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EL-DE-Haus – Wanderausstellung „Freizeit im Faschismus“
„Schöner Schein“
Von Jürgen Schön

Die auf den ersten Blick unpolitischen Angebote beeindruckten so, dass noch heute viele – und nicht nur Neonazis – dies als soziale Errungenschaft loben. Dabei war die Freizeitpolitik – wie auch die Autobahn – keine Erfindung der Nationalsozialisten. Sie hatten sie von den italienischen Faschisten abgeguckt und profitierten zudem von der Übernahme der gleichgeschalteten Freizeitorganisationen etwa der deutschen Arbeiterbewegung. So konnte man allein (auf heutige Verhältnisse umgerechnet) rund eine Milliarde Euro beschlagnahmter Gewerkschaftsgelder für diese Maßnahmen einsetzen.

Die Wanderausstellung “Freizeit im Faschismus“ – eine deutsch-italienisch-tschechische Koproduktion – im Kölner EL-DE-Haus will diesen “schönen Schein“ zerstören. Auf 35 Tafeln werden die Bezüge zum italienischen Vorbild gezeigt, an vielen Beispielen die Politik der “Kraft durch Freude“-Organisation (KdF) erläutert und auch deren Wirkung über 1945 hinaus. Historische Fotos machen das Studium der Texte nicht ganz so trocken. Die Ausstellung wurde vom Dokumentationszentrum Prora organisiert, sie war schon in Bologna, Rom, Prag, Olmütz und auf dem Obersalzberg zu sehen.
Mit Bahnreisen, Wandertouren, Kreuzfahrten und Feriensiedlungen (die größte – Prora auf Rügen – war für 20.000 Urlauber geplant, wurde aber nie fertiggestellt) wurden die “Volksgenossen“ gelockt, viele konnten sich so erstmals einen Urlaub leisten. Diese Politik von “Zuckerbrot und Peitsche“ wurde sogar im besetzten “Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ eingesetzt. Dass die Tagesabläufe oft durchorganisiert waren und kontrolliert wurden, störte die Teilnehmer offensichtlich nicht. Sie fühlten sich wohl schon als Teil der angestrebten “Volksgemeinschaft“. Zumindest sind keine Fluchten bei den Auslands-Kreuzfahrten bekannt (anders als etwa später in der DDR). So wurde die Loyalität zum Regime gefestigt, die Arbeitskraft gestärkt und nicht nur beim KdF-Sport körperlich, geistig und psychisch auf den Krieg vorbereitet. Mit dessen Beginn wurde dann ein Großteil der Freizeitangebote eingestellt.
Trotzdem konnte die Freizeit – auch im Urlaub – weiter individuell gestaltet werden. Davon zeugt das Fotoalbum einer rheinischen Familie. Ein anderer Reisebericht dokumentiert die Begeisterung einer Thüringer KdF-Reisegruppe 1935 durchs Rheinland. Sie lobt die „kolossale Propaganda gegen Juden“ in Köln und Bonn und dankt dem „Führer Adolf Hitler, der diese herzlichen Stunden ermöglichte.“ (PK)
„Freizeit im Faschismus“ – NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln, bis 24. 5., Dienstag, Mittwoch und Freitag 10 bis 16 Uhr, Donnerstag 10 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag 11 bis 16 Uhr, Eintrittspreise: 3,60/1,50 Euro.
Fotos aus der Ausstellung
Online-Flyer Nr. 196 vom 06.05.2009
EL-DE-Haus – Wanderausstellung „Freizeit im Faschismus“
„Schöner Schein“
Von Jürgen Schön

Die auf den ersten Blick unpolitischen Angebote beeindruckten so, dass noch heute viele – und nicht nur Neonazis – dies als soziale Errungenschaft loben. Dabei war die Freizeitpolitik – wie auch die Autobahn – keine Erfindung der Nationalsozialisten. Sie hatten sie von den italienischen Faschisten abgeguckt und profitierten zudem von der Übernahme der gleichgeschalteten Freizeitorganisationen etwa der deutschen Arbeiterbewegung. So konnte man allein (auf heutige Verhältnisse umgerechnet) rund eine Milliarde Euro beschlagnahmter Gewerkschaftsgelder für diese Maßnahmen einsetzen.

Die Wanderausstellung “Freizeit im Faschismus“ – eine deutsch-italienisch-tschechische Koproduktion – im Kölner EL-DE-Haus will diesen “schönen Schein“ zerstören. Auf 35 Tafeln werden die Bezüge zum italienischen Vorbild gezeigt, an vielen Beispielen die Politik der “Kraft durch Freude“-Organisation (KdF) erläutert und auch deren Wirkung über 1945 hinaus. Historische Fotos machen das Studium der Texte nicht ganz so trocken. Die Ausstellung wurde vom Dokumentationszentrum Prora organisiert, sie war schon in Bologna, Rom, Prag, Olmütz und auf dem Obersalzberg zu sehen.
Mit Bahnreisen, Wandertouren, Kreuzfahrten und Feriensiedlungen (die größte – Prora auf Rügen – war für 20.000 Urlauber geplant, wurde aber nie fertiggestellt) wurden die “Volksgenossen“ gelockt, viele konnten sich so erstmals einen Urlaub leisten. Diese Politik von “Zuckerbrot und Peitsche“ wurde sogar im besetzten “Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ eingesetzt. Dass die Tagesabläufe oft durchorganisiert waren und kontrolliert wurden, störte die Teilnehmer offensichtlich nicht. Sie fühlten sich wohl schon als Teil der angestrebten “Volksgemeinschaft“. Zumindest sind keine Fluchten bei den Auslands-Kreuzfahrten bekannt (anders als etwa später in der DDR). So wurde die Loyalität zum Regime gefestigt, die Arbeitskraft gestärkt und nicht nur beim KdF-Sport körperlich, geistig und psychisch auf den Krieg vorbereitet. Mit dessen Beginn wurde dann ein Großteil der Freizeitangebote eingestellt.
Trotzdem konnte die Freizeit – auch im Urlaub – weiter individuell gestaltet werden. Davon zeugt das Fotoalbum einer rheinischen Familie. Ein anderer Reisebericht dokumentiert die Begeisterung einer Thüringer KdF-Reisegruppe 1935 durchs Rheinland. Sie lobt die „kolossale Propaganda gegen Juden“ in Köln und Bonn und dankt dem „Führer Adolf Hitler, der diese herzlichen Stunden ermöglichte.“ (PK)
„Freizeit im Faschismus“ – NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln, bis 24. 5., Dienstag, Mittwoch und Freitag 10 bis 16 Uhr, Donnerstag 10 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag 11 bis 16 Uhr, Eintrittspreise: 3,60/1,50 Euro.
Fotos aus der Ausstellung
Online-Flyer Nr. 196 vom 06.05.2009














