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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Lokales
Erfolgreiche Unterschriftenaktion zum Bürgerbegehren Kölner Schauspielhaus
Doch noch Rettung?
Von Hans-Detlev v. Kirchbach

Weit über 30.000 Unterschriften hat die Bürgeraktion zum Erhalt des Schauspielhauses ihren Angaben bereits gesammelt. Symbolische 11 Kisten mit den Unterschriften übergaben die Initiativ-Vertreter, angeführt von ihrem Sprecher, dem Journalisten Jörg Jung, am Dienstag letzter Woche der Politik- und Verwaltungsspitze der Stadt Köln in Gestalt von OB Roters und Stadtdirektor Kahlen. Das Bürgerbegehren  wird also mit Sicherheit zustande kommen, ob allerdings auch, wie von den Aktivisten erwünscht, im "Doppelpack" mit der Landtagswahl am 9. Mai, steht noch dahin. Doch scheint der Erfolg dieser Unterschriftenaktion, mag sie auch ein bißchen spät gekommen sein, Anlaß genug, noch einmal ein paar Schlaglichter hinter die Kulissen zu werfen.

Vor der Übergabe der Unterschriftenkisten an Politik und Verwaltung  
Fotos: H-D. v.Kirchbach

"Daß ausgerechnet das jahrelang für entbehrlich erklärte Riphahn-Schauspiel nun zur architektonischen Reliquie erhoben wird", fand ein Kommentator der Kölnischen Rundschau zwar befremdlich, registrierte aber, daß der "Neubau mehr Argwohn als Zustimmung" erwecke. Doch geht es durchaus nicht nur um diffuse Affekte, sondern um begründete architekturgeschichtliche und städtebauliche Kriterien, die den Theaterfreunden um Jörg Jung die Demontage des "Riphahn-Ensembles", nach jahrzehntelangem typisch kölschen Verfalls-Schlendrian, als einen - im weiteren Sinne - Kulturskandal erscheinen lassen.

Weltbekannt sogar in Düsseldorf: Das kölsche Verfalls-Syndrom

Selbst dem - wenn auch in Düsseldorf erscheinenden, konservativen - Rheinischen Merkur fällt auf: "Wegducken und Vernebeln ist in Köln zur Königsdisziplin geworden." Was der Merkur auf die Kölner "Spitzenkatastrophe", den Einsturz des Stadtarchivs bezog, läßt sich ohne weiteres auch auf den langsamen Einsturz, den jahrzehntelangen Verfall, des Schauspielhauses, beziehen. Überhaupt zeigen sich kulturkompetentere überregionale Presseorgane jedenfalls um Kölner Baudenkmäler - aus übergreifender architekturhistorischer Sicht - weitaus besorgter als die Kölner Stadtpolitik; und auch die lokale Monopolpresse scheint ihrer sogenannten Wächteraufgabe (nicht nur) in dieser Hinsicht nur unzureichend nachgekommen zu sein.

Latenter Kulturkampf gegen die Moderne?

Ira Mazzoni zitiert in der Süddeutschen Zeitung vom 18. Februar das Kölner Beispiel als Symptom für einen, wie sie findet, allgemeinen und alarmierenden, stadtbaupolitischen Trend: "Abrissunternehmen Moderne". Was Köln betrifft, ist das Riphahn-Ensemble ja nicht das einzige Beispiel dieser Art. Ira Mazzoni verweist insbesondere auf die "Vernichtung des Joseph-Haubrich-Forums und damit eines guten Stücks Kölner Westkunst-Avantgarde", der ein jahrelanges, stadtverunstaltendes, Bauloch folgte. Die Ideologie- und Mentalitätsanalyse, die Ira Mazzoni ihrer "Trenddiagnose" zugrunde legt, bringt die eher abgründigen Motive "liebloser Vernutzung" auch bedeutender Nachkriegsarchitektur in unseren Städten - und namentlich in Köln - so präzise auf den Punkt, daß sie hier zitiert sei: "Prominente Bauten der Nachkriegsmoderne stehen kurz vor ihrer Zerstörung - trotz Denkmalschutz und Nachhaltigkeitsgebots. 'Weg mit dem hässlichen Koloss!' Wenn es um Architektur und Städtebau der Nachkriegsmoderne geht, dann werden Stammtisch-Parolen in die Gazetten gegrölt. Rosthaufen, Affenfelsen, Elefantenklo: Schon die Spottnamen signalisieren Unverständnis und Abscheu."


Demonstration vor dem Historischen Rathaus: "Köln kann auch anders!"

"Lieblose Vernutzung"- treffender könnte man den Umgang mit Schauspielhaus und Oper nicht beschreiben - und im Übrigen auch nicht den mit dem aus angeblich immer noch "ungeklärten Gründen" mal eben so eingestürzten Stadtarchiv. Als Zeichen gegen derlei Kulturlosigkeit, als "Aufbruch gegen Abriß" begrüßte denn auch die "ZEIT" die Kölner Künstler-Initiative und ihren publikumswirksamen Protest beim Rosenmontagszug.

Dissonante Klänge aus der Oper

Freilich wäre es verfehlt, die gesamte Kölner Kulturszene auf der Seite der Erhaltungs-Initiative zu verorten. Andreas Hupke, Personalratsvorsitzender der Bühnen, nebenbei Bezirksbürgermeister Innenstadt für die "Grünen", und der "zuständige" ver.di-Gewerkschaftssekretär für Kulturelles, Martin Nees, plädieren unmißverständlich für Abriß und Neubau. Vor allem aber Opernintendant Uwe Eric Laufenberg bekennt sich als dezidierter Befürworter von Abriß und Neubau. Gegenüber der WELT bekundete er angesichts des Karnevalswagens der Schauspielfreunde: "Wenn alles nur ein Karnevalsscherz gewesen sein sollte, dann wäre ich glücklich." Dirk Bach etwa habe, nachdem er, Laufenberg, sich den Komödianten wegen seiner Unterschrift für die Erhaltung des Riphahn-Baus vorgeknöpft habe, bekannt: "So genau habe er sich das nicht überlegt, es sei mehr so ein sentimentales Gefühl gewesen." Laufenbergs Hauptargument für tabula rasa: "Das derzeitige Schauspielhaus wurde nur als Appendix ans Opernhaus drangebaut und ist für einen Spielbetrieb völlig ungeeignet, deshalb müssen  wir uns hier im Opernhaus die Räume teilen. Es herrscht ein völliges Chaos, das durch  eine reine Sanierung nicht behoben werden wird."


Initiativ-Sprecher Jörg Jung (links) und Jörg Detjen von der LINKEN übergeben Stadtdirektor Kahlen und OB Roters (rechts) mehr als 30.000 Unterschriften

Jürgen Flimm, der dieserhalb schon 1985 das Schauspielhaus verlassen habe, setzt sich heute freilich für dessen Renovierung ein. Ein Umstand, der dem Opernintendanten nun gänzlich "schleierhaft" erscheint. Schleierhaft scheint allerdings auch, ob und in welcher Weise die drei genannten Herren in den vergangenen Jahren aus ihren jeweiligen herausgehobenen Positionen heraus den Bauverfall des Riphahn-Ensembles registriert und bei den politischen Instanzen dieser Stadt, zu denen sie teils selbst gehören, nachhaltig thematisiert haben. Damit sei nicht unterstellt, daß auch sie, und sei es wider Willen, Teil jenes - siehe oben - mittlerweile weltweit sprichwörtlichen kölschen Schlendrians sind, der jetzt nach Jahren des Niedergangs nur noch die Option "Fott damit" und Neubau zu sehen scheint. Natürlich ist für die Enscheidung für die eine oder andere Alternative auch ausschlaggebend, welche der Funktionsfähigkeit eines Schauspielhauses am besten zugute kommt. Was nützt allerdings ein neues Haus, wenn es mit womöglich um 400 Millionen Euro Erstehungskosten so teuer käme, daß in ihm nur noch "Sparprogramme" stattfinden könnten? Dies zu bedenke gebend, betont  Jörg Jung von der Bürgerinitiative, die Renovierungspläne sähen "umfangreiche Umbaumaßnahmen" vor, um das Haus ohne Abriß wesentlich kostengünstiger funktionsfähig zu gestalten (hören Sie das Interview mit Jörg Jung am Ende dieses Artikels).

Druck-Kulisse

Trotz des Vorab-Erfolges mit den weit über 30.000 Unterschriften für das Bürgerbegehren steht freilich dahin, ob die von den Initiatoren gewünschte Terminierung eingehalten, das Bürgerbegehren also gemeinsam mit der Landtagswahl am 9. Mai durchgeführt werden kann.
Niemand beabsichtige, so beteuerten OB und Stadtdirektor unisono, das Bürgerbegehren zu torpedieren. Doch stellen sich nach Aussage des Stadtdirektors erhebliche technische und organisatorische Probleme, die einer gleichzeitigen Durchführung von Bürgerbegehren und Landtagswahl entgegenstehen.

Insbesondere könnte eine Verbindung des Bürgerbegehrens mit dem Termin der Landtagswahl daran scheitern, daß keine  Druckerei gefunden werden kann, die in der Lage wäre, in dieser kurzen Zeit noch zusätzlich über 700.000 Stimmzettel für diesen Zweck herzustellen, meinte Guido Kahlen. Zudem sei man rechtlich daran gehalten, für die Beauftragung eines Druckereibetriebes eine europaweite Ausschreibung zu veranstalten. Das alles werde bis zur Landtagswahl nicht mehr gelingen, bedauerte Kahlen. Er versprach jedoch, das Bürgerbegehren noch vor den Sommerferien möglich zu machen. Auch OB Roters betonte bei der Übergabe nochmals, wie wichtig diese Initiative, unabhängig von den Sachstandpunkten, für ihn unter dem Aspekt seines Leitbildes einer "lebendigen Stadtdemokratie" sei. So wollten denn auch die Vertreter der "Rettungs-Intitiative" nicht mehr an "Tricksereien" der Stadtverwaltung denken, die das Bürgerbegehren hintertreiben sollten.

Vielleicht also kann, was das Schauspielhaus betrifft, doch noch verhindert werden, was Alex Rühle in der Süddeutschen vom 17. Februar so bespöttelt: "In Köln reißt man intakte Häuser ab. Ävver bitte mit Jeföhl!" (PK)

hörclip Hören Sie hier ein Interview mit  dem Sprecher der Intiative zur Rettung des Schauspielhauses, Jörg Jung: 


Lesen Sie dazu noch die an den Stadtrat gerichtete Stellungnahme von Prof. Feinen in dieser NRhZ
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Online-Flyer Nr. 240  vom 10.03.2010



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