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Inland
Ultrarechte Profiteure antiislamischer Stimmungsmache
„Pro Köln“ und seine Vorbilder
Von Klaus von Raussendorff
Panikmache „von oben“
Seit einiger Zeit schon werden Ängste geschürt, die von Einzelnen unter Umständen subjektiv ehrlich empfunden werden können und so zu einem gefährlichen Sprengsatz in der Gesellschaft werden. Es drohe, so heißt es, eine „Gefahr der Islamisierung“ Deutschlands und Europas. Von der Region des Mittleren Ostens gehe eine „Bedrohung“ aus. „Terror“ und „Islamismus“ werden zu einer feststehenden Wortverbindung. Derartige Panikmache kommt vor allem „von oben“. Es sind die Instanzen des Staates und die Medien der Konzerne, die das Geschäft der Verbreitung antiislamischer Ängste betreiben. Sie bearbeiten das Massenbewusstsein mit islamfeindlichen Ressentiments vor allem zu dem Zweck, die Menschen vom Kampf gegen die realen Nöte und Missstände der Gesellschaft abzulenken. Kultureller Überlegenheitsdünkel gegenüber fremden Kulturen wird verbreitet, weil dies zur Aufrechterhaltung eines maroden, ungerechten Gesellschaftssystems notwendig erscheint.
Schreckgespensterfabrik mit Tradition
Skrupellos sind die Produzenten falscher Feindbilder schon immer gewesen. In der Zeit des letzten Weltkriegs erfand der Faschismus als Vorwand für seine Terrorherrschaft das Schreckgespenst des „jüdischen Bolschewismus“. Im Kalten Krieg erfand der militärisch-industrielle Komplex der USA als Vorwand für imperialistische Hochrüstung und Neokolonialismus das Schreckgespenst der „Gefahr aus dem Osten“. Dort ist das post-sozialistische Russland immer noch eine Großmacht. Und siehe da: als Russland den verbrecherischen georgischen Überfall auf Südossetien abwehrte, tauchte in deutschen Medien flugs ein altes Gespenst wieder auf: der altbekannte Russenhass zweier Weltkriege und des Kalten Krieges. Es scheint, dass unsere Gesellschaftsordnung ohne Kriege und Kriegswirtschaft nicht lebensfähig ist und so immer neue Bedrohungsgespenster produziert.
Das aktuellste Fabrikat der medialen Gespensterfabrik ist die „vom Islamismus ausgehende Gefahr“. Es sollte mit seinem richtigen, auf die Fabrikationsbedingungen verweisenden Namen als Islamophobie bezeichnet werden. Die Stunde der virulenten Islam-Feindlichkeit schlug mit dem 11. September 2001. In New York wurden drei (nicht zwei) Türme zum Einsturz gebracht. Fast 3.000 Menschen vieler Nationalitäten verloren ihr Leben. Bis heute sind die Umstände nicht wirklich geklärt. Die Öffentlichkeit wird mit der unwahrscheinlichsten aller Verschwörungstheorien abgespeist. Danach soll dieser bisher größte Akt des Katastrophen-Terrorismus, dessen Komplexität der Umstände beispiellos ist, gegen den welt-mächtigsten Staat und seine ausgeklügelten Abwehr- und Sicherheitssysteme von 19 jungen Glaubenskriegern unter der Anleitung des ehemaligen CIA-Agenten Osama Bin Laden bewerkstelligt worden sein.
Eine fremde Religion avanciert zum Feindbild
Fest steht allein die Tatsache, dass dieser „Elfte September“ der Regierung Bush-Cheney einen ersehnten Vorwand lieferte. Washington startete unter wechselnden Vorwänden und in variablen Koalitionen der Mordwilligen einen Dauerkrieg, dessen Ziel die Umgestaltung des größeren Mittleren Ostens ist. Erste Etappen der geopolitischen Konfrontation waren die andauernden und nicht zu gewinnenden Besatzungskriege in Afghanistan und im Irak. In Komplizenschaft mit Pentagon und Weißem Haus erfolgte der israelische Bombenterror gegen den Libanon, der seine strategischen Ziele kläglich verfehlte. Er sollte im Libanon die strategischen Verbündeten der Palästinenser ausschalten. Die Hezbollah ist inzwischen in einer Regierung der nationalen Einheit vertreten. Ferner sollten Regimewechsel auch in Damaskus und Teheran vorbereitet werden. Syrien hat inzwischen seine außenpolitische Isolation durchbrochen. Doch nach wie vor droht die Gefahr eines Militärschlags gegen den Iran. Die Kräfte der nationalen Selbstbehauptung in der Region sind - wie könnte es anders sein - weitgehend von der islamischen Kultur geprägt. Gerade der islamisch motivierte Widerstand macht den imperialistischen Kreuzfahrern zu schaffen. So avancierte in der medialen Gehirnwäsche die ganze muslimische Religion zu einem Gespenst, das die vom Westen angegriffenen Länder und Menschen verkörpern soll.
Antiislamische Querfront
In der allgegenwärtigen Anti-Islam-Hetze wittern Ultrarechte wie „Pro Köln“ - wen wundert’s? - eine einmalige Chance, sich als bürgerlich zahm und manierlich zu präsentieren.
Pro Köln-Fraktion im Kölner Stadtrat
Foto: NRhZ-Archiv
Im Strom des Zeitgeistes schwimmend, hoffen sie ihre Anhängerschaft in der „Mitte“ vergrößern zu können. Dabei stehen sie mit ihrer antiislamischen Propaganda praktisch in einer objektiv vorhandenen „zivilgesellschaftlichen“ Querfront gegen „den“ Islam. Dazu zählt einmal ein politisches Christentum, das militant staatstragend auftritt. Papst Benedikt musste sich zwar vor der islamischen Welt dafür entschuldigen, dass er in seiner Regensburger Rede - theologisch verklausuliert - den Islam für vernunftfeindlich und gewaltbereit erklärt hatte. Das hindert aber die oft christlich auftretenden Ultrarechten nicht, sich durch „christliche Werte“ in ihren antiislamischen Ressentiments bestätigt zu fühlen.

Ralph Giordano:
„Nicht die Migration,
der Islam ist das Problem“.
Foto: NRhZ-Archiv
Zur antiislamischen Querfront zählt ferner die ganze Truppe der Bewunderer, Unterstützer und Schönredner amerikanisch-israelischer Gewaltpolitik. So erklärte der Schriftsteller Ralph Giordano am 31. Mai in seiner Eröffnungsrede auf einem anderen hetzerischen aber von Protesten unbehelligten Anti-Islamkongress, der ebenfalls in Köln - aber nicht von Neo-Faschisten sondern vom Verein der Ex-Muslime und der Giordano-Bruno-Stiftung -veranstaltet wurde: „Nicht die Migration, der Islam ist das Problem“. Ein Jahr zuvor war er durch ähnliche Äußerungen im KStA-TV unter Gesprächsleitung von dessen Chefredakteur Franz Sommerfeld zum Pro Köln-Liebling avanciert (siehe NRhZ Nr. 97 vom 30. Mai 2007: „Im KStA-TV gegen die Moschee“).
Und ein Thomas von der Osten-Sacken, Geschäftsführer der hauptsächlich im Nord-Irak aktiven Nichtregierungsorganisation Wadi e.V. behauptete auf einer Iran-Konferenz in Berlin Anfang Mai, dass der „Islam-Nazismus“ dem deutschen Nationalsozialismus ähnlich sei. Dagegen sei ein Antifaschismus vonnöten, dessen Ziel es sein müsse, diesen „Islam-Nazis“ „aufs Maul zu hauen, zu verknasten und umzubringen“. Während sich Jargon und Methoden der „anti-deutschen“ Pro-Zionisten denen ihrer angeblichen neofaschistischen Antipoden ähneln, bemerken diese allmählich, dass traditioneller Antisemitismus für ihre ultrarechte Demagogie eher hinderlich ist. Mittlerweile gibt es im Internet eine Webseite „Nationale Sozialisten für Israel“. Die Extreme berühren sich! (PK)
Online-Flyer Nr. 161 vom 27.08.2008
Ultrarechte Profiteure antiislamischer Stimmungsmache
„Pro Köln“ und seine Vorbilder
Von Klaus von Raussendorff
Panikmache „von oben“
Seit einiger Zeit schon werden Ängste geschürt, die von Einzelnen unter Umständen subjektiv ehrlich empfunden werden können und so zu einem gefährlichen Sprengsatz in der Gesellschaft werden. Es drohe, so heißt es, eine „Gefahr der Islamisierung“ Deutschlands und Europas. Von der Region des Mittleren Ostens gehe eine „Bedrohung“ aus. „Terror“ und „Islamismus“ werden zu einer feststehenden Wortverbindung. Derartige Panikmache kommt vor allem „von oben“. Es sind die Instanzen des Staates und die Medien der Konzerne, die das Geschäft der Verbreitung antiislamischer Ängste betreiben. Sie bearbeiten das Massenbewusstsein mit islamfeindlichen Ressentiments vor allem zu dem Zweck, die Menschen vom Kampf gegen die realen Nöte und Missstände der Gesellschaft abzulenken. Kultureller Überlegenheitsdünkel gegenüber fremden Kulturen wird verbreitet, weil dies zur Aufrechterhaltung eines maroden, ungerechten Gesellschaftssystems notwendig erscheint.
Schreckgespensterfabrik mit Tradition
Skrupellos sind die Produzenten falscher Feindbilder schon immer gewesen. In der Zeit des letzten Weltkriegs erfand der Faschismus als Vorwand für seine Terrorherrschaft das Schreckgespenst des „jüdischen Bolschewismus“. Im Kalten Krieg erfand der militärisch-industrielle Komplex der USA als Vorwand für imperialistische Hochrüstung und Neokolonialismus das Schreckgespenst der „Gefahr aus dem Osten“. Dort ist das post-sozialistische Russland immer noch eine Großmacht. Und siehe da: als Russland den verbrecherischen georgischen Überfall auf Südossetien abwehrte, tauchte in deutschen Medien flugs ein altes Gespenst wieder auf: der altbekannte Russenhass zweier Weltkriege und des Kalten Krieges. Es scheint, dass unsere Gesellschaftsordnung ohne Kriege und Kriegswirtschaft nicht lebensfähig ist und so immer neue Bedrohungsgespenster produziert.
Das aktuellste Fabrikat der medialen Gespensterfabrik ist die „vom Islamismus ausgehende Gefahr“. Es sollte mit seinem richtigen, auf die Fabrikationsbedingungen verweisenden Namen als Islamophobie bezeichnet werden. Die Stunde der virulenten Islam-Feindlichkeit schlug mit dem 11. September 2001. In New York wurden drei (nicht zwei) Türme zum Einsturz gebracht. Fast 3.000 Menschen vieler Nationalitäten verloren ihr Leben. Bis heute sind die Umstände nicht wirklich geklärt. Die Öffentlichkeit wird mit der unwahrscheinlichsten aller Verschwörungstheorien abgespeist. Danach soll dieser bisher größte Akt des Katastrophen-Terrorismus, dessen Komplexität der Umstände beispiellos ist, gegen den welt-mächtigsten Staat und seine ausgeklügelten Abwehr- und Sicherheitssysteme von 19 jungen Glaubenskriegern unter der Anleitung des ehemaligen CIA-Agenten Osama Bin Laden bewerkstelligt worden sein.
Eine fremde Religion avanciert zum Feindbild
Fest steht allein die Tatsache, dass dieser „Elfte September“ der Regierung Bush-Cheney einen ersehnten Vorwand lieferte. Washington startete unter wechselnden Vorwänden und in variablen Koalitionen der Mordwilligen einen Dauerkrieg, dessen Ziel die Umgestaltung des größeren Mittleren Ostens ist. Erste Etappen der geopolitischen Konfrontation waren die andauernden und nicht zu gewinnenden Besatzungskriege in Afghanistan und im Irak. In Komplizenschaft mit Pentagon und Weißem Haus erfolgte der israelische Bombenterror gegen den Libanon, der seine strategischen Ziele kläglich verfehlte. Er sollte im Libanon die strategischen Verbündeten der Palästinenser ausschalten. Die Hezbollah ist inzwischen in einer Regierung der nationalen Einheit vertreten. Ferner sollten Regimewechsel auch in Damaskus und Teheran vorbereitet werden. Syrien hat inzwischen seine außenpolitische Isolation durchbrochen. Doch nach wie vor droht die Gefahr eines Militärschlags gegen den Iran. Die Kräfte der nationalen Selbstbehauptung in der Region sind - wie könnte es anders sein - weitgehend von der islamischen Kultur geprägt. Gerade der islamisch motivierte Widerstand macht den imperialistischen Kreuzfahrern zu schaffen. So avancierte in der medialen Gehirnwäsche die ganze muslimische Religion zu einem Gespenst, das die vom Westen angegriffenen Länder und Menschen verkörpern soll.
Antiislamische Querfront
In der allgegenwärtigen Anti-Islam-Hetze wittern Ultrarechte wie „Pro Köln“ - wen wundert’s? - eine einmalige Chance, sich als bürgerlich zahm und manierlich zu präsentieren.
Pro Köln-Fraktion im Kölner StadtratFoto: NRhZ-Archiv
Im Strom des Zeitgeistes schwimmend, hoffen sie ihre Anhängerschaft in der „Mitte“ vergrößern zu können. Dabei stehen sie mit ihrer antiislamischen Propaganda praktisch in einer objektiv vorhandenen „zivilgesellschaftlichen“ Querfront gegen „den“ Islam. Dazu zählt einmal ein politisches Christentum, das militant staatstragend auftritt. Papst Benedikt musste sich zwar vor der islamischen Welt dafür entschuldigen, dass er in seiner Regensburger Rede - theologisch verklausuliert - den Islam für vernunftfeindlich und gewaltbereit erklärt hatte. Das hindert aber die oft christlich auftretenden Ultrarechten nicht, sich durch „christliche Werte“ in ihren antiislamischen Ressentiments bestätigt zu fühlen.

Ralph Giordano:
„Nicht die Migration,
der Islam ist das Problem“.
Foto: NRhZ-Archiv
Und ein Thomas von der Osten-Sacken, Geschäftsführer der hauptsächlich im Nord-Irak aktiven Nichtregierungsorganisation Wadi e.V. behauptete auf einer Iran-Konferenz in Berlin Anfang Mai, dass der „Islam-Nazismus“ dem deutschen Nationalsozialismus ähnlich sei. Dagegen sei ein Antifaschismus vonnöten, dessen Ziel es sein müsse, diesen „Islam-Nazis“ „aufs Maul zu hauen, zu verknasten und umzubringen“. Während sich Jargon und Methoden der „anti-deutschen“ Pro-Zionisten denen ihrer angeblichen neofaschistischen Antipoden ähneln, bemerken diese allmählich, dass traditioneller Antisemitismus für ihre ultrarechte Demagogie eher hinderlich ist. Mittlerweile gibt es im Internet eine Webseite „Nationale Sozialisten für Israel“. Die Extreme berühren sich! (PK)
Online-Flyer Nr. 161 vom 27.08.2008














