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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Lokales
Gewerkschaft wirft Künstlerbedarf Demokratiefeindlichkeit vor
Boeser Boesner!
Von Hans-Dieter Hey

In mehreren Städten kam es am Samstag, 7. Juni, zu Protestaktionen gegen die Künstlerbedarfskette Boesner. Offenbar erlaubt sich die Kölner Geschäftsführerin Carmen Gieselmann eine recht eigenwillige Interpretation deutscher Gesetze. Die internationale Gewerkschaft IWW wirft ihr vor, Anfang 2008 die Betriebsratswahlen in Köln massiv beeinflusst zu haben. Das ist aber noch nicht alles.

In mehreren Städten kam es am Samstag, 7. Juni, zu Protestaktionen gegen die Künstlerbedarfskette Boesner. Offenbar erlaubt sich die Kölner Geschäftsführerin Carmen Gieselmann eine recht eigenwillige Interpretation deutscher Gesetze. Die internationale Gewerkschaft IWW wirft ihr vor, Anfang 2008 die Betriebsratswahlen in Köln massiv beeinflusst zu haben. Das ist aber noch nicht alles.

Solidarisch und mit Flugblättern und Transparenten mit dem Aufdruck "Boesner bosse boese" bewaffnet machten aktive Gewerkschafter der Industrial Workers of the World (IWW) ihrem Unmut über die Kölner Führung in fünf Städten vor Boesners Künsterläden ordentlich Luft. Auch Mitglieder der Freien-ArbeiterInnen-Union (FAU) und der österreichischen Föderation der ArbeiterInnen Syndikate nahmen an den Protestveranstaltungen teil.


Quelle: Gewerkschaft IWW, Köln

Die Chefin - von Günstlingen flankiert

In der Kölner Filiale arbeiten 25 Beschäftigte. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz könnten sie längst einen Betriebsrat haben, der ihre Interessen gegenüber der Geschäftsleitung vertritt. Doch soweit ist es Anfang dieses Jahres erst gar nicht gekommen. Mit starkem persönlichem Einsatz habe sich Carmen Gieselmann - so die IWW - offenbar dafür eingesetzt, aktive Gewerkschafter aus dem Rennen zu drängen. Durch eigene „Günstlinge flankiert" habe sie dafür selbst Betriebsversammlungen einberufen. Zuvor waren wohl auch einzelne Beschäftigte in persönlichen „Einzelgesprächen" entsprechend bearbeitet worden. „Der aktive Teil der Belegschaft" - so der Vorwurf der Gewerkschaft IWW - „zog die Betriebsratswahl entnervt zurück".

Umbau nach US-Muster?

Das offenbar massive Vorgehen von Gieselmann könnte auch noch andere Gründe haben. Die Künstlerbedarfskette soll - so wird gemunkelt - zum Zwecke der Expansion nach amerikanischem Muster umgebaut werden. Da würde es stören, wenn aktive Beschäftigte sich zum Beispiel gegen die Ausweitung von Wochenarbeitszeiten wehren würden. Denn zum Ausgleich zusätzlicher Belastungen ist wohl kein zusätzliches Personal vorgesehen. Für den Bereich Kasse in Köln würde dies bedeuten, dass die Personaldecke dort dünner wird, weil künftig nur noch vier statt bisher fünf MitarbeiterInnen arbeiten. Und die klagen bereits jetzt über den Arbeitsdruck in den Stoßzeiten. Deshalb fordert die Gewerkschaft IWW, dass Boesner für den zusätzlichen Samstag auch zusätzlich Personal einstellt und für die Arbeit am Wochenende einen finanziellen Ausgleich leistet. Auch eine einheitliche Arbeitskleidung lehnen die Beschäftigten bei Boesner ab. Ohne aktive Interessenvertretung wäre die Durchsetzung weitere Nachteile für die Beschäftigen absehbar, das jedenfalls zeigen die Erfahrungen aus anderen Betrieben: Ausweitungen der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeiten, Einsatz von Billig-Beschäftigten oder Fragen der Urlaubsgewährung sind da nur Einzelbeispiele.
 
Die Firma Boesner ist inzwischen längst nicht mehr jene Klitsche, die vor 25 Jahren von Wolfgang Boesner gegründet wurde. Mit 25 Filialen und inzwischen um die 600 Beschäftigten bedient er nach eigenen Aussagen als „Weltmarktführer" rund 950.000 Kunden. Da sollte doch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Boesner zu dieser Größe verholfen haben, auch etwas mehr abfallen und eine Interessenvertretung möglich sein. (PK) 


Online-Flyer Nr. 151  vom 12.06.2008



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