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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Lokales
US-Kriegs-GegnerInnen in der Alten Feuerwache
Stimmen gegen den Krieg
Von Ariane Detloff

Die Antikriegsbewegung in den USA ist größer als mensch hier landläufig erfährt. Zwei US-Kriegs-GegnerInnen machten während einer Tour durch die Bundesrepublik, organisiert von Connection e.V. (eine Unterstützungs- Organisation für DeserteurInnen und KriegsdienstverweigerInnen mit Sitz in Offenbach) und der DFG/VK (Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen) in Köln Station: Aimée Allison und Chris Capps.

Die Anti-Rekrutierungsbewegung ist in den Staaten sehr aktiv, und auch unter SoldatInnen wächst Widerstand – über 70 000 Entfernungen von der Truppe bislang sprechen für sich, und mittlerweile lehnen über siebzig Prozent der US-Bevölkerung den Irak-Krieg ab. Aimée Allison war Sanitäterin in der US-Armee während des 2. Golfkriegs und verweigerte 1991 aus Gewissensgründen den Dienst; Cris Capps kehrte 2006 von einem Heimaturlaub nicht zur Truppe zurück. Er wurde als Deserteur unehrenhaft entlassen und organisierte sich bei den „Iraq Veterans against the War“.



Friedensdemo in San Francisco
Quelle: Tiangreens.org


College-Ausbildung in Aussicht gestellt
 
Im Bürgerzentrum Alte Feuerwache berichteten sie von ihren Anti-Kriegs-Aktivitäten. Aimée Allison aus Oakland, California stellte die Kampagne „Courage to resist“ vor. Es gehe darum, die Lügen der Rekrutierer zu enttarnen, mit denen sie benachteiligte junge US-AmerikanerInnen - vor allem Farbige und MigrantInnen - für die Armee ködern wollen. Zum Beispiel wird den ohne eine Qualifikation chancenlosen Jugendlichen eine College-Ausbildung in Aussicht gestellt, falls sie SoldatIn werden - angeblich nach zwei Jahren. Dass sie sich real für acht Jahre verpflichten müssen, wird verschwiegen. Dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in einen der laufenden „Anti-Terror“-Kriege geschickt werden, desgleichen. Und dass sie gute Chancen haben, am sogenannten Golfkriegssyndrom infolge der dort verwendeten Uranmunition zu erkranken, schweren Traumatisierungen ausgesetzt werden oder Ärgeres, wird nicht thematisiert. Das Wort „töten“ kommt in den Propaganda-Reden und -Broschüren des US Militärs nicht vor. Vielmehr wird viel vom Einsatz für Frieden, Freiheit und democracy in den bekriegten Ländern schwadroniert. 


Aimée Allison und Chris Capps
Quelle: www.connection.ev


Aimée wollte Ärztin werden
 
Die junge ehrgeizige Aimée - sie wollte Ärztin werden -, ließ sich also anheuern. Ihre Eltern - farbig, arm, Ernährer von sechs Kindern - konnten ihr kein Studium finanzieren. Und Chris schlug sich als Pizzafahrer durch. Von seinem Lohn konnte er sich keine Wohnung leisten. So musste er als Zwanzigjähriger weiter bei seinen Eltern in New Jersey wohnen - ohne Perspektive, seine Lebenssituation zu bessern. 2005 verpflichtete er sich zur Armee und glaubte, damit seinem Land zu dienen. Im „Camp Victory“ in Bagdad, wo er als Kommunikationstechniker eingesetzt war, merkte er bald, dass es nicht um hehre Ziele ging, sondern um Geschäftemacherei und Korruption. Selbst im Luxus lebend, hörte er ständiges Maschinengewehrfeuer und Explosionen, sah seine KameradInnen entgeistert aus Einsätzen zurückkehren, erfuhr von Abu Ghureib und kam nach und nach dahinter, dass er als aktives Element einer grausigen Kriegsmaschinerie diente. Heute lebt er mit seiner deutschen Frau in Hanau und trägt dazu bei, über Kriegslügen der US-Regierung aufzuklären.
 
Achtjährige in Tarnanzügen
 
Da sich auch in den Vereinigten Staaten allmählich herumspricht, dass die Auslandseinsätze der army wenig mit „gerechtem Krieg“ und mehr mit Mord von ZivilistInnen zu tun haben (Parallelen zu Vietnam werden immer deutlicher), da immer mehr SoldatInnen in „bodybags“ (Leichensäcken) zurückkehren, ist es schwierig geworden, genügend Menschen zu finden, die sich noch freiwillig zur Armee verpflichten - selbst bei den Unterprivilegierten. Daher wird versucht, die Militarisierung der Gesellschaft in immer jüngeren Jahren durchzusetzen. In der Dia-Show, die Aimée und Chris vorführen, zeigen sie unter anderem Achtjährige in Tarnanzügen beim schulischen Drill. 
 
Bei solchen Extremen ist man hierzulande noch nicht angekommen. Dennoch legten die Kölner Veranstalter Wert darauf, nicht nur die amerikanische Kriegspolitik anzuprangern und die Bundeswehr, die ja gleichfalls in fernen Ländern - angeblich zur Terrorbekämpfung - Kampfeinsätze veranstaltet, ungeschoren zu lassen. M. Becker von der Gruppe „Bundeswehr wegtreten“ wies ausdrücklich auf Parallelen hin sowie auf hiesige antimilitaristische Aktivitäten: Störungen der Militär-Anwerbeversuche benachteiligter Jugendlicher in den Räumen der Arbeitsagentur zum Beispiel und des unter dem Motto „Klänge für den Frieden“ angekündigten Militärmusikfestivals in der Kölnarena.


Schülerveranstaltung am Vormittag
Foto: Maria Baumeister
 

Auch in Deutschland Schulen im Visier
 
Vielleicht konnten auch einige der 180 Schülerinnen und Schüler, die mit ihren Lehrern aus zwei Gesamtschulen (Paffrath und Rodenkirchen) und einem Gymnasium (Humboldt) zur Vormittagsveranstaltung mit Aimée Allison und Chris Capps in die Feuerwache gekommen waren, für die Thematik Rekrutierung und Militarisierung in ihrem Umfeld sensibilisiert werden.


Abendveranstaltung in der „Alten Feuerwache"
Foto: A. Bersch, arbeiterfotografie


Denn auch die Bundeswehr verstärkt zurzeit ihre Propaganda- und Rekrutierungsoffensive, um mehr Jugendliche anzulocken. Dabei sind unter anderem die Schulen im Visier. Auch mit Info-Trucks, Konzerten, Videospielen und Positiv-Berichterstattung in den Medien wird heftig geworben. Dieser Zusammenhang, den neben „Bundeswehr wegtreten“ auch die Mitveranstalter „PAX an“, „Kölner Aktionsbündnis gegen Krieg und Rassismus“, „Kölner Friedensforum“ und „Friedensinitiative Sülz-Klettenberg“ beleuchten wollten, kam in der Berichterstattung des „Kölner Stadt-Anzeiger“ nicht vor.
 
„Ich wollte mein Leben nicht für eine ungerechte Sache opfern“, sagt Chris Capps zur Begründung seiner Desertion. „Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“ sagt immer noch die Friedens- und Antikriegsbewegung. Das gilt für alle Länder. (PK)

Weitere Infos: www.Connection-eV.de und
www.bundeswehr-wegtreten.org

 

Online-Flyer Nr. 120  vom 07.11.2007



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