächtigten Ömer Güney um einen Spitzel der MIT handelt, der in Paris die kurdische Bewegung unterwandern sollte. Murat Sahin selbst sorgte vor ein paar Monaten für Schlagzeilen in den türkischen Medien, weil er als verdeckter MIT-Agent aufgeflogen war.

Die drei in Paris ermordeten Kurdinnen Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Saylemez
Fotos: Annett Bender
In einem Interview mit der kurdischen Tageszeitung Yeni Özgür Politika vom 31.01.2013 gab der ehemalige türkische Geheimdienstler Murat Sahin bekannt, dass es sich bei Ömer Güney, dem Tatverdächtigten im Pariser Mordfall vom 9.Januar, um einen Agenten des türkischen Nachrichtendienstes MIT handeln würde.
Den Angaben Sahins zufolge sei er selbst von 2006 bis 2012 für den MIT als Spitzel in der linksgerichteten Organisation Devrimci Karagah tätigt gewesen. „Ich habe Ömer nirgends persönlich getroffen. Aber als ich mich in Ankara mit der Verantwortlichen unserer Einheit mit dem Codenamen ‚Teyze‘ traf, zeigte sie mir das Bild von Ömer und fragte, ob ich ihn kennen würde oder schon mal gesehen hätte. Er sei unser Mann in Paris und würde zum ‚Heval‘", so die Äußerungen von Sahin. ‚Heval‘ ist die kurdische Bezeichnung für Freund oder Freundin. In der kurdischen Gesellschaft wird dieser Begriff auch sinngemäß als Genossin oder Genosse verwendet. Sahin: „Er war der Auftragsmörder“
Auf die Frage, wie es zu den Morden in Paris kam, erklärte Sahin folgendes: „Beim Mord in Paris denke ich nicht, dass Ömer es allein gewesen war. Er war der Auftragsmörder. Aber ohne zwei oder drei Agenten an seiner Seite hätte er diese Tat nicht durchführen können. Alleine ist das unmöglich. Auch bei den Lehrgängen, die wir erhalten, heißt es, dass wir nicht alleine handeln sollen. Ich denke, für das Massaker von Paris sind die Hardliner des MIT verantwortlich. Wir wissen, dass es solch einen Flügel im MIT gibt. Die gibt es im MIT, im JITEM, in Ergenekon. Sie sind dafür, dass der Krieg weitergeht und die Kurden keine Rechte erhalten, andere sind für eine Lösung.
Ich denke, das ist ein Ergebnis der Auseinandersetzung dieser Flügel. Wäre Ömer nicht festgenommen worden, hätten sie ihn entweder aus Paris rausgeholt oder ihm wäre etwas widerfahren. Wenn er der Auftragsmörder ist, kann es auch sein, dass er nicht spricht. Vielleicht wurden ihm Versprechungen gemacht.“
Nach einer Äußerung des stellvertretenden AKP-Vorsitzenden Mehmet Ali Sahin vom 20. Januar, wonach ähnliche Morde wie in Paris auch in Deutschland zu erwarten wären, stellte der Grünen-Abgeordnete Mehmet Kilic am 30.Januar eine mündliche Anfrage an die Bundesregierung, ob die zuständigen Sicherheitsbehörden über dementsprechende Informationen verfügen, und entsprechende Präventivmaßnahmen bestünden. Die Regierung erklärte dazu, „Der Bundesregierung liegen dazu keine Hinweise auf entsprechende Taten in Deutschland vor“.
Eine Anfrage zu Attentatsplänen gegen kurdische ExilpolitikerInnen richtete ebenfalls die Linksfraktion an die Bundesregierung. Dabei wurde nach Kenntnissen über eine Listevon Kopfgeldern und nach bestehenden Informationen zu türkischen und iranischen Mordkommandos gefragt. Weiter wurde in der Anfrage die Aufklärung der Hintergründe von öffentlichen Aussagen des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan und des ehemaligen Parlamentspräsidenten zu den Morden gefordert.
Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke konnte zudem ermitteln, dass der Tatverdächtige in diesem Mordfall, Ömer Güney, neben der türkischen auch über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügt. Des Weiteren sei gegen ihn wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt worden. Dazu erklärte Jelpke: „Vor diesem Hintergrund ist es unbegreiflich, warum noch keine intensive Zusammenarbeit deutscher und französischer Ermittlungsbehörden zur Aufklärung der Morde von Paris angelaufen ist. Die deutschen Behörden müssen alles dran setzten, um zur Aufklärung der Hintergründe dieser schrecklichen Bluttat an drei revolutionären Frauen beizutragen.“
Am 1.Februar meldete der türkische Nachrichtensender Haberturk, dass der MIT die Behauptung, es handele sich bei Murat Sahin, um einen MIT-Agenten, zurückweise. In derselben Meldung hieß es weiter: „Sahin wurde bei den Devrimci Karagah-Operationen festgenommen und aufgrund seiner MIT-Zugehörigkeit wieder freigelassen.“
Der Vorsitzende der Föderation Kurdischer Vereine in Frankreich FEYKA, Mehmet Ülker, gab bekannt, dass FEYKA von der französischen Polizei erwarte, aufzuklären, zu wem der Spitzel Ömer Güney gehörte. „Ob Güney alleine war oder nicht, weiß die französische Polizei“, so Ülker weiter und betonte, dass die kurdische Seite die Ermittlungen ebenfalls weiter fortführe. (PK)
Devriş Çimen ist Mitarbeiter von Civaka Azad - Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V. www.civaka-azad.org, info@civaka-azad.org
Bornheimer Landstraße 48, 60316 Frankfurt / Tel.: 069/84772084
Online-Flyer Nr. 392 vom 06.02.2013














