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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Globales
Für die Dreistigkeit, mit der diese US-Bank die ganze Welt hinters Licht führt:
Public Eye Jury Award für Goldman Sachs
Von Peter Kleinert

In Sichtweite des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos haben Greenpeace Schweiz und die Erklärung von Bern (EvB) mit der Vergabe der Public Eye Awards am 24. Januar besonders krasse Fälle von Profitgier und Umweltsünden von Unternehmen gebrandmarkt. Den Jurypreis 2013 erhielt die US-Bank Goldman Sachs! Die Nominierung des Finanzgiganten wurde von dem Hamburger Filmemacher Herdolor Lorenz stellvertretend für das Filmteam von "Wer rettet wen?" eingereicht. Der Ölkonzern Shell erhielt die "Auszeichnung" von Internetnutzern wegen verantwortungsloser Geschäftspraktiken in der Arktis.

Quelle: Public Eye
 
Bei der Online-Abstimmung für den Publikumspreis fand der Vorschlag, Goldman Sachs den Schmähpreis für das übelste Unternehmen des Jahres zu verleihen, mit 10.690 Stimmen großen Zuspruch und erreichte hinter Shell (16.446 Stimmen) den 2. Platz.
 
Die Preisverleihung in Davos glänzte mit Rednern wie Dr. Ulrich Thielemann, Direktor von MeM – Denkfabrik für Wirtschaftsethik, Berlin oder dem renommierten Autor, Ökonom und Ex-Bankenregulator Professor William K. Black, der in seiner Rede die kriminelle Energie der Konzerne und die Oligarchie der Finanzindustrie kritisierte.

Herdolor Lorenz nahm den Jury Award von Greenpeace-Chef Kumi Naidoo entgegen und kündigte an: „Wir werden Goldman Sachs kontaktieren und werden sehen, wann und wo sie den Preis und damit ihren Teil der Verantwortung für die gegenwärtige Euro- und Griechenlandkrise annehmen werden.“

Bei Goldman Sachs verschlage einem die Dreistigkeit den Atem, mit welcher die US-Bank die ganze Welt hinters Licht führe und Gewinne auf Kosten der Steuerzahler maximiere, sagte Dr. Ulrich Thielemann im Namen der Jury. Ob bei Hypotheken-, Banken- oder Euro-Pleite, fast an jeder größeren Krise verdiene Goldman Sachs kräftig mit. Die Bank sei die treibende Kraft hinter dem Konzept "too-big-to-fail", nach welchem führende Banken zu groß seien, als dass man sie untergehen lassen könne, sagte Thielemann. Auch der Begriff "alternativlos" zeige, wie die Demokratie ausgehöhlt werde.

"Make-up" für Griechenland

Mit versteckten Krediten habe Goldman Sachs als "Make-up-Künstler" z.B. Griechenland geholfen, die Kriterien für einen Euro-Beitritt zu ermogeln, erklärte die Jury weiter. Die Finanzkonstrukte hätten das Land in den Ruin und die EU in die finanzielle Krise getrieben. Daran hätten die "Goldmänner" bereits mindestens 600 Millionen Dollar verdient, und Griechenland schulde der Bank weiterhin 400 Millionen jährlich bis 2037. Das seien insgesamt mehr als 10 Milliarden Dollar auf Kosten der europäischen Steuerzahler. Goldman Sachs sei die Geldmaschinerie schlechthin mit einem undurchsichtigen, weltweit einzigartigen Netz an Verbündeten in höchsten Positionen wie dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, der früher das Europageschäft der Bank leitete.
Filmemacher Herdolor Lorenz, dem - stellvertretend für das Filmteam von „Wer rettet wen?“ - Goldman Sachs die Nominierung für diesen Schmähpreis verdankt, sagte bei der Preisverleihung: „Dieser Preis hilft mit, diese Tatsachen bekannt zu machen und er ist ein wichtiger Meilenstein in der Entstehungsgeschichte unseres neuen Films. Der Preis steigert hoffentlich die Bekanntheit unseres Films, damit mehr Leute das Milliarden-Euro- Spiel verstehen und lautstark ein Ende des unakzeptablen und ruchlosen Verhaltens der Banken fordern können.“
 
Internationaler Aufruf zur Unterstützung des Filmprojekts
 
In seinem Internationalen Aufruf zur Unterstützung des Filmprojekts "Wer rettet wen?“ - Wie wir die Risiken des Finanzmarkts tragen, erklärte Lorenz: "Helfen Sie mit, dass ein Film entsteht, der zeigt, wie Banken auf unsere Kosten gerettet werden und die Demokratie auf der Strecke bleibt!

Wir Steuerzahler geben Spaniens Banken 100 Mrd. €, doch die Hälfte der spanischen Jugendlichen ist arbeitslos. Seit 2008 werden zuerst die bedrohte Wirtschaft und dann ganze Länder gerettet. Politiker jonglieren mit immer neuen milliardenschweren Rettungsschirmen, während mitten in Europa Menschen wieder für Hungerlöhne arbeiten. Es wird gerettet, nur keine Rettung ist in Sicht.
 
Der Film „Wer rettet wen?“ zeigt, wer dabei wirklich gerettet wird: Nie ging es um die Rettung der Griechen, nie um die der Spanier oder Portugiesen. Stets geht es nur um das Wohl der Hauptverdiener an diesen Krisen: den dort mit hochriskanten Spekulationen engagierten Banken. Uns Steuerzahlern und sozial Benachteiligten hingegen werden alle milliardenschweren Risiken zugemutet!
 
Steuerzahler finanzieren private Vermögen
 
Es heißt, Griechenland habe 240 Mrd. € Hilfen erhalten. Gerettet wurden damit aber nur die privaten Banken, Versicherungen und Investmenthäuser. Ihnen gehörten 2009 fast alle griechischen Staatsanleihen. 2012 - drei Jahre danach - sind diese Schulden fast gänzlich auf uns europäische Steuerzahler übertragen! Wir haben dadurch etwa 300 Mrd. € Schulden mehr. Dafür wurden viele reiche Griechen reicher und Hedgefonds, Banken, reiche Privatanleger vor jeglichen Verlusten bewahrt. Aus milliardenschweren „Hilfen" der Steuerzahler sind private Vermögen geworden. Der ansonsten neoliberale Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn hat ausgerechnet, dass die Fortsetzung der Rettungsschirmpolitik sicher im Interesse der großen Finanzinstitute und der 5% reichsten Individuen der Welt ist. Aber selbst die Bürger der wirtschaftlich stärksten Länder der EU werden um ihre Altersversorgung bangen müssen. Doch Hauptsache, „die Märkte atmen auf“.
 
Die Macht der "Märkte"
 
Ständig heißt es, die Märkte seien verstimmt, die Märkte seien enttäuscht. Die Finanzmärkte, das scheint ein besonderes Wesen zu sein, das bei Laune gehalten werden muss. Drei Ratingagenturen dominieren die Parlamente Europas. Ihre Eigentümer sind Händler mit Staatsanleihen, die größten Investmentbanken und Private Equity-Konzerne der Welt. Wenn sie die Daumen senken, zittern Staaten.
 
Viele Menschen ahnen, dass da etwas schief läuft. Sie fühlen sich ausgeliefert, weil sie das Spiel der Milliarden nicht verstehen. Doch Demokratie hat angesichts der Macht des Finanzmarkts nur eine Chance, wenn Bürger anfangen, ihre Interessen in dem „Spiel der Milliarden“ zu erkennen, die wesentlichen Strukturen und Mechanismen des Finanzkapitals zu durchschauen. „Wer Rettet Wen“ wird ein Werkzeug dazu sein.

Ansprache von Herdolor Lorenz
Ich bin ein Dokumentarfilmer. Und in den letzten Jahren habe ich in Deutschland oft gehört und gelesen: “Warum sollten wir diesen faulen Griechen aus der Klemme helfen?” “Griechenland? Selber schuld!” Und so weiter. Andere Leute wiederum merken, dass da etwas echt Krummes abläuft, doch sie fühlen sich hilflos, weil sie das Milliarden-Euro Spiel nicht verstehen. In dieser Situation haben wir ein neues Filmprojekt gestartet: “Wer rettet wen? Wie wir für die Risiken der Finanzmärkte bezahlen”.

Eine Aufgabe dieses Films wird es sein, zu zeigen, was in Griechenland wirklich abläuft. Griechenland durfte 1999 nicht der Eurozone beitreten, weil seine Staatsschuld zu hoch war. Um dieses Hindernis zu überwinden, organisierte Lucas Papademos, der Direktor der griechischen Zentralbank, eine “tour de force”. Drei Banken unter der Führung von Goldman Sachs boten dem griechischen Staat Anleihen in Milliardenhöhe, die im Budget nicht erscheinen würden. Bezahlt würden diese Anleihen mit den zukünftigen Einnahmen aus Strassenbenutzungsgebühren, Flughafentaxen und der staatlichen Lotterie.

Mit Hilfe der seit 2002 vom heutigen EZB-Chef Mario Draghi geleiteten Abteilung von Goldman Sachs wurden zusätzliche Schulden aus dem Budget als langfristige Schulden via eine Briefkastenfirma namens Titlos auf die griechische Zentralbank übertragen. So gelang es Papademos auf wunderbare Weise, die griechische Staatsschuld zu verkleinern und, unter dem Beifall der Banken, für Griechenland die Tür zur Eurozone aufzustossen.

Klar war das gemogelt, doch der Schwindler Papademos, der mit Goldman Sachs unter einer Decke steckte, wurde danach Vizepräsident der Europäischen Zentralbank. Die versteckte Schuld, sie war inzwischen um einiges grösser geworden, tauchte nach 2007 wieder auf und die Rettungsaktion konnte beginnen. Schon nach kurzer Zeit war das Land in einer verzweifelten Lage. 2011 kündigte Ministerpräsident Papandreou ein Referendum über das “Rettungspaket” an. Das schien der Troika, bestehend aus EU, EZB und IMF, zu riskant und sie legten Papandreou den Rücktritt nahe. An seiner Stelle übernahm Lucas Papademos das Amt des Ministerpräsidenten. Er wurde als Technokrat dargestellt und legte den Amtseid ausserhalb des Parlaments ab, mit seiner rechten Hand auf der Bibel. Parlamentsvertreter waren keine anwesend. Dafür sang der orthodoxe Erzbischof Ieronymos von Athen, dessen Kirche keine Steuern zahlt, das “Gott sei gnädig”.
Papademos stand eine weitere schwere Aufgabe bevor: die griechische Staatsschuld lag immer noch in den Händen internationaler Finanzgesellschaften. Doch die Märkte wetteten bereits auf eine Bankrotterklärung Griechenlands. Für die Banken stellte die äusserst profitable griechische Staatsschuld einen wahrhaften Schatz dar, auf dem sie nicht sitzenbleiben wollten. In einem finanziellen Meldtdown würde diese Staatsschuld jedoch wertlos. Papademos beruhigte die Banken. Als er das Amt des Ministerpräsidenten verliess, wurde das Risiko der griechischen Schuld – 240 Milliarden Euro – kurzerhand von den Banken den Steuerzahlern “übergeben”. Die Schuld wächst jede Stunde um 10 Millionen Euro. Aus den “Hilfe-Milliarden” wurde privates Vermögen. Und das Land wurde in den wirtschaftlichen Abgrund getrieben.

Eine weitere Krise, von der Goldman Sachs bereits hübsch profitiert hat und weiterhin profitieren wird: Goldmans Profit beträgt bisher mindestens 600 Millionen Dollars und Griechenland schuldet der Bank 400 Millionen pro Jahr bis 2037, oder insgesamt mehr als 10 Milliarden Dollar auf Kosten europäischer Steuerzahler.
Goldman Sachs ist der Inbegriff einer Geldmaschine mit einem undurchsichtigen und einzigartigen Netzwerk von Alliierten in hohen Positionen, so das frühere EZB-Direktoriumsmitglied Otmar Issing, der Präsident der Weltbank bis im Juni 2012, Robert Zoellick, der italienische Ministerpräsident Mario Monti, der Chef der staatlichen griechischen Schuldenagentur Petros Christodoulou, Angela Merkels wirtschaftlicher Berater Alexander Dibelius, der US-Botschafter in Berlin, Philipp D. Murphy, drei aufeinanderfolgende EU Wettbewerbskommissare, und US-Finanzminister Henry Paulson unter George W. Bush.
 
Ein Film von unten
 
„Wer rettet wen?“ entsteht als „Film von unten“ – finanziert von denen, die ihn sehen wollen, die ihn zeigen wollen, die dieses Hilfsmittel als Aufklärung brauchen. Was so für Verständnis und Mobilisierung geleistet werden kann, zeigen die letzten Projekte der Filmemacher von „Water Makes Money“ und „Bahn unterm Hammer“. Deshalb rufen wir auf: Helfen Sie mit, dass dieser so dringend benötigte Film zustande kommt.
 
Investieren Sie in den Film „Wer rettet wen?“! Helfen Sie mit, ein Stück Ihrer Zukunft zu sichern. Mit jeder Spende sind Sie FörderIn des Filmes. Ab 20 € erhalten Sie von „Gemeingut in BürgerInnenhand“ eine DVD-Kopie mit der Lizenz zur nichtkommerziellen Vorführung. Ab 100 € erhalten die FörderInnen die Auszeichnung „Goldförderer/in". Auf Wunsch werden Sie im Abspann namentlich genannt. Ab 1.000 € erhalten die FörderInnen die Auszeichnung Nachhaltigkeitsförderer/in. Sie werden als Ehrengast zur Premiere eingeladen.
 
Zahlungen bitte auf das Konto:
Empfänger: Wer Rettet Wen, Kernfilm, D-20099 Hamburg, Konto-Nr.: 2020346200, GLS Bank, BLZ: 43060967, IBAN: DE49430609672020346200 BIC: GENODEM1GLS
 
Ihr Beitrag ist die Filmförderung von unten, die bis zum 1.9.2013 das Fundament des Films errichten soll." (PK)


Online-Flyer Nr. 391  vom 30.01.2013



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