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Inland
Pémon Indigene fordern ihr in Berlin ausgestelltes Kulturerbe zurück
"Stein des Anstoßes" aus Venezuela
Von Jan Ullrich und Peter Kleinert
Bei einem Deutschlandbesuch in der vergangenen Woche erneuerte der venezolanische Kulturminister Pedro Calzadilla die Forderung seines Landes nach der Rückgabe des im Berliner Tiergarten ausgestellten Steins "Piedra Kueka" an Venezuela. Der Stein sei in der Geschichte der indigenen Volksgruppe Pémon fest mit dem eigenen Grundungsmythos verbunden und besitze deshalb große kulturelle Bedeutung. "Die Rückführung des Steins steht stellvertretend für die Durchsetzung kultureller Rechte der indigenen Minderheiten, nicht nur in Venezuela", betonte Calzadilla gegenüber amerika21.de.

Stein des Anstoßes "Piedra Kueka"
Der deutsche Bildhauer Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld hatte den Stein "Piedra Kueka" im Rahmen seines Global Stone Projekts 1999 nach Berlin schaffen lassen. Die insgesamt fünf Steine aus fünf Kontinenten, die Schwarzenfeld im Berliner Tiergarten aufstellen ließ, sind aus seiner Sicht ein Beitrag zu Völkerverständigung und Weltfrieden. Die Forderungen einer Rückgabe des für die Pémon Indigenen bedeutenden Kulturerbes, unterstützt durch eine Berliner Aktivistengruppe, wies Schwarzenfeld bisher zurück. In einer hochemotionalen Gegendarstellung beteuerte der Künstler, die ausdrückliche Erlaubnis zur Ausgrabung des Steins von den Pémon selbst erhalten zu haben.

Venezuelas Kulturminister Pedro Calzadilla
fordert die Rückgabe des "Piedra Kueka"
Auch die Legalität der Dokumente, die dem Künstler die Ausfuhr erlaubten, stellte der venezolanische Kulturminister in Frage. Nach dem 1971 beschlossenen Nationalpark-gesetz sei eine Schenkung an Einzelpersonen ausgeschlossen. Neben der rechtlichen Frage, betonte Calzadilla, sei die Rückführung des Steins nach Venezuela jedoch in erster Linie eine Frage des Rechts eines Volkes auf sein kulturelles Erbe. "Ein Land wie Deutschland, das wie kaum ein anderes sein kulturelles Erbe verteidigt und pflegt", erklärte der Minister, "muss ein Interesse daran haben, dieses Recht auch anderen Völkern zuzugestehen".

Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld
vor seinem Berliner Global Stone Projekt
Ganz anders als der venezolanische Kulturminister stellt die Heimat-gemeinde des Wilhelmshorster Bürgers Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld den Fall auf ihrer Stadt-Webseite im Internet dar.(1) Das Global Stone Projekt des Künstlers, das dieser "am 11.08.2010 nach 13 Jahren intensiver Arbeit" im Berliner Tiergarten fertig gestellt habe, sei "ein Monument für die Zukunft. Es ist frei von historischer Belastung und frei von kommerziellen Interessen. Es besteht aus zehn Steinen bzw. Steingruppen und umspannt fünf Kontinente. Jedem Stein und damit Kontinent ist ein Begriff zugeordnet. So steht Europa für “Erwachen”, Afrika für “Hoffnung”, Asien für “Vergebung”, Amerika für “Liebe” und Australien für “Frieden” Sie symbolisieren fünf Schritte zum Frieden."
Online-Flyer Nr. 323 vom 12.10.2011
Pémon Indigene fordern ihr in Berlin ausgestelltes Kulturerbe zurück
"Stein des Anstoßes" aus Venezuela
Von Jan Ullrich und Peter Kleinert
Bei einem Deutschlandbesuch in der vergangenen Woche erneuerte der venezolanische Kulturminister Pedro Calzadilla die Forderung seines Landes nach der Rückgabe des im Berliner Tiergarten ausgestellten Steins "Piedra Kueka" an Venezuela. Der Stein sei in der Geschichte der indigenen Volksgruppe Pémon fest mit dem eigenen Grundungsmythos verbunden und besitze deshalb große kulturelle Bedeutung. "Die Rückführung des Steins steht stellvertretend für die Durchsetzung kultureller Rechte der indigenen Minderheiten, nicht nur in Venezuela", betonte Calzadilla gegenüber amerika21.de.

Stein des Anstoßes "Piedra Kueka"
Quelle: Portal amerika21
Der venezolanische Kulturminister widersprach im Interview mit dem Portal amerika21.de dieser Version. Bereits bei der Verladung des Steins sei es zu Protesten der Pémon gekommen, erklärte Calzadilla am Montag vergangener Woche in der venezolanischen Botschaft in Berlin. Schwarzenfeld habe nur die Zustimmung einiger weniger Mitglieder der Gemeinde erhalten. Nach Darstellung der Mehrheit der Pémon-Gemeinde habe sich Schwarzenfeld diese Unterstützung sogar erkauft. Zudem sei aufgrund der Proteste der Pémon der Stein bereits direkt nach der Ausgrabung im Juli 1998 für rund sechs Monate von der Nationalgarde festgehalten worden. Daraufhin habe die Pémon Gemeinde eine Petition an den venezolanischen Kongress gerichtet, um die Ausfuhr des Steins zu verhindern. Die Petition wurde aber - wenige Monate vor dem Amtsantritt der Regierung Chávez - von der damaligen Mehrheit im Kongress abgelehnt. Zwischen 1999 und 2003 hätte es in der Folge mehrfach Demonstrationen der Pémon vor der deutschen Botschaft in Caracas gegeben.

Venezuelas Kulturminister Pedro Calzadilla
fordert die Rückgabe des "Piedra Kueka"
Quelle: amerika21
Die venezolanische Botschaft in Berlin warte in diesem Fall seit 2003 auf die Beantwortung einer diplomatischen Verbalnote an das deutsche Auswärtige Amt. Ein "Angebot" des Künstlers mit der Forderung von einer Million Euro für seine private Stiftung habe die venezolanische Regierung 2004 abgelehnt. Kulturminister Calzadilla gab sich bei seinem Besuch in Berlin trotzdem optimistisch, was die Rückführung des Steins angeht. Dabei erneuerte er das Angebot der Übernahme der Rückführungskosten durch den venezolanischen Staat.

Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld
vor seinem Berliner Global Stone Projekt
Ist das Global Stone Projekt mit dem etwa zwölf Kubikmeter großen, 35 Tonnen schweren roten Quarzsandstein aus dem Nationalpark Canaima im Südosten von Venezuela also ein Projekt zur Völkerverständigung? "Eben nicht", sagt die Berliner Aktivistengruppe, die sich seit Jahren unter dem Motto "Kueka will zurück" für die Rückführung des Findlings einsetzt. Auch wenn der Stein ein Geschenk der Vorgängerregierung von Hugo Chavez an alle Deutschen gewesen sei, wurden die Ureinwohner nicht gefragt. Die Pemón-Indianerin Abuela Amelia hat den Aktivisten in Berlin mitgeteilt: "Wir wissen nicht, was passiert ist, aber sie schifften den Stein nach Deutschland ein." Als die Indigenen dies gemerkt hätten, sei es für sie viel zu spät zum Eingreifen gewesen. "Der Stein ist sehr heilig, man fasst ihn nicht an."
Weil der Staat Venezuela offiziell bereit sei, die Kosten für den Rücktransport zu tragen, heißt es in einer Pressemitteilung der Aktivistengruppe, gebe es "keinen Grund dafür, dass der Stein noch länger im Berliner Tiergarten liegt, um schließlich als Hunde-Urinal zu enden." Man habe sich organisiert, um die Rückführung voran zu treiben, da die Ureinwohner sonst niemanden in Deutschland haben, der dieses Vorhaben unterstützt. (PK)
Wir haben diesen Artikel auf der Webseite des Portals amerika21.de gefunden und in einigen Punkten etwas ergänzt.
Online-Flyer Nr. 323 vom 12.10.2011














