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Ermittlungen und Recherchen, die den Namen verdienen, hat es nie gegeben
Betrifft: Kölner Heimskandale im KStA
Von Rainer Kippe
Dem vom Kölner Ehrenbürger Alfred Neven DuMont erst vor kurzem wieder einmal öffentlich gefeierten "faktenorientierten Journalismus“ (1) ist man beim Kölner Stadt-Anzeiger in den vergangenen vier Jahrzehnten offenbar treu geblieben. Daran hat auch der Wechsel an der Spitze des Hauses von „Gott Vater“ zur „Dreieinigkeit“ nichts geändert, wie wir aus einem Leserbrief zum Thema “Heimskandale“ an die KStA-Redaktion erfahren, der dort seit dem 18. Mai auf seine Veröffentlichung wartet. Geschrieben hat ihn Rainer Kippe, einer der Gründer der Sozialistischen Selbsthilfe Mülheim (SSM). – Die Redaktion

Rainer Kippe – wartet auf Veröffentlichung
seines Leserbriefes im KStA
Sehr geehrte Damen und Herren, wie viele Leser verfolge ich mit großem Interesse Ihre Berichterstattung über die Menschenrechtsverletzungen und Straftaten an Minderjährigen in deutschen Heimen. Ich meine, dass es nicht reicht, vierzig Jahre danach über das Unrecht zu reden und zu schreiben. Wir sollten auch untersuchen, wie es möglich war, dass mitten in einer Demokratie mit unabhängigen Gerichten, objektiven Strafver-folgungsbehörden, akribischen Aufsichtsbehörden und einer freien und mutigen Presse Straftaten von solchem Ausmaß jahrzehntelang verborgen bleiben konnten.

SSK- und Ana&Bela-Gründer Rainer
Kippe und Lothar Gothe
Ihre Zeitung berichtete seinerzeit allerdings nur sehr distanziert und zögerlich. So wurde die Vergewaltigung von Jungen durch Heimpersonal im Don-Bosco- Heim in einem Artikel: „Das fragwürdige Heim“ als pure Behauptungen abgetan. Wirkliche eigene Recherchen, wie sie damals z.B. der bekannte Journalist Günter Wallraff vorlegte, unterblieben.

SSK-Unterstützer Heinrich Böll
Als der SSK trotz behördlichen Verbotes weiter Jugendliche aufnahm, wurde er von der Kölner Polizei und den Kölner Jugendbehörden gnadenlos verfolgt. Ein weiteres Verbot war nur deswegen nicht mehr durchsetzbar, weil sich der große Kölner Heinrich Böll mit einem Aufruf öffentlich vor den SSK gestellt hatte. Daraus entstand der Verein „Helft dem SSK“, in dem sich neben einfachen Kölnern auch viele Prominente organisierten. Und erst als klar war, dass die Missstände nicht mehr dauerhaft unter den Teppich gekehrt werden können, entschloss sich der Bundestag zu einer Reform der öffentlichen Erziehung.
Online-Flyer Nr. 251 vom 26.05.2010
Ermittlungen und Recherchen, die den Namen verdienen, hat es nie gegeben
Betrifft: Kölner Heimskandale im KStA
Von Rainer Kippe
Dem vom Kölner Ehrenbürger Alfred Neven DuMont erst vor kurzem wieder einmal öffentlich gefeierten "faktenorientierten Journalismus“ (1) ist man beim Kölner Stadt-Anzeiger in den vergangenen vier Jahrzehnten offenbar treu geblieben. Daran hat auch der Wechsel an der Spitze des Hauses von „Gott Vater“ zur „Dreieinigkeit“ nichts geändert, wie wir aus einem Leserbrief zum Thema “Heimskandale“ an die KStA-Redaktion erfahren, der dort seit dem 18. Mai auf seine Veröffentlichung wartet. Geschrieben hat ihn Rainer Kippe, einer der Gründer der Sozialistischen Selbsthilfe Mülheim (SSM). – Die Redaktion

Rainer Kippe – wartet auf Veröffentlichung
seines Leserbriefes im KStA
Foto: Anneliese Fikentscher
Wir müssen auch fragen, wie es dann in den 70er Jahren zu einer Änderung kam, nämlich zu einer Reform der Heimerziehung, die solche Taten zwar nicht ganz unmöglich macht, aber immerhin zu Randerscheinungen hat werden lassen, die nicht mehr das ganze System repräsentieren.
Bei Ihrer Berichterstattung versuchen Sie den Eindruck zu erwecken, als seien die Vorfälle erst jetzt von Ihnen ans Tageslicht gebracht worden. Tatsächlich wurden sie schon vor 40 Jahren hier in Köln von der Untergrundzeitung Ana&Bela um die Selbsthilfegruppe SSK veröffentlicht. Auch zahlreiche Bücher erschienen darüber, so im Verlage Kiepenheuer & Witsch des Bruders Ihres Verlegers Reinhold Neven DuMont die Bücher „Ausschuss (1970) und „Aufbruch“(1975). Darin wurde detailliert über die Verbrechen an Jugendlichen berichtet, und es wurden Namen genannt.

SSK- und Ana&Bela-Gründer Rainer
Kippe und Lothar Gothe
Quelle: Arbeiterfotografie
Es ist nicht verwunderlich, dass die Verantwortlichen diese matte Berichterstattung - damals nannte man das „ausgewogen“ - als Ermutigung auffassten und weitermachten. Man muss sich vorstellen, dass diese Straftaten an Minderjährigen, diese unausgesetzten körperlichen und seelischen Übergriffe, nicht irgendwo in der fernen Eifel stattfanden oder wenigstens in Moitzfeld, was bekanntlich zu Bergisch-Gladbach gehört, sondern mitten in der Stadt mit dem goldenen „Hätz“, in der Caritas-Zentrale Große Telegrafenstraße, nur wenige Meter von der Wohnung des Caritas-Direktors entfernt. Auch Erich Scheuch, einer der Betroffenen, die sich jetzt an den Stadtanzeiger wenden, hat als Jugendlicher beim SSK Zuflucht gesucht. Es ist ja eine ganze Generation von Kölnern und Auswärtigen seinerzeit durch diese sogenannte „Jugendschutzstelle“ geschleust worden.
Es ist aus dieser ganzen Zeit, nach hunderten von Anzeigen seitens der Betreuer des SSK, auch nur zu einer einzigen Verurteilung wegen einer Ohrfeige gekommen und zwar des Erziehers Tull vom Don-Bosco-Heim. Ermittlungen, die den Namen verdienen und die sich mit den normalen Ermittlungen der Polizei, z.B. in Fällen von Diebstahl oder Körperverletzungen vergleichen lassen, hat es nie gegeben.
Stattdessen wurden die Betreuer der Jugendlichen, die diese vor der brutalen Heimerziehung zu schützen versuchten, immer wieder wegen Entzugs von Jugendlichen aus der gerichtlich angeordneten Heimerziehung strafrechtlich verfolgt.
Im Jahre 1973, als der SSK ein Kontaktzentrum für entflohene Heimzöglinge eröffnete, gab es eine regelrechte Hetzjagd dagegen in den Medien, an der sich auch Ihre Zeitung beteiligte. Ich habe diese skandalöse und verantwortungslose Art von Berichterstattung zusammen mit meinem Freund Lothar Gothe in dem oben genannten Buch „Aufbruch“ dokumentiert. Wir haben sie seinerzeit auch in dem Buch des Hanser Verlages „Die Tabus der deutschen Presse“ abgedruckt. Damals hat übrigens Ihr damaliger Chefredakteur Besser, der bei dem Kongress anwesend war, öffentlich Besserung gelobt. Er blieb allerdings nicht lange genug im Amt, um seine Ankündigung umzusetzen.
Als die Täter der Heimerziehung und ihre Komplizen in den Aufsichtsbehörden 1974 endlich am Ziel waren, und das Kontaktzentrum vom Innenministerium geschlossen wurde, gab es auch einen großen Strafprozess. Allerdings nicht gegen die Folterer und Vergewaltiger in den Heimen, sondern gegen Jugendliche und Betreuer des SSK. Die Täter in den Heimen sahen sich endgültig ins Recht gesetzt.

SSK-Unterstützer Heinrich Böll
NRhZ-Archiv
Wenn Sie wirklich über die tatsächlichen Verhältnisse damals in Köln berichten wollen, dann lesen Sie diese Bücher. Sollten Sie danach immer noch Fragen haben, stehe ich Ihnen zu einem Gespräch gerne zu Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen, Rainer Kippe
(PK)
(1) siehe //www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15089
Online-Flyer Nr. 251 vom 26.05.2010














