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Kultur und Wissen
Und dann schreiben sie Bücher und gestehen alles
„Sie sagen ja jetzt...“ - Teil 25
Von Ulla Lessmann
Manche sind heute beim Fernsehen, die hätten sich von ihr eine Scheibe abschneiden können, heute geht es ja nur nach der Figur und der Blondheit und die können nicht mal sprechen, aber die werden heutzutage bei diesen Castings ausgesucht, da sollen täglich Tausende hinströmen, die alle gleich aussehen und dann in diesen Serien auftreten und niemanden nachmachen können und die sind dann TV-Serien-Stars, die sich niemand merken kann, so wie dieser eine, den sie jetzt schon in drei Serien haben, als Arzt und als Pfarrer und als Kommissar, wobei er immer gleich aussieht und er soll eine ganz einsame Kindheit wegen einer schrecklichen Krankheit gehabt haben, die er dann auf der Bühne überwunden hat. Aber ich finde, deshalb muß er nicht dauernd im Fernsehen sein, Krankheiten haben schließlich viele, ohne dass sie damit öffentlich auftreten. Und er läßt sich ständig scheiden. Das fällt mir wirklich auf, dass die, die gecastet werden und dann in allen Serien spielen, immer krankhafte Kindheiten gehabt haben und dauernd geschieden werden und dann schreiben sie Bücher und gestehen alles. Man fragt sich, warum die zum Fernsehen gehen, wenn sie eigentlich lieber Bücher schreiben, aber wahrscheinlich ist das eine die Voraussetzung für das andere und für meine Tante Else wär‘ das eh nichts gewesen, die hat immer nur Onkel Wilhelm gehabt und hatte keine besonderen Krankheiten in ihrer Kindheit, die sie dann auf Bühne überwinden mußte und sie hat nicht mal Tagebuch geschrieben, das dann bis nach ihrem Tode geheim gewesen wäre und, wenn sie dann wahnsinnig berühmt gewesen wäre, als „geheime Tagebücher der Else B.“ meinen Nichten und Neffen noch ein hübsches Zubrot beschert hätte. Meine eine Nichte hat das geerbt, dieses Leute- und Dialekte-Nachahmenkönnen, aber die ist damit auch nicht beim Fernsehen gelandet, sondern spielt jetzt in der Volkshochschule Theater, ganz wunderbar, so natürlich und mit Ausdruck! Man versteht jedes Wort, wenn sie ganz vorne an den Rand geht und es ist immer voll, weil wir von der Familie alle hingehen und jetzt hoffen wir nur, dass sie sich nicht scheiden läßt und hinterher ein Buch schreibt, das wir dann alle kaufen müssen.

„Im Morgengrauen kam das Grauen“ heißt Ulla Lessmanns neuer Kurzkrimi in dem Ullstein-Sammelband „Ein verhagelter Sommer – 21 vergnügliche Urlaubskatastrophen“, herausgegeben von Angela Troni. – Ein Krimi, bei dem man am Ende auch nach dem dritten Lesen immer noch nicht weiß, wer der Mörder ist oder ob da überhaupt ein Mord stattgefunden hat. Mit von der Partie sind 20 weitere AutorInnen, u.a. Umberto Eco, Doris Dörrie, Kurt Tucholsky und Helmut Qualtinger.
Online-Flyer Nr. 94 vom 09.05.2007
Und dann schreiben sie Bücher und gestehen alles
„Sie sagen ja jetzt...“ - Teil 25
Von Ulla Lessmann
Manche sind heute beim Fernsehen, die hätten sich von ihr eine Scheibe abschneiden können, heute geht es ja nur nach der Figur und der Blondheit und die können nicht mal sprechen, aber die werden heutzutage bei diesen Castings ausgesucht, da sollen täglich Tausende hinströmen, die alle gleich aussehen und dann in diesen Serien auftreten und niemanden nachmachen können und die sind dann TV-Serien-Stars, die sich niemand merken kann, so wie dieser eine, den sie jetzt schon in drei Serien haben, als Arzt und als Pfarrer und als Kommissar, wobei er immer gleich aussieht und er soll eine ganz einsame Kindheit wegen einer schrecklichen Krankheit gehabt haben, die er dann auf der Bühne überwunden hat. Aber ich finde, deshalb muß er nicht dauernd im Fernsehen sein, Krankheiten haben schließlich viele, ohne dass sie damit öffentlich auftreten. Und er läßt sich ständig scheiden. Das fällt mir wirklich auf, dass die, die gecastet werden und dann in allen Serien spielen, immer krankhafte Kindheiten gehabt haben und dauernd geschieden werden und dann schreiben sie Bücher und gestehen alles. Man fragt sich, warum die zum Fernsehen gehen, wenn sie eigentlich lieber Bücher schreiben, aber wahrscheinlich ist das eine die Voraussetzung für das andere und für meine Tante Else wär‘ das eh nichts gewesen, die hat immer nur Onkel Wilhelm gehabt und hatte keine besonderen Krankheiten in ihrer Kindheit, die sie dann auf Bühne überwinden mußte und sie hat nicht mal Tagebuch geschrieben, das dann bis nach ihrem Tode geheim gewesen wäre und, wenn sie dann wahnsinnig berühmt gewesen wäre, als „geheime Tagebücher der Else B.“ meinen Nichten und Neffen noch ein hübsches Zubrot beschert hätte. Meine eine Nichte hat das geerbt, dieses Leute- und Dialekte-Nachahmenkönnen, aber die ist damit auch nicht beim Fernsehen gelandet, sondern spielt jetzt in der Volkshochschule Theater, ganz wunderbar, so natürlich und mit Ausdruck! Man versteht jedes Wort, wenn sie ganz vorne an den Rand geht und es ist immer voll, weil wir von der Familie alle hingehen und jetzt hoffen wir nur, dass sie sich nicht scheiden läßt und hinterher ein Buch schreibt, das wir dann alle kaufen müssen.

„Im Morgengrauen kam das Grauen“ heißt Ulla Lessmanns neuer Kurzkrimi in dem Ullstein-Sammelband „Ein verhagelter Sommer – 21 vergnügliche Urlaubskatastrophen“, herausgegeben von Angela Troni. – Ein Krimi, bei dem man am Ende auch nach dem dritten Lesen immer noch nicht weiß, wer der Mörder ist oder ob da überhaupt ein Mord stattgefunden hat. Mit von der Partie sind 20 weitere AutorInnen, u.a. Umberto Eco, Doris Dörrie, Kurt Tucholsky und Helmut Qualtinger.
Online-Flyer Nr. 94 vom 09.05.2007














